Zeyern
Ortsumfahrung

B 173 bei Zeyern: eine Baustelle und kein Ende?

Abgeordneter Hans Michelbach kritisiert den fast elfmonatigen Baustopp bei Zeyern heftig. Das Bauamt vertröstet auf einen Termin am 12. September.
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Die Brücke über die Ortsverbindungsstraße von Zeyern nach Roßlach steht bereits - ihr Anschluss jedoch fehlt. Foto: Andreas Schmitt
Die Brücke über die Ortsverbindungsstraße von Zeyern nach Roßlach steht bereits - ihr Anschluss jedoch fehlt. Foto: Andreas Schmitt

Im Juli 2015 war es soweit: Der damalige Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) erteilte in Berlin die Freigabe der Finanzmittel für den Bau der Ortsumfahrung der Bundesstraße 173 um Zeyern herum. Nach einem langwierigen Streit mit dem Fußballverein DJK/SV Zeyern-Roßlach, dessen Platz für die neue Straße weichen musste, und Verzögerungen beim Grunderwerb konnte es mit dem Bau der jahrelang diskutierten Straße losgehen. Dachte man.

Was ist seitdem geschehen? Über drei Jahre nach der Dobrindt'schen Entscheidung rollt kein Auto am Ort vorbei, zwängt sich noch immer der Schwer- und Fernverkehr durch Zeyern.

Der Start klappte gut

Dabei hatte der Bau der 2,7 Kilometer langen Umgehung eigentlich ganz gut begonnen: Ende Juni 2017 war das erste der beiden Brückenbauwerke, das sich über die Ortsverbindungsstrecke zwischen Zeyern und Roßlach erstreckt, fertig und die Autos konnten die Straße darunter wieder nutzen. Und auch die Rodachbrücke, das zweite Brückenbauwerk, steht seit 2017.

Danach galt es, den Boden für die Umgehung zu verfestigen. Dafür wurden unter anderem 6300 so genannte Rüttelstopfsäulen eingesetzt. Diese Maßnahme, so berichteten wir im Oktober 2017, wollte das Staatliche Bauamt Bamberg bis zum Jahresende abschließen. Wohl gemerkt: bