Kronach
Diskussion

Streit um Schuldfrage: Bauern im Kreis Kronach lehnen Volksbegehren zur Bienen-Rettung ab

In einer Veranstaltung des BBV kritisierte dessen Kreisobmann, dass die Landwirte die Schuldigen des Bienensterbens sein sollen. Ein Imker versteht indes die ganze Aufregung nicht.
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Für die Landwirte attackiert das Volksbegehren die bäuerliche Praxis.  Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa
Für die Landwirte attackiert das Volksbegehren die bäuerliche Praxis. Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa

Der Bayerische Bauernverband (BBV), Kreisverband Kronach, fordert dazu auf, das Volksbegehren "Artenvielfalt - Rettet die Bienen!" nicht zu unterstützen. Wieder einmal sollten die Bauern die Schuldigen sein, erklärte Kreisobmann Erwin Schwarz.

Bauern die Schuldigen am Bienensterben?

"Wir sitzen alle in einem Boot, ob Landwirte, Imker oder Verbraucher, es geht nur miteinander. Deshalb tut mir diese Hau-drauf-Methode, eine Spezies ist an allem schuld, in der Seele weh", so Schwarz. Zusammen mit dem BBV-Bildungswerk Kronach hatte er ins Gasthaus Bauer nach Schmölz eingeladen. Grundsätzlich nimmt die Landwirtschaft laut Schwarz die Situation ums Bienen- und Insektensterben sehr ernst und habe selbst Interesse an Artenvielfalt in Verbindung mit Landbewirtschaftung.

Schwarz blickte circa 100 Jahre zurück. Damals gab es doppelt so viele Rinderbestände wie heute. Auch gab es in jedem Dorf mehrere landwirtschaftliche Betriebe. Sie alle hätten ihre Gülle und den Mist als Dünger auf Äcker und Felder eingebracht. In seiner Analyse zählte der Kreisobmann besonders die Veränderungen in der Entwicklung der Gesellschaft auf, die in ihrer Vielfalt zum Bienen- und Insektensterben führen. "Das Volksbegehren richtet sich mit breitem Thema Insektensterben einseitig gegen die Landwirtschaft. Es schränkt Eigentumsrechte ein und attackiert die bäuerliche Praxis", kritisierte Schwarz. Sein Fazit: "Keine Unterstützung des Volksbegehrens, sondern Verstärkung von kooperativen Umsetzungsmaßnahmen."

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Ein völliger Irrweg sei die Forderung auf Ausdehnung des Ökolandbaus auf 20 bis 30 Prozent per Gesetz. Dies würde seiner Meinung nach in einem Desaster für regionale Erzeugnisse enden. Schwarz griff dabei eine Argumentation auf, in der es heißt, dass an den Autoscheiben kaum noch getötete Insekten zu finden sind. Denke man nicht darüber nach, dass man als Autofahrer zum Insektensterben einen Anteil leistet?, fragte Schwarz.

Lebensraum geht verloren

Der Kreisobmann macht zudem auf die Flächenversiegelung aufmerksam, die unaufhaltsam weitergehe. Wo Straßen, Häuser oder Industrieanlagen entstehen, da verschwinden immer auch große Teile des Bodens unter Beton, Asphalt oder Pflastersteinen. Dieser Prozess, bringe eine Reihe an Umweltproblemen mit sich. Außerdem gehe wertvoller Lebensraum für Tiere und Pflanzen verloren. Die in Bayern insgesamt versiegelte Fläche entsprach im Jahr 2015 4200 Hektar und damit fast der achtfachen Fläche des Bodensees. Jeder zweite Bauer habe sich vertraglich verpflichtet, freiwillig mehr für den Umwelt- und Naturschutz zu tun. Dass dieses Engagement wirkt, zeige sich in Zahlen. Laut bayerischem Artenschutzbericht 2010 waren 80 000 der insgesamt 100 000 in Deutschland heimischen Arten in Bayern daheim. 700 000 Hektar Flächen würden über das Kulturlandschaftsprogramm (KULAP) ganz besonders zur Biodiversität beitragen. Nochmals 80 000 Hektar kämen über besondere Naturschutzmaßnahmen hinzu - auch hier engagieren sich Bauern laut Schwarz freiwillig. Dem BBV gehe es aber um mehr als nur um Blühflächen auf den Äckern. Es gehe um bienenfreundliche Gärten, um kommunale Flächen und die Zusammenarbeit mit den Imkern. Hierzu zähle unter anderem die seit Jahren laufende Initiative "Blühende Rahmen".

Barbara Bartsch von der staatlichen Fachberatung für Bienenzucht Oberfranken erklärte die Imkerei als unverzichtbar. Bienen zeigten an, wo das ökologische Gleichgewicht nicht stimmt, da bei ihnen Schäden erkennbar seien. Sie plädierte für die Berücksichtigung der jeweiligen Interessen von Imkerei, Landwirtschaft, Obst- und Gartenbau, Umwelt- und Naturschutz zur Erreichung eines besseren Miteinanders auf dem Weg zum gleichen Ziel - nämlich die Lebensräume für Wildtiere in der Agrarlandschaft zu erhalten, zu verbessern und neu zu schaffen.

Matej Mezovsky (Wildlebensraumberatung Oberfranken) erklärte, im Landkreis Kronach und Oberfranken werde von den Landwirten viel zur Erhaltung des Lebensraumes für Wildtiere getan. Hubertus Freiherr von Künsberg ist auch Imker. Er betonte, dass die Sachlage in der Öffentlichkeit oftmals falsch dargestellt werde. Zur Objektivität gehöre es auch, zu sagen, "dass wir alle am Rückgang der Insekten beteiligt sind". Dabei sprach er unter anderem die Einleitung von Arzneimitteln und Östrogenen in die Gewässer an. Auch der Klimawandel mit zu warmen Wintern wirke sich negativ auf die Insekten aus.

Mehrere Bienenvölker

Hans Jorda vom Kreisverband der Bayerischen Imkervereinigung Frankenwald ist seit 40 Jahren Imker und hat jedes Jahr Honig. Er kann die ganze Aufregung nicht verstehen. Sowohl in Ludwigsstadt als auch in Marktrodach hat er mehrere Bienenvölker. Das Angebot an Pollen und Honig sei im Frankenwald hervorragend. Und dies sei auch der Struktur der landwirtschaftlichen Flächen geschuldet, die keine Monokultur auf riesigen Flächen betreibe. Jorda zeigte sich froh darüber, dass im Frankenwald die Natur noch in Ordnung sei und viele Landwirte sogar Blühflächen für Bienen und Insekten anlegten. Allerdings räumte er auch ein, dass sich Imker ein Mindestmaß an verwendeten Pflanzenschutzmitteln wünschten. Auch wäre es wünschenswert, den Löwenzahn erst nach der Blüte abzumähen, weil er wichtiger Honigspender sei.

 

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