Kronach
Landwirtschaft

Bayer's Erdbeeren bald aus Haßlach bewässert? Kronacher Stadtrat übt massive Kritik

Hermann Bayer möchte seine Erdbeerfelder aus der Haßlach heraus bewässern - ein entsprechender Antrag liegt dem Landratsamt vor. Andere Anlieger wollen nun jedoch rechtlich dagegen vorgehen.
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Herman Bayer von "Bayer's Franken-Erdbeeren" hat einen Antrag für Wasserentnahme aus der Haßlach gestellt. Von Stadtrat Hans-Georg Simon erntet er dafür harsche Kritik. Foto: Archiv/Marian Hamacher
Herman Bayer von "Bayer's Franken-Erdbeeren" hat einen Antrag für Wasserentnahme aus der Haßlach gestellt. Von Stadtrat Hans-Georg Simon erntet er dafür harsche Kritik. Foto: Archiv/Marian Hamacher

Für Hans-Georg Simon strotzt dieses Vorhaben vor Dreistigkeit. Als in der Kronacher Stadtratssitzung ein Antrag von Hermann Bayer angesprochen wurde, war Simon einer der lautesten Kritiker. Landwirt Bayer plant, an insgesamt 28 Stellen bei Kronach sowie in den Gemeinden Pressig und Stockheim Wasser aus der Haßlach abzupumpen, um damit seine Erdbeerfelder zu bewässern.

Ob und mit welchen Auflagen dieser Antrag vom Landratsamt bewilligt wird, steht noch aus. Simons Meinung nach sei es aber untragbar, dass ein einzelnes Unternehmen ein Monopol auf die Entnahme beansprucht. Bayer selbst findet die Kritik an seinem Antrag vollkommen unangebracht: Simon fehle einfach die nötige Fachkompetenz, um das Thema zu beurteilen.

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"Wer eine Pumpe ins Wasser hängt, kriegt ein Problem", meint Simon. Schließlich sei Bayer nicht der einzige, der Wasser benötige. Mehrere Fischereiberechtigte sowie der Kronacher Fischerverein hätten bei ihm nachgefragt, was es mit dem Antrag auf sich habe. Als Simon das Thema im Stadtrat vortrug, sei er an das Landratsamt weiterverwiesen worden. Ein Betroffener wolle rechtlich gegen den Antrag vorgehen, sollte dieser genehmigt werden.

Wettbewerbsverzerrung durch Wasserentnahme

"Es ist jetzt schon zu wenig Wasser vorhanden, das sagen auch die Landwirte", so Simon. Die zusätzliche Entnahme würde Probleme bei der Wasserreinigung in der Kläranlage hervorrufen. Ein niedriger Wasserstand, hohe Temperaturen und wenig Sauerstoff könnten zudem zu einem Fischsterben führen. Dass Bayer eine Genehmigung für einen Zeitraum von 20 Jahren beantragt, findet Simon dreist. Damit würde Bayer den Wettbewerb ausschalten und andere Lebensmittelhersteller, die sich hier ansiedeln möchten, abschrecken.

Im Rahmen der Stadtratssitzung sei der Antrag lediglich unter dem Punkt "Sonstiges" angesprochen worden. "Es wurde darauf verwiesen, dass die Stadt hier sachlich nicht zuständig ist, sondern Wasserwirtschaftsamt und Landratsamt", sagt Pressesprecher Stefan Wicklein. Auch die Gemeinde Pressig erklärt, dass es sich bei der Haßlach um kein gemeindliches Gewässer handle. Der Antrag von Hermann Bayer, der für Pressig fünf Entnahmestellen vorsieht, sei ihnen allerdings nicht bekannt.

