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Kronach
Hilfe

Berufsschüler helfen Senioren

Die Seniorengemeinschaft Kronach ermutigt Berufsschüler, älteren Menschen im Alltag unter die Arme zu greifen. Senioren können außerdem Schüler bei sich wohnen lassen - und dafür Hilfe in Anspruch nehmen.
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Annika Gehring kann sich gut vorstellen, Senioren im Alltag unter die Arme zu greifen.  Foto: Sabine Herteux
Annika Gehring kann sich gut vorstellen, Senioren im Alltag unter die Arme zu greifen. Foto: Sabine Herteux
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Geduldig schenkt Annika Gehring den Senioren ihren Kaffee ein. Fängt ein Schwätzchen an. Lacht mit ihnen. Der 16-Jährigen macht die Arbeit mit älteren Menschen sichtlich Spaß. Eigentlich ist sie Auszubildende für Hauswirtschaft. Für das Treffen der Seniorengemeinschaft in der Berufsschule am Mittwoch hat sie gemeinsam mit ihren Mitschülern Kuchen gebacken. Doch sie könnte sich auch mehr vorstellen, sei es bei der Hausarbeit mit anzupacken oder einkaufen zu gehen: "Ich bin gerne mit Senioren zusammen", sagt sie.

Genau so stellt es sich auch Bianca Fischer-Kilian, Vorsitzende der Seniorengemeinschaft Kronach, vor: "Berufsschüler treffen Senioren", heißt das Experiment, das sie ganz neu anpacken möchte. Für sechs Euro die Stunde könnten Schüler ab 16 Jahre älteren Menschen im Alltag unter die Arme greifen. Fällig wäre dazu aber auch der Mitgliedsbeitrag von 30 Euro pro Jahr, um die Versicherung zu gewährleisten.

Arbeiten in den Sommerferien

Die Berufsschülerinnen vor Ort sprach sie gleich direkt darauf an. Sie konnten es sich alle - genauso wie Annika - sehr gut vorstellen, Senioren in ihrer Freizeit zu helfen. "Es ist ein Versuch, gerade jetzt, wenn die Sommerferien vor der Tür stehen", wirbt Fischer-Kilian.

Ein weiteres Projekt startet der Arbeitskreis "Familienfreudiges Kronach", das Claudia Ringhoff, Projektmanagerin bei "Kronach Creativ", den Senioren vorstellte. Die Idee dahinter: In Kronach gibt es viele Referendare und durch die Berufsschulen viele Schüler, die nur vorübergehend in Kronach leben und es sich oftmals nicht lohnt, eine Wohnung fest zu mieten. "Viele Senioren sind alleinstehend, haben viel Platz und ein riesen Haus", sagt Ringhoff. Würden sie einen Schüler oder einen Referendar bei sich wohnen lassen, bekämen sie nicht nur Geld, sondern auch Hilfeleistungen. Im Haushalt, bei Gartenarbeiten, bei Einkäufen oder ähnlichem. "Das könnten Senioren dann mit der Miete verrechnen", erklärt Ringhoff das Prinzip.

Mit den Sekretärinnen der Schulen hat sie bereits Kontakt aufgenommen. Besonderer Bedarf wäre an der Berufsfachschule für Musik. "Pro Jahr kommen 20 neue junge Menschen nach Kronach", sagt Ringhoff. Die Seniorengemeinschaft würde als Vermittlungsstelle fungieren. Unter den Senioren kam schnell die Frage auf: "Wie ist es mit der Verpflegung? Müssen wir dann auch für sie kochen?" Ringhoff beruhigte: Das kann sein, muss aber nicht. "Es ist ein Experiment, man muss auch erstmal herausfinden, ob die Chemie stimmt. Aber vielleicht entsteht ja eine schöne Gemeinschaft", ermutigt sie die Senioren, es selbst auszuprobieren. Jetzt, oder später, wenn sie Hilfe brauchen.

Weitere Infos:

ZDF-Reportage Das ZDF macht eine Reportage mit dem Thema "Wenn Eltern alt werden" und sucht dazu über die Seniorengemeinschaft auch Eltern und Kinder aus dem Landkreis Kronach. Bisher konnte Bianca Fischer-Kilian allerdings noch keine Teilnehmer finden. Vor allem solche Senioren, die sich Hilfe holen, weil deren Kinder weit weg wohnen, sind gesucht. "Es wäre schade, wenn wir diese Möglichkeit sausen lassen müssten", sagt Fischer-Kilian.

Seniorenschlafzimmer Ein Mitglied der Seniorengemeinschaft hat gegen Abholung ein Seniorenschlafzimmer mit einem Bett, einem Nachtkästchen und einem dreitürigen Schrank zu verschenken. Bei Interesse bei Bianca Fischer-Kilian melden.

Theater Für das Landestheater in Coburg bildet sich unter den Senioren derzeit eine Fahrgemeinschaft. Wer ebenfalls mitfahren möchte, soll sich an Fischer-Kilian wenden.

Festung Die Festung bietet eine barrierefreie Führung speziell für Senioren an. Wer teilnehmen möchte, kann sich bei Fischer-Kilian informieren.

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