Neuses
Eisenbahn

Bahnhof Neuses: Vom Umschlags- zum Abstellplatz

Neuses war einst wichtige Verladestation für Güter der lokalen Industrie. Heute ist das Gebäude nicht mehr Eigentum der Bahn.
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Der Bahnhof in Neuses bei Kronach - aufgenommen im Dezember 2018. Foto: Andreas Schmitt
Der Bahnhof in Neuses bei Kronach - aufgenommen im Dezember 2018. Foto: Andreas Schmitt
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Neuses war einst wichtige Verladestation für Güter der lokalen Industrie. Heute ist das Gebäude nicht mehr Eigentum der Bahn. So unterwürfig wie in einem Schreiben an den Bayerischen Landtag kennt man die Neuseser eigentlich gar nicht. Um 1890 reichte die Gemeinde unter Bürgermeister Johann Kohlmann eine Petition ein. Darin "wagt die gehorsamst unterzeichnete Gemeindeverwaltung Neuses die ergebenste Bitte zu entrichten, es wolle demselben gefallen, gütigst dahin zu wirken, daß in die hiesigen Gemeinde eine Haltestelle gnädigst errichtet werde".

In Küps: Zwei ehemalige Bahnhöfe umzingeln die alte Post

Vor lauter "Güte" und "Gnade", so kommentiert Ulrich Rockelmann im Buch "Die Frankenwaldbahn" (1997), wird das eigentliche Anliegen verbal fast erdrückt. Dabei hatte Neuses gute Gründe, einen Bahnhof zu fordern.

Über 100 Flößer waren zu jener Zeit bei Neuseser Holzhändlern beschäftigt und mussten von Kronach oder Küps aus zum Arbeitsplatz laufen. Jeder Flößer, so argumentierte Neuses, würde im Jahr über 100 Mal die Eisenbahn benutzen.

Eine Bahn für fünf Kilometer: Von Neuses nach Weißenbrunn

Unterstützt wurde die Bitte von Reuth, Thonberg, Hummendorf, und Weißenbrunn. Das überzeugte: 1896 wurde eine Personenhaltestelle mit massivem Empfangsgebäude eröffnet. 1901 kamen Güteranlagen dazu.

Während die Bahn heute in Neuses nur noch Bahnsteige, Unterstellhäuschen, ein paar Stühle und einen Fahrkartenautomat anbietet, war der Bahnhof früher ein lebendiger Ort.

Der Halt war für die lokale Industrie ein wichtiger Umschlagsplatz. Ludwig Jäckisch, der über 50 Jahre bei der Bahn arbeitete, erinnert sich: "Zeitweise wurden zwei bis drei Waggons Stoff und Wolle pro Tag verladen." Das Material kam aus der Spinnerei und der Eisengießerei Sperber. Auch Dr. Schneider hatte einen Gleisanschluss.

Bis 1966 hatte Neuses auch einen eigenen Fahrdienstleiter und noch bis in die 1970er Jahre hinein einen Fahrkartenschalter. Das Stellwerk befand sich in einem Anbau zwischen den zwei noch existierenden Häusern. Im großen Gebäude war der Bahnhof, im kleinen die Toiletten.

Ab den 1970er Jahren ging es mit der Bedeutung des Bahnhofs bergab. In Bahnkreisen wurde der Neuseser Halt zur Ausweichanschlussstelle (Awanst) herabgestuft. Das Stellwerk wurde fortan von Kronach und Küps aus bedient - und die Umstiegsmöglichkeit zur Nebenbahn nach Weißenbrunn verschwand.

Bahnhof ersteigert

Seit einigen Jahren gehören die Gebäude nicht mehr der Bahn. Wie einige andere Bahnhöfe der Region wurden auch die Gebäude in Neuses versteigert. Durchgeführt hat das ein Berliner Auktionshaus im Rahmen einer Internetauktion. Der neue Besitzer betreibt laut Schild am Briefkasten des kleineren Bahnhofsgebäudes eine Handelsagentur.

Der Bahnhof Kronach: ein Ort für Nostalgiker

Ludwig Jäckisch und anderen alten Eisenbahnern, mit denen wir uns in Neuses getroffen haben, blutet bei dem Anblick der Bretter und der anderen Gegenstände, die an der den Gleisen zugewandten Seite an den Gebäuden lehnen, das Herz. Sie empfinden den Bahnhof als Schandfleck ihres Ortes.

Der Besitzer der Gebäude sprach auf Nachfrage zunächst telefonisch mit unserer Redaktion, nahm seine Aussagen anschließend jedoch wieder zurück. Fragen nach dem Zustand und der Zukunft des Neuseser Bahnhofs bleiben somit unbeantwortet.



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