Unterrodach
Landwirtschaft

Bei Peter Heller in Unterrodach kommt jedes Korn vor die Linse

Der Unterrodacher Biolandwirt Peter Heller sortiert mit moderner Technik alles aus Agrarprodukten heraus, was dort nichts zu suchen hat.
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Peter Heller stellt den Suchalgorithmus am Farbausleser ein. Gerne hätte er jemanden, der ihn bei solchen Tätigkeiten unterstützt, doch geeignete Mitarbeiter für die Bedienung solcher Technik sind schwer zu finden.  Foto: Marco Meißner
Peter Heller stellt den Suchalgorithmus am Farbausleser ein. Gerne hätte er jemanden, der ihn bei solchen Tätigkeiten unterstützt, doch geeignete Mitarbeiter für die Bedienung solcher Technik sind schwer zu finden. Foto: Marco Meißner
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Wenn Biolandwirt Peter Heller (37) seine Scheunentür mitten in Unterrodach öffnet, muhen dahinter keine Kühe und quieken keine Schweine. Stattdessen wartet Hightech auf ihren Einsatz. Heller ist mit Herzblut als Bauer tätig, aber er hat noch eine besondere berufliche Nische für sich entdeckt. Mit riesigen Maschinen sorgt er dafür, dass in den Lebensmittelläden nur die Produkte in den Packungen landen, die auch drin sein sollen.

Ein konventioneller Landwirt lege sich bei größeren Investitionen, wie einem Stallbau, mit seinem Betrieb auf 20, 30 Jahre fest, meint der Unterrodacher. Er selbst wünschte sich eine größere Flexibilität. "Es macht mir Spaß, Landwirt zu sein, und nicht nach Schema F beim Anbau vorgehen zu müssen", erklärt er seine Entscheidung, in die Biospur zu wechseln, als er den väterlichen Hof vor zehn Jahren übernommen hat. "Da hast du mehr Möglichkeiten", erzählt er vom Anbau verschiedener Feldfrüchte zur gleichen Zeit auf gleicher Fläche. Im konventionellen Ackerbau gebe es dagegen nur eine Handvoll Standardkulturen.

Aktuell testet Heller beispielsweise eine Kombination aus Gerste, Linse und einer Ölfrucht. Schmunzelnd berichtet er von Berufskollegen, die sich beim Anblick solcher Äcker über das viele "Unkraut" wundern, weil sie meist die später abreifende Kultur für Unkraut halten (die Linse ist zum Beispiel noch grün, wenn die Gerste schon am abreifen ist). "Für mich wirkt das Grün im Feld cool", sagt Heller.

Doch solche Gemenge bringen nicht nur für ihn, sondern für viele Biolandwirte und - unternehmen ein Problem mit sich. Die einzelnen Produkte sind nach der Ernte teilweise nicht mehr sortenrein. Das ist im Verkauf ebenso ein Nachteil wie Verunreinigungen durch Steinchen oder Grassamen oder aber auch nur optische Abweichungen bei einzelnen Körnern. Der Kunde könnte so etwas ja als minderwertig deuten.

Viel in Anlage investiert

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An dieser Stelle kommt Hellers Scheune ins Spiel. Viel Zeit, noch mehr Arbeit und fast eine Million Euro steckte der Landwirt in die Anlagen, die er eigenhändig aufgebaut und meistens auch weiterentwickelt hat. Deren Aufgabe: In mehreren Schritten entfernen sie alles aus dem Produkt, was nicht in die Verpackung soll. Und das nahezu zu 100 Prozent. Technisch sei die Anlage das Beste, was der Markt zurzeit hergebe.

Im ersten Schritt wird eine Windreinigung vorgenommen. "Das funktioniert ähnlich wie bei einem Staubsauger", erklärt Heller eine Trennung nach leichten und schweren Bestandteilen. So können beispielsweise Stroh und Staub entfernt werden. In einer Siebreinigung wird nach Korngröße getrennt. 25 000 Euro kosteten alleine die notwendigen Siebe, für die dann noch vom Schreiner maßgenaue Rahmen angefertigt werden mussten.

Der dritte Schritt ist der Trieur. In dieser Trommel werden die Produkte nach Form getrennt. Heller erklärt: "Er kann runde Sachen aus länglichen herauspopeln, zum Beispiel lässt sich so gut Getreide von Linsen trennen." Das sei eine ganz einfache, mechanische Vorgehensweise, die schon seit Jahrhunderten angewendet werde. Bei ihm sei diese Technik jetzt aber hochgetrimmt worden.

