Kronach
Engagement

Besonderes Ehrenamt: Wallenfelserin näht für Frühchen und Sternenkinder

Daniela Förner widmet ihre Freizeit einer ganz besonderen und besonders wichtigen Aufgabe: In mühevoller Handarbeit fertigt sie Kleidung und Erinnerungsstücke für Frühchen und Sternenkinder an.
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Daniela Förner mit einem Sternenbett, das sie in Handarbeit gefertigt hat.  Fotos: Anna-Lena Deuerling
Daniela Förner mit einem Sternenbett, das sie in Handarbeit gefertigt hat. Fotos: Anna-Lena Deuerling
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Mit einem verschmitzten Grinsen sitzt der kleine Krake auf dem Tisch. Die feinen Maschen leuchten in einem knalligen Orange. Die Tentakel aus Stoff sind so filigran, dass selbst der kleine Finger wuchtig daneben wirkt. Bald wird er sich per Post auf den Weg machen und irgendwo in Deutschland mit jenem verschmitzten Grinsen auf einen kleinen Patienten aufpassen. Denn das Meerestier wurde dafür gemacht, einem Frühchen auf seine Art beim Großwerden zu helfen.

"Die kleinen Patienten greifen schnell nach allem", weiß Daniela Förner, die den kleinen Begleiter Masche für Masche gehäkelt hat. Der Greifreflex bei Frühchen ist schon früh stark ausgebildet. Manchmal ziehen sich allerdings den Tubus aus der Nase - was schmerzhaft und gefährlich sein kann. Dann doch besser den weichen Tentakel der Stoffkrake umklammern, der ganz bewusst der Nabelschnur nachempfunden ist, die sie noch aus dem Mutterleib kennen.

Besonderes Ehrenamt

Daniela Förner aus Wallenfels hat sich für ein ganz besonderes Ehrenamt entschieden: Neben den kleinen Kraken häkelt, strickt und näht sie in ihrer Freizeit Kleidung und Erinnerungsstücke für Frühchen und Sternenkinder. Passionierte Hobbynäherin sei sie schon immer gewesen, erzählt die 46-Jährige. Über verschiedene Nähgruppen im Internet und auf Facebook sei sie dann auf die Nähfabrik für Frühchen und Sternenkinder gestoßen. Den Kindern und vor allem auch den Eltern auf diese Weise ein wenig in einer schweren Situation helfen zu können, davon sei sie sofort überzeugt gewesen. Die Gruppe sei kein eingetragener Verein, jede Näherin arbeite aber ehrenamtlich, unter anderem auch direkt mit Kliniken zusammen.

Mittlerweile ist Förner außerdem in einer WhatsApp-Gruppe mit circa 50 Mitgliedern, die "Babypost" nach ganz Deutschland verschickt. Eltern oder Hebammen können sich an die Näherinnen wenden, die dann je nach Größe und Situation eine Erstausstattung für das Kind anfertigen. "Wir teilen uns das dann untereinander auf, und jeder übernimmt das, was er gerade schafft", erklärt Förner.

Schnittmuster für Puppen

Dass die Eltern den Näherinnen unter anderem Kopfumfang, Gewicht und Größe mitteilen müssen, hat einen einfachen Grund: "Für diese kleinen Menschen gibt es noch gar keine Größen." Babybekleidung fange ja meist erst bei Größe 50 an. "Da verschwinden die Frühchen ja drin", sagt die gelernte Kinderpflegerin. "Warum sollten die kleinen Würmchen nicht auch schöne bunte Farben tragen können?" Auch Schnittmuster für die selbstgenähten Stücke zu finden sei schwierig - da behelfe man sich auch mal an solchen für Puppenkleidung.

Oft erreichen sie und ihre Mitstreiterinnen Grüße und Fotos von den kleinen Familien, verbunden mit Worten der Dankbarkeit. "Sie sitzen da hilflos vor den Inkubator im Krankenhaus, um ihr Kind herum 1000 Geräte", versucht die zweifache Mutter sich in die Situation zu versetzen. "Wenn das Kind eigene, bunte und fröhliche Kleidung trägt und mit einer Decke vom grellen Licht geschützt ist, ist das doch viel schöner", sagt sie. "Die Eltern sind sehr dankbar - die haben in solchen Situationen einfach besseres zu tun, als einzukaufen."

Natürlich schafft nicht jedes Frühchen den Kampf, das seien auch für sie sehr schwere Situationen. "Man kennt die Leute natürlich nicht persönlich, aber man hat mit Liebe für das Kind genäht, es auch irgendwie begleitet und war mit den Gedanken bei den Eltern."

Bei den Sternenkindern sei das nicht weniger schwierig. Doch auch für diese kleinen Menschen passende und persönliche Kleidung und Erinnerungsstücke zu fertigen, sei ihr ein besonderes Anliegen. "Da passiert so viel anonym und steril - aber es sind doch immer noch Kinder." Und für diese Kinder näht sie kleine Sternenbetten - in bunten Farben, mit fröhlichen Motiven.

Als Erinnerungsstück für die Eltern gebe es zu jedem Sternenbett ein Teil aus demselben Stoff, zum Beispiel einen kleinen Stern, dazu. "Das ist glaube ich wichtig für die Eltern, dass sie so verbunden sind", sagt die Näherin. So entstehen auch kleine Engelsflügel, Anhänger oder Armbänder. Jedes Stück Masche für Masche, Perle für Perle, mit Liebe gefertigt.

Das Projekt unterstützen

Materialspenden Die "Nähfabrik für Frühchen&Sternchen" arbeitet ehrenamtlich und ist auch auf Spenden - vor allem Sachspenden - angewiesen. Daniela Förner und ihre Mitstreiterinnen sind immer auf der Suche nach Bündchenstoffen und Stoffen (Jersey, Baumwolle, mindestens 20x20 cm), Garn, Wolle, Häkel- und Stricknadeln und weiterem Nähzubehör. Auch Bastelmaterial wie Ton- oder Prägepapier, Perlen aller Farben und Art, Kordeln, Nietstifte, Gummiband oder Schlüsselringe, aus denen Anhänger gefertigt werden, können gespendet werden.

Kontakt Wer die Gruppe mit einer Spende oder seiner Mitarbeit unterstützen möchte, kann sich auf Facebook an Daniela Förner oder per Mail (naehfabrik-fruehchen-sternchen@web.de) an die Nähgruppe wenden.

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