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Die Gemeinde Stockheim wurde dagegen über das Vorhaben informiert. Als Fischereiberechtigte steht es ihnen zu, Einwände zu erheben. Geschäftsleiter Rainer Förtsch habe daraufhin Bedenken geäußert. Denn die Entnahme könnte bei einem ähnlich niedrigen Wasserstand wie im vergangenen Sommer zu Umweltproblemen führen. "Das war eine dramatische Situation", erinnert sich Förtsch. "Und wenn man den Prognosen Glauben schenken kann, wird es dieses Jahr nicht besser." Bei den 13 geplanten Entnahmestellen rund um Stockheim handle es sich außerdem um eine "immense Zahl". Sie selbst könnten den Antrag jedoch nicht bewilligen oder ablehnen, erklärt Förtsch, sondern lediglich ihre Einwände weitergeben.

Entscheidung des Landratsamtes steht aus

Von Seiten des Landratsamtes heißt es, dass über den Antrag bisher nicht entschieden wurde, da nicht alle notwendigen Einschätzungen der Sachverständigen vorliegen. "Derzeit kann keine Aussage zu den Erfolgsaussichten des Antrages oder möglichen Nebenbestimmungen getroffen werden", schreibt Sprecher Stefan Schneider.

Im Zusammenhang mit Bayers Antrag wolle Simon auch die Wasserentnahme am Gundelsdorfer Brunnen hinterfragen. Diesen habe Bayer vor etwa zwei Jahren gekauft. Einige Einwohner hätten Simon darauf angesprochen, dass aus dem Brunnen zu viel Wasser entnommen und anschließend nicht regional verwendet werde. "Das kontrolliert ja niemand!", beschwert sich Simon. Der Verkauf des Brunnens sei auch nicht vom Stadtrat entschieden worden.

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Simon wolle nun mit Grünen-Politikerin Edith Memmel und Landrat Klaus Löffler (CSU) Rücksprache bezüglich des Antrags halten. "Ich wäre sehr enttäuscht von der Politik, wenn er durchgehen würde", sagt Simon. "Es gibt schließlich genügend Leute, die es zur Anzeige bringen werden."

Hermann Bayer selbst wollte sich nicht zum Thema äußern, da es sich bei seinem Antrag um ein laufendes Verfahren handle. Stadtrat Simon wirft er jedoch Unwissenheit vor. Über seinen Antrag zu urteilen, sei Sache der Behörden. "Hätte er sich vorher richtig über das Thema informiert, könnte er qualifizierter darüber reden", wehrt sich Bayer gegen Simons Anschuldigungen. "Wir arbeiten mit dem Wasserwirtschaftsamt und dem Landratsamt zusammen, die entsprechenden Sachverstand haben." Bei der Kritik aus dem Stadtrat handele es sich dagegen nur um heiße Luft, gegen die er sich nicht verteidigen brauche.

7 Liter/Sekunde sind als Entnahmemenge angegeben. Hauptbewässerungszeit ist von Mai bis Mitte Juli.

400 Kubikmeter beträgt die tägliche Wasserentnahme für alle Felder innerhalb von vier bis sechs Stunden.

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Die Stellungnahme des Kronacher Landratsamtes

Die Wasserentnahme aus der Haßlach muss vom Landratsamt wasserrechtlich gestattet werden. Dabei muss sichergestellt sein, dass das Gewässer durch die Entnahme nicht verändert wird, also beispielsweise die erforderliche Abflussmenge erhalten bleibt. Die Sachverständigen, wie Wasserwirtschaftsamt oder Umweltingenieure, prüfen, ob die Rechte und Interessen Dritter sowie die gesetzlichen Vorgaben eingehalten werden.

Auch nach erfolgreicher Erteilung der Gewässerbenutzung kann das Landratsamt nachträglich Auflagen erteilen oder die Erlaubnis entschädigungslos entziehen. Im Falle des Antrags von Hermann Bayer entscheidet das Landratsamt in einem nicht förmlichen Verwaltungsverfahren. Die Öffentlichkeit ist daher nicht daran beteiligt, die betroffenen Gemeinden werden nur bei rechtlichem Interesse einbezogen - wie die Stockheimer als Fischereiberechtigte.

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