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Kronach
Umstellung

Bald werden Mülltonnen ausgetauscht

Ab Mai werden alle grauen Tonnen im Landkreis mit Chips ausgestattet. Sie sind Grundlage für das neue Gebührensystem, das Anfang kommenden Jahres eingeführt wird.
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Susanne Knauer-Marx (links) und Ines Pfadenhauer präsentieren den Transponder, der bald in Kronachs Mülltonnen sein wird. Fotos: Jan Koch
Susanne Knauer-Marx (links) und Ines Pfadenhauer präsentieren den Transponder, der bald in Kronachs Mülltonnen sein wird. Fotos: Jan Koch
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Susanne Knauer-Marx, Leiterin des Sachgebiets Abfallwirtschaft, sitzt in ihrem Büro im Kronacher Landratsamt und hält ein kleines grünes Stück Plastik in ihrer Hand. Gut, wenn es in sämtlichen 25 200 Restmülltonnen im Landkreis zum Einsatz kommt, "wird der Transponder dann schwarz sein", sagt Knauer-Marx. Transponder in Restmülltonnen? Ja, auch der Müll ist im digitalen Zeitalter angelangt. "Der Behälter bekommt einen Transponder eingebaut und auf der Seite einen Barcode aufgeklebt. Das Müllfahrzeug hat eine Leseeinrichtung und kann die Daten des Transponders auslesen", erklärt sie.

Das verschafft dem Landratsamt zwei Informationen: Zu welchem Haushalt die Tonne gehört und wie oft sie geleert wurde.
Von Mai bis Juni werden alle grauen Tonnen im Kreis mit der neuen Technik ausgestattet, beziehungsweise durch Tonnen mit dem Transponder ersetzt.

Weniger ist manchmal mehr

Das ist die Voraussetzung für die neue Abfallgebühr, die ab dem 1. Januar 2014 im Landkreis gilt. Sie ist dann von der Größe der Mülltonne abhängig und beinhaltet zwölf Leerungen im Jahr. Jede weitere kostet extra - daher auch die Transpondertechnik. "Unsere Hauptintention ist, dass die Bürger möglichst Müll vermeiden und möglichst gut trennen sollen. Wir wollen hin zu einer verursachergerechten Gebühr", erklärt Ines Pfadenhauer, Abfallberaterin im Landratsamt.

Obendrein soll es für viele Haushalte billiger werden: "Es ist ja kein Geheimnis, dass die Abfallwirtschaft in den vergangenen Jahren immer Überschüsse erzielt hat", sagt Knauer-Marx. Deswegen hat der Umweltausschuss eine Senkung der Gebühren im Zuge der Systemumstellung beschlossen.
Laut der Chefin der Abfallwirtschaft beträgt sie 15 Prozent. Aber: "Das sieht für jeden Haushalt und für jedes Grundstück anders aus", sagt Susanne Knauer-Marx. Diejenigen, die wenig Müll produzieren, sollen von dem System profitieren. Für manche könne es hingegen teurer werden.

Neue Tonnen gibt's umsonst

Ein Beispiel: Bisher hatte ein Drei-Personen-Haushalt eine 240-Liter-Restmülltonne, was 185 Euro kostet. Dank schlauer Tonne, müssen dafür nun 209 Euro berappt werden, sollte die Tonne alle zwei Wochen geleert werden. "Das liegt am relativ hohen Volumen des Mülls", erklärt Susanne Knauer-Marx. Ihre Kollegin Ines Pfadenhauer fügt hinzu: "Wenn ein Drei-Personen-Haushalt eine 240-Liter-Tonne braucht, dann kann nicht gut getrennt werden."

Wer seinen Müll allerdings ordentlich trennt und dann noch auf die eine oder andere Leerung verzichtet, der werde durch das neue System sparen. Laut Knauer-Marx trifft das auf die meisten Haushalte zu. Außerdem bekommen die meisten eine neue Mülltonne - gratis. Es sei denn, sie möchten ihre alte Tonne, so ihr Zustand noch in Ordnung ist und sie nicht vor 1994 hergestellt wurde, behalten. Dann können diese mit dem Transponder nachgerüstet werden. Alles in allem werden dem Landkreis Kosten in Höhe von 550 000 Euro entstehen. Dennoch werde der laufende Betrieb "mit Sicherheit günstiger". Denn beim alten System sei vor allem der Organisationsaufwand enorm gewesen.

Bürger sorgen sich um die Natur

Selbst wenn die Umstellung viel kostet, spart der Landkreis auf lange Sicht Geld, hofft Susanne Knauer-Marx. Würde der Auftrag an ein Entsorgungsunternehmen vergeben, das die Tonnen stellt, "müssten wir das über das Abfuhrentgelt bezahlen".

Viele Kronacher sparen künftig Geld, aber nicht alle freuen sich: Die, die mehr bezahlen müssen, sind verärgert, aber auch jene, die befürchten, dass nun vermehrt Müll in der Natur abgeladen wird. Schließlich belohnt das neue System alle, die kleine Mülltonnen haben und diese selten leeren lassen. Mehrmals sei sie mit dieser Sorge konfrontiert worden, sagt Knauer-Marx. Allerdings sei die bisherige Gebühr auch schon behälterbezogen. Das heißt, absichtlich eine zu kleine Tonne zu bestellen, um dann den restlichen Müll in die Landschaft zu kippen, hätte sich auch bisher gelohnt.

Das ist zwar richtig, allerdings wird der Anreiz durch das neue System größer, da das Sparpotenzial steigt. Nichtsdestotrotz: Die Hälfte aller Landkreise in Bayern arbeite schon mit dem Transpondersystem, sagt Knauer-Marx. Die Situation von Unrat in der Natur "wird durch das neue System nicht besser und nicht schlimmer", betont sie.

Biotonne gibt es weiterhin nicht

Auch Hygienemängel, weil die Tonnen seltener geleert werden könnten, sind ihrer Meinung nach nicht zu befürchten. "Deswegen haben wir die zwölf Mindestleerungen." Im Sommer würden die meisten ihre Tonne ohnehin regelmäßig leeren lassen, und im Winter sei es kein Problem, wenn die ein oder andere Leerung ausgesetzt werde. "Die Gesundheitsfachbehörde hat auch kein Problem damit", betont Knauer-Marx.
Neben den Restmülltonnen werden ab Mai auch die grünen Tonnen mit Transpondern und Barcodes ausgestattet; die gelben Tonnen lediglich mit Barcodes. Wie oft diese beiden Tonnen geleert werden, hat jedoch keinen Einfluss auf die Gebühr.

Eine Biotonne wird es im Landkreis weiterhin nicht geben, obwohl sie ab dem 1. Januar 2015 deutschlandweit per Gesetz vorgeschrieben ist. "Der Umweltausschuss hat sich damit beschäftigt", sagt Susanne Knauer-Marx, aber bis zu einer Entscheidung werde es dauern.

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