Kronach
Infrastruktur

Bedarfs-ÖPNV geht in die nächste Runde

Der Landkreis und der OVF stellten in Kronach Ergebnisse der Haushaltsbefragung zum bedarfsorientierten Nahverkehrskonzept vor. Die Erkenntnisse sind zahlreich. Unklar ist noch, wie das Konzept auf die Straße gebracht wird.
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Lange Wartezeiten und verpasste Busse sollen mit dem bedarfsorientierten Mobilitätskonzept der Vergangenheit angehören.  Foto: Archiv/Steffens
Lange Wartezeiten und verpasste Busse sollen mit dem bedarfsorientierten Mobilitätskonzept der Vergangenheit angehören. Foto: Archiv/Steffens
Linienbusse, die nur einen Fahrgast transportieren, und lange Wartezeiten. Beides ist Realität im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) im Kreis Kronach. Deshalb wird an einem neuen Nahverkehrskonzept gearbeitet (wir berichteten). Nach Abschluss der Erhebungsphase suchen die Verantwortlichen von Landratsamt und Omnibusverkehr Franken (OVF) jetzt die Diskussion mit Politik, Kommunen und Bürgern.

Wann fahren Bürger des Kreises Kronach wie (oft) zur Arbeit, in die Schule, zum Sport oder zum Einkaufen? Und in welchen Ort soll's gehen? Das sind einige der Fragen, die bei der Erhebung der Fahrgewohnheiten gestellt wurden. 36 000 Fragebögen gingen an die Haushalte im Landkreis, beachtliche 9900 kamen zurück. "Deutlich wird die überragende Rolle der Kreisstadt, was die Verkehrsströme angeht", sagte Thomas Huber von Omnibusverkehr Franken (OVF). Das zur Deutschen Bahn gehörende Unternehmen ist Kooperationspartner des Regionalmanagements im Kreis Kronach bei der Erstellung des Mobilitätskonzepts.

Huber hatte eine digitale Karte vom Landkreis im Gepäck, auf der Pfeile bestehende Verkehrsströme symbolisierten. Sie zeigten die aktuellen Fahrtstrecken der Bürger als Ergebnisse der Bürgerbefragung. Bei den Darstellungen zu Arbeit, Versorgung und Freizeit führen jeweils die meisten und dicksten Pfeile nach Kronach.

Viele wählen das Auto

Auffällig war, dass verhältnismäßig wenige der Befragten den ÖPNV für Fahrten wählen. "Eine so ausgeprägte Nutzung des eigenen Autos habe ich in keinem anderen Landkreis gesehen", sagt Huber. 4567 der Befragten gaben an, für Arbeitsfahrten den Pkw zu nutzen. Fahrrad (502), Bus (289) und Bahn (190) nutzten deutlich weniger. Das, so Huber, sei wohl auch dem noch mäßigen Angebot im ÖPNV geschuldet.

Nur rund 34 Prozent des Kreisgebiets sind laut den Erhebungen gut oder sehr gut erschlossen, das heißt in unmittelbarer Nähe zu Haltestellen. 21 Prozent gelten als fast nicht erschlossen. Wenig überraschend war die Erkenntnis, dass sich ein Großteil des Verkehrs auf den südlichen Landkreis konzentriert. "Die Kreisstadt ist klar auch das Verkehrszentrum", sagte Michaela Mohrhard, Expertin für bedarfsgesteuerte ÖPNV-Angebote beim Kronacher Landratsamt. Das heißt bisher leider auch, dass Routen ohne Bezug zur Kreisstadt weniger prominent befahren werden. "Ein Problem, das mit dem neuen Plan angegangen wird", so Mohrhard.

Das alte Nahverkehrskonzept, das aus den Jahren 1995/96 datiert, sei unzeitgemäß geworden. Sie zeigte die Fehler auf: Lange Wartezeiten zwischen den Fahrten, wenig Haltestellen, keine Querverbindungen, kein Angebot in den Abendstunden ... Zumal die mit dem demografischen Wandel einhergehende Verstreuung von Wohngebieten auf Dauer nicht mit dem Linienverkehr harmoniere.

Hier soll das neue Bedarfskonzept ansetzen und mehr Flexibilität bringen. Bis zu zehn Tage und mindestens eine Stunde vor gewünschtem Fahrtbeginn sollen Bürger über eine kostenlose Hotline oder im Internet einen Kleinbus in ihre Nähe bestellen können. Im Optimalfall finden sich Gruppen, die befördert werden wollen. "Aber geplant ist, dass ab einer Person gefahren wird", so Huber auf eine Nachfrage aus dem Plenum.

Umsetzung wird schwierig

Ein ökonomischer Vorteil des Bedarfskonzeptes dürfte darin bestehen, dass nur notwendige Haltestellen angefahren werden und somit schlankere Routen als bisher möglich werden. Allerdings, sagte Regionalmanager Willi Fehn, werde das Bedarfskonzept den Linienverkehr nicht ablösen. "Es ist eine Kombination aus Linie und Bedarf angedacht", so Fehn. Wenn auf lange Sicht eine Linie "obsolet" werde, sei das allerdings "ein Glücksfall".
Die größte Herausforderung, so Fehn, werde nun darin bestehen, das Konzept auf die Straße zu bringen. Er reagierte damit auf Fragen aus dem Plenum, wie genügend Fahrzeuge und Fahrer für das Großprojekt akquiriert werden könnten.

Weißenbrunns Bürgermeister Egon Herrmann äußerte Zweifel, dass sich das Konzept finanziell tragen werde. Regionalmanager Fehn stimmte zu, es werde nicht kostendeckend sein. Trotzdem werde versucht, die bisherigen Preise für den ÖPNV nicht zu erhöhen. Eine Förderung des Freistaats sei - zumindest bis 2017 - denkbar. "Wir werden ständig beobachten und das System gegebenenfalls nachjustieren müssen", so der Regionalmanager.

Claudia Ringhoff fragte nach, ob es für Kommunen noch Sinn mache, am Bürgerbus-Konzepten zu stricken. Darauf gab es ein klares Ja. Kommunale Projekte könnten sicherlich integriert werden.

Weiterhin sucht das Landratsamt die Diskussion mit den Bürgern und Amtsträgern. Die nächste Präsentation ist in Steinbach am Wald am Montag, 9. März, um 18.30 Uhr im Feuerwehrgerätehaus.

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