Ludwigsstadt
Schienenverkehr

Bahnhof Ludwigsstadt: bald kein Tritt mehr in die Leere

Der Ludwigsstädter Bahnhof soll in den nächsten Jahren in Schuss gebracht werden. Die Bahnsteigkanten sind ein Problem. Doch auch im Umfeld möchte der Bürgermeister eine Aufwertung herbeiführen.
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In Ludwigsstadt wirkt der Ausstieg aus dem Zug mehr wie ein Absprung.  Foto: Marco Meißner
In Ludwigsstadt wirkt der Ausstieg aus dem Zug mehr wie ein Absprung. Foto: Marco Meißner
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Montag, 13.38 Uhr. Mit einigen Minuten Verspätung rollt der Zug in den Ludwigsstädter Bahnhof. Die Stufen an den Waggons fahren heraus, die Schüler steigen aus. Wobei das Verb "aussteigen" in diesem Moment nicht treffend gewählt wirkt. Das Verlassen des Zuges ähnelt mehr einem Abspringen. Spätestens als ein Vater seine beiden noch kleinen Sprösslinge mit ihren Fahrrädchen packen muss, um einen Sturz zu verhindern, denkt der Betrachter unweigerlich an die ersten zögerlichen Hopser von Kindern auf dem Ein-Meter-Brett im Schwimmbad.

Bis in Ludwigsstadt der angestrebte Intercity-Halt Wirklichkeit werden kann, gibt es noch viel auf dem Bahnhof zu tun - aber auch in dessen Umfeld. Die Höhenanpassung der Bahnsteigkanten für einen sicheren Ausstieg ist die eine Sache. Diese ist laut dem CSU-Landtagsabgeordneten Jürgen Baumgärtner auf den Weg gebracht und soll möglichst bis 2021 umgesetzt werden.

Die andere Sache ist das Umfeld, wo die Stadt an vielen Stellen Handlungsbedarf sieht. "Es funktioniert jetzt", geht Bürgermeister Timo Ehrhardt (SPD) auf den Status quo am Bahnhof ein. Doch ein schönes Eingangstor zur Stadt sei er nicht. "Er ist kein Risikobereich - aber er ist unschön und verbesserungswürdig." Der erste Eindruck von Bahnreisenden sei: Hier müsste mal was gemacht werden. Das bezieht Ehrhardt auf die Ansicht des Geländes ebenso wie auf die Funktionalität.

Deshalb wurde von der Stadt eine Planung für die Neugestaltung des Bahnhofsumfeldes in Auftrag gegeben. Und Baumgärtner stellte in Aussicht, sich für die Aufnahme des Vorhabens in die Städtebauförderung stark zu machen.

Abstimmung läuft

Während die Frage der möglichen Fördertöpfe geklärt wird, müssen parallel die Grundstücks- und Ausbaufragen gelöst werden. Das Areal ist zum Teil in städtischer, aber auch in privater Hand. Nicht zuletzt gehören der Bahn weite Bereiche. "Die Bahn prüft, ob die gewünschte Variante realisiert werden kann. Wir befinden uns da in enger Abstimmung", so Ehrhardt. Die Bahn würde ihren Grund bei einer positiven Bewertung der Umgestaltung zwar behalten, allerdings der Stadt die Arbeiten darauf genehmigen.

"Wir wissen jedenfalls, was wir wollen", unterstreicht der Bürgermeister mit dem Blick auf die Vorplanung, die bereits im April 2017 vergeben wurde. Dem Konzept nach sollen Stellplätze geschaffen werden, die ein wildes Parken verhindern. Gerade im Hinblick auf den sicheren Schülerverkehr am Bahnhof ein wichtiges Ziel. Die aktuelle Planungsvariante sieht mindestens 24 Stellplätze vor.

Dazwischen ist eine Wendemöglichkeit für Busse angedacht. Diese soll über Haltestellen verfügen. Auch das ist ein Faktor, der zur Sicherheit beitragen würde. Außerdem gilt es, das Bahnhofsumfeld optisch ansprechender zu gestalten. Ehrhardt spricht von einer "Verbesserung der Aufenthaltsqualität".

