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Wallenfels
Abschiedszimmer

Begleitung auf dem letzten Weg - in Wallenfels geht es trotz Corona

Sterbebegleitung für Altenheimbewohner in Corona-Zeiten? Im Altenheim St. Elisabeth in Wallenfels wurde nun eine Lösung gefunden.
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Angstfreie Lebenswegbegleitung trotz Corona: Ein direkter Zugang nach draußen ist der Hauptgesichtspunkt des Abschiedszimmers im Altenheim St. Elisabeth Wallenfels.Susanne Deuerling
Angstfreie Lebenswegbegleitung trotz Corona: Ein direkter Zugang nach draußen ist der Hauptgesichtspunkt des Abschiedszimmers im Altenheim St. Elisabeth Wallenfels.Susanne Deuerling
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Wenn ein geliebter Mensch im Sterben liegt, ist es schon schlimm genug. Wenn es aber nicht möglich ist, von ihm Abschied zu nehmen, wenn es nicht möglich ist, ihm den Übergang zu erleichtern, ihm Trost zu spenden und für ihn dazusein, dann ist es noch viel schlimmer. Besonders in der jetzigen Zeit, in der das Coronavirus besonders die Bewohner des Caritas Alten- und Pflegeheims "St. Elisabeth" in Wallenfels von der Außenwelt isoliert und die Pflegekräfte an ihre Grenzen kommen lässt. Da ist es wichtig, dass man trotzdem für Sterbende dasein kann.

Kein Kontakt mit anderen

Die Heimleitung hat deshalb in Verbindung mit dem Caritasverband für den Landkreis Kronach das sogenannte Abschiedszimmer in einen anderen Teil des Heimes verlegt. Von da aus geht ein Ein- und Ausgang ins Freie. Somit muss das Heimgebäude nicht durch das Foyer betreten werden und es gibt auch keinen Kontakt mit anderen Räumen oder Bewohnern.

Am derzeit aus gegebenen Gründen nicht benutzten Speisesaal im Erdgeschoss schließt sich ein abgetrennter Raum an, in dem die Pflegekräfte Besprechungen abgehalten oder Pause gemacht haben. Es führt eine Tür auf eine kleine Terrasse, die direkten Zugang von der Straße hat. Aus diesem abgetrennten Besprechungszimmer wurde nun ein liebevoll eingerichteter Raum, ausgestattet mit allem, was auch bisher im Abschiedszimmer vorhanden war.

Liebevolle Zuwendung

"Achtsam in Liebe geborgen" - so lautet schließlich der Leitspruch der Lebenswegbegleitung hier in St. Elisabeth. Und geborgen darf sich auch in diesem neuen Raum jeder fühlen. Den Leitgedanken spürbar werden lassen, das ist für jeden in St. Elisabeth ein Bedürfnis. Die Lebenswegbegleitung ist ja nicht nur irgendein Beruf, sondern eine Berufung für Bettina Förner. Und das spüren die schwerst kranken und bettlägerigen Bewohner, wenn sie besucht werden und liebevolle Zuwendung finden.

Doch was bedeutet diese intensive Zuwendung konkret? Gemeinsam mit dem Bewohner werden die Nähe und Wärme Gottes in Form von Gebeten gesucht. Selbstverständlich wird niemand der Glaube aufgezwungen, sondern jeder darf frei entscheiden. Im Zimmer herrscht dann eine stimmungsvolle Atmosphäre, geprägt vom warmen Schein der Salzlampe. Das warme Licht spendet dem Bewohner innere Ruhe, Entspannung und Zeit zum Nachdenken.

In Corona-Zeiten ist das natürlich nicht so einfach. Zahlreiche Auflagen müssen berücksichtigt werden, die Sicherheit für Personal und Bewohner sowie Angehörige des zu verabschiedenden Verwandten muss so gut wie möglich gewährleistet sein, und doch soll die Zuwendung nicht zu kurz kommen. All das geht natürlich nicht ohne feste Richtlinien.

Eine Sonderreglung

Generell gibt es ein Besuchsverbot für Alten- und Pflegeheime, das auch seit dem 14. März in Wallenfels eingehalten wird. Doch es gibt eine Sonderreglung: Bewohner, die sich in der Sterbephase befinden, dürfen von ihren Angehörigen besucht werden. Um jedoch das Risiko zu minimieren, wurde nun der Umzug des Abschiedszimmers durchgeführt. Trotzdem kann aber nicht jeder kommen und gehen, wie es ihm passt. Die Pflegedienstleitung (PDL) mit Fabiola Maier und Viola Förtsch bespricht und koordiniert mit der Lebenswegbegleiterin Bettina Förner den Besuch der Angehörigen. Förner ist auch beim ersten Besuch vor Ort. Die Besuchszeit wird individuell abgesprochen. Sollten die Angehörigen Unterstützung benötigen, werden sie darum gebeten, mit ihren eigenen Handys telefonisch Kontakt zum jeweiligen Wohnbereich aufzunehmen.

Ein Restrisiko bleibt

Die Desinfektion der Hände beim Betreten des Raumes und das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes und weiterer Schutzkleidung, soweit notwendig, sind eine Selbstverständlichkeit. Das Pflegepersonal lässt die Besucher durch die Terrasseneingangstür hinein und auch wieder hinaus. Das Risiko ist natürlich nicht vollkommen zu beseitigen, aber es wird bereits auf die Unterstützung von Ehrenamtlichen verzichtet.

Für das gesamte Team des Caritas Alten- und Pflegeheimes St. Elisabeth, aber besonders für die Lebenswegbegleiterin ist es eine Erleichterung, dass sie auch in diesen schweren Zeiten, in denen es so viele Einschränkungen geben muss, den letzten Weg mit ihren Bewohnern gehen können. Und damit geben sie auch den Angehörigen ein wenig Trost, denn niemand möchte einen lieben Verwandten allein und ohne Begleitung ins Licht gehen lassen.