Ein weiterer Windreiniger, der nicht saugt, sondern drückt, hilft bei der Trennung von Dingen, die zwar die gleiche Oberfläche, aber ein unterschiedliches Gewicht haben. Steinchen oder für die Saat nutzbare, größere Körner lassen sich dadurch gut aus der Masse herausfischen.

Keine Fremdstoffe

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Anschließend kann ein sanfter Polierer oberflächliche Störfaktoren entfernen. Dabei reibt Korn an Korn. Plastikbürsten oder ähnliches bleiben bei Heller außen vor. Daher kommen keine Fremdstoffe vom Abrieb ins Produkt.

Für den sechsten Schritt kommt Heller bei seinem Schmuckstück an: ein Farbausleser. Bis zu 40 000 Bilder schießt das Gerät pro Sekunde, während Körner, Linsen oder Gewürze über eine Rutsche vorbeihuschen. Nach einem vorher eingestellten Suchalgorithmus entfernt der Farbausleser Sekundenbruchteile später mit Druckluft die ungewünschten Stoffe aus den fallenden Produkten. "Vor zehn Jahren konnten die Geräte gerade mal Hell von Dunkel unterscheiden", erzählt Heller, der mit namhaften Unternehmen aus der Biobranche zusammenarbeitet. Die moderne Technik "macht's teuer, aber sie gibt einem auch Möglichkeiten", fügt der Unterrodacher an. Hell und dunkel, Farbunterschiede, Größenunterschiede und dank Nahinfrarot sogar Inhaltsstoffe können nun für jedes einzelne Korn geprüft werden.

Doch rentiert sich der Aufwand? Für beide Seiten? Heller sagt ja. So gehe es bei Bioprodukten um ganz andere Preisunterschiede als bei den großen, konventionell erwirtschafteten Mengen. "Linsen im Gemenge kosten vielleicht 1,50 Euro pro Kilo, reine Linsen vielleicht 3,50 bis fünf Euro - das ist schon ein Faktor", erklärt er. Und manche Produkte ließen sich unrein überhaupt nicht vermarkten.

Schätzungsweise 1000 Tonnen der verschiedensten Produkte durchlaufen jährlich seine Anlage. Für einen konventionellen Landwirt erscheine das auf den ersten Blick als nicht viel, stellt Heller fest. "Aber das sind alles Spezialprodukte", fügt er an. Und für die ist die Nachfrage so groß, dass er längst nicht mehr alle Aufträge annehmen kann.

Bei der Sortierung geht es um mehr als eine schöne Verkaufsoptik

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Wenn im Päckchen grüner Linsen plötzlich eine Andersfarbige mit kleinen Tupfen auftaucht, wird der Kunde schon mal skeptisch. Schimmelt die? Ist da was Falsches reingeraten? Ist es nicht. Die Linse schaut einfach nur anders aus. Für den Handel ist diese Reaktion aber ein Problem.

Doch bei der Entscheidung, die Produkte sauber trennen zu lassen, geht es nicht nur um eine schöne Optik für den Verkauf. Das weiß auch Sandro Walter. In seinem Laden "Gewürzallerlei" in Kronach stehen unter anderem die kleinen Tütchen mit Gewürzen und Tee. Auch diese Produkte müssen sortenrein sein. Aus gutem Grund.

"Die Leute schauen da echt drauf", stellt Walter fest. Und den Kunden gehe es nicht nur um eine einheitliche Optik. Das Stichwort laute vielmehr: Allergene. Beispielsweise bei Senf, Zimt oder Sesam müsse man gut aufpassen.

Wenn nur die Möglichkeit bestehe, dass ein Hauch eines anderen Stoffes in der Produktion mit eingeflossen sein könnte, muss das vermerkt werden. "Da muss dann beispielsweise auf die Packung geschrieben werden: Kann Spuren von Sesam oder Sellerie enthalten." Das gelte ebenso für die Ölmühlen beim Pressen. Da könnten schon kleinste Mengen von Fremdstoffen zu einem Problem werden.

Sicherheit für Landwirte

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Und nicht nur für den Kunden sei die feine Sortierung der Produkte sinnvoll. Walter erinnert sich an einen Fall, den ihm ein Landwirt geschildert hatte. Dem hätten offenbar Abstriche bei der Bioprämie gedroht. Der Grund seien angebliche Verunreinigungen in einem seiner Produkte gewesen. Der Landwirt sei aber auf der sicheren Seite gewesen. Er sei vorher nämlich bei Peter Heller gewesen. Und der habe ihm die Sortierung bescheinigen können.



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