Ein heißes Eisen war und ist zudem die Abkürzung ins nördliche Ludwigsstadt für Fußgänger - oft Schüler - einen steilen Hang hinab in den Siedlungsweg. Die Treppen dort wurden soweit ertüchtigt und gesichert, dass der Weg zumindest bei gutem Wetter begehbar ist. Doch Ehrhardt schwebt eine Lösung vor, die ganzjährig nutzbar ist. "Das hat nicht die erste Priorität, würde das Ganze aber verkehrssicherer machen", stellt er fest und verweist auf die Planunterlagen. Dort ist eine Treppenanlage eingezeichnet, die viel näher am Bahnhof beginnt und über 75 Stufen in den Siedlungsweg führen würde.

Einige Dinge abzuklären

Ob und wann die Gedanken für einen schöneren Bahnhof umgesetzt werden können, hängt nun noch von einigen Faktoren ab. Zum einen ist da die Finanzierung zu nennen. Zum anderen braucht es vor allem noch die Zustimmung der Bahn. "Von ihrem Go bis zum Beginn können schätzungsweise schon eineinhalb Jahre vergehen", vermutet Ehrhardt. Doch diese Zeit wartet man in Ludwigsstadt sicher gerne noch ab, wenn die Bahnreisenden später aussteigen können und denken: Hier hat sich aber einiges getan.

Baumgärtner will an Bahnhöfen in Ludwigsstadt und Kronach Fortschritte

Für MdL Jürgen Baumgärtner steht fest, dass die Bahnhöfe in Ludwigsstadt und Kronach auf Vordermann gebracht werden müssen. Und das soll baldmöglichst geschehen.

"Ich habe mir den Bahnhof in Ludwigsstadt angeschaut", berichtet er von einem Besuch vor Ort und einer folgenden Zusage an den dortigen Bürgermeister Timo Ehrhardt. Demnach hält es Baumgärtner für eine interessante Lösung, den Bahnhof gemeinsam mit dem Umfeld zu entwickeln, wie es dem Stadtoberhaupt ebenfalls vorschwebt. Vor diesem Hintergrund meint der Abgeordnete: "Es ist schon wichtig, den Bahnhof städtebaulich in Gänze zu betrachten. Das macht Sinn." Angesichts dieser Überlegung würde er sich eine Unterstützung des Vorhabens über die Städtebauförderung, die zurzeit finanziell sehr gut ausstaffiert sei, wünschen.

Was schon geklappt hat, ist eine Förderung der Planungen für die Erhöhung des Bahnsteigs in Ludwigsstadt. 110 000 Euro trägt der Freistaat hierzu bei. Das Ziel sei es, den ausgebauten Bahnsteig spätestens bis zum Fahrplanwechsel Ende 2023 in Betrieb zu nehmen.

Auch die bauliche Situation am Bahnhof in Kronach wird schon lange als unbefriedigend erachtet. Immerhin hat die Kreisstadt einen IC-Halt und wird in absehbarer Zeit ein Hochschulstandort - was der Bahnhof zurzeit nur bedingt widerspiegelt. Für diese Anlage erwartet sich Baumgärtner jedoch zeitnah die nächsten Weichenstellungen. "Mit den Planungen für den Ausbau in Kronach fangen wir schätzungsweise noch in diesem Jahr oder Anfang nächsten Jahres an", nennt der Abgeordnete den aktuellen Sachstand und erinnert daran: "Es war eine große Aufgabe, Kronach noch reinzuverhandeln." Wenn die Planungen stehen - das dürfte seiner Einschätzung nach etwa eineinhalb Jahre später sein - folge der nächste Schritt. "Dann müssen wir das Geld besorgen, damit wir das Geplante auch bauen können." Den Baubeginn strebt er vor 2023 an.

Kommentar von Marco Meißner Visitenkarte einer Stadt

Die große Zeit des Bahnverkehrs im Frankenwald liegt zugegebenermaßen schon recht weit zurück. Der ICE ist weg, die Industrie verlagerte sich stärker auf die Straße, Nebenlinien sucht man heute vergebens. Trotzdem dürfen die Bahnhöfe nicht verkommen. Die regionalen Züge bringen immer noch Reisende in den Landkreis Kronach, sie chauffieren die jungen Leute zu den Schul- und Universitätsstandorten und sie sind Zubringer zu den größeren Fernverkehrs-Bahnhöfen.

Auch heute noch ist der Bahnhof für viele Einheimische und Gäste die Visitenkarte einer Stadt. Und wenn dieser Ersteindruck unschön oder sogar mit ganz praktischen Problemen behaftet ist, prägt sich das ins Gedächtnis eines Besuchers ein. Der Frankenwald möchte sympathisch daherkommen. Dazu brauchen auch die Bahnhöfe ein zeitgemäßes, freundliches Gesicht.

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