Stockheim
Handwerk

Baumschmuck aus Stockheim: Mit Liebe zur Kugel

Silke Eckardt bewahrt in Stockheim die Familientradition. In der Vorweihnachtszeit fertigt sie gemeinsam mit Bruder und Onkel kunstvolle Glaskugeln.
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Silke Eckardt bemalt Christbaumkugeln in Stockheim. Foto: Anna-Lena Deuerling
Silke Eckardt bemalt Christbaumkugeln in Stockheim. Foto: Anna-Lena Deuerling
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Frische Tanne, Zimt, Anis und Orange. Vielleicht ein Hauch Vanille. Der Duft von Weihnachten hat für jeden eine ganz persönliche Note. Das Adventsaroma von Silke Eckhart ist ein ganz anderes. Wenn man die Werkstatt der Firma Schönfelder in Stockheim betritt, liegt der beißende Geruch von Lack in der Luft.

Seit sie als Kind ihre ersten Kugeln im Familienbetrieb lackieren und bemalen durfte, ist für sie dieser Geruch untrennbar mit der Weihnachtszeit verbunden. 1953 hat ihr Uropa die Firma gegründet. Mittlerweile führt Silke Eckardt gemeinsam mit Bruder und Onkel das Unternehmen in vierter Generation und fertigt den Schönfelder Christbaumschmuck weiter in aufwendiger Handarbeit an.

Mit Klebstoff und Glitzer

Drei Wochen vor Heiligabend sitzt die 42-Jährige seelenruhig an ihrem Arbeitstisch. Vor sich eine lange Reihe weißer Kugeln. In ihrem Gesicht liegen helle Schatten. In den vorher verspiegelten und lackierten Kugeln reflektiert sich das Licht der kalten Neonröhre an der Decke. Vorsichtig taucht sie den Pinsel in weißen Klebstoff. Ohne ein Zittern, ohne Zögern, entsteht mit sicheren Strichen ein Elch auf der Kugel. Wenige Zentimeter weiter wartet schon das Glitter-Bad auf ihn. Rot funkelnd taucht der Elch wieder auf und kommt auf einen Ständer. Kugel für Kugel, Stunde für Stunde sitzt Eckhart im November und Dezember hier und verziert mit Pinsel, Stempel, Glitzer und Steinchen die Weihnachtskugeln.

Eigentlich beginnt mit dem Advent die Hochzeit in der Manufaktur. Doch seit einigen Jahren verirren sich immer weniger Kunden in den Werksverkauf in Stockheim. "Es wird immer schwieriger, die Sachen an den Mann zu bringen", erklärt Eckardt. Da mittlerweile jeder Discounter günstigen Weihnachtsschmuck anbiete und die Leute vermehrt online auf Shopping-Tour gingen, schrumpfe eben der Markt für die Traditionskugeln. "Die Leute sind vom Angebot regelrecht übersättigt", sagt sie. In der Masse gehe der Blick für das Besondere, das Handgefertigte leider immer mehr verloren. "Handwerk wird nicht mehr so wertgeschätzt."

Das war nicht immer so. An die florierenden Zeiten des Unternehmens kann sie sich noch gut erinnern. "Ich sehe heute noch die riesigen Lkw im Hof stehen, in die dann kistenweise die Kugeln verpackt wurden", sagt sie. Circa 100 000 Kugeln wurden in den 70er Jahren in Stockheim pro Woche gefertigt und in der ganzen Welt an den Baum gehängt. "Früher haben wir bis nach Amerika geliefert", schwelgt Eckardt in Erinnerungen. Bis zu 15 Mitarbeiter hat das Unternehmen beschäftigt.

Heute sitzt sie alleine in der Werkstatt, doch das mache ihr nichts aus. Während die beiden Männer die Rohlinge - die teils in Marktrodach handgezogen, teils in Steinach maschinell gefertigt werden - bereits verspiegelt und lackiert haben, greift sie am Abend zu Pinsel und Stempel. "Ich will dann weder was sehen, noch was hören", sagt sie. Hauptberuflich arbeitet sie als Bürokauffrau. Die Arbeit in der Firma sei im Grunde nur noch Hobby, ein Ausgleich zum stressigen Büroalltag. "Jeden Tag andere Farben und andere Motive, ich kann kreativ sein."

Zu den Elchen haben sich mittlerweile Exemplare mit glitzernden Schneeflocken gesellt. Eckardt wechselt vom Klebstoff zu Farbe und verpasst den letzten Kugeln ein kariertes Gewand. Circa 120 Stück bemalt sie an einem Abend. Schneeflocke, Elch, Karo - eine beliebte Kombination. "Jahrelang waren jetzt die Farben Rot und Weiß im Trend. Dieses Jahr kommt Gold und Blau wieder vermehrt als Wunsch." Ob Schneeflocke in Pink, den Elch in Grün oder gar den Osterhasen auf der Weihnachtskugel - bei Schmuck aus dem Hause Schönfelder scheint alles möglich. Auch, weil die Chefin versucht, jeden noch so ausgefallenen Kundenwunsch zu erfüllen. Ein Service, der beim Billig-Schmuck vom Discounter ausgeschlossen ist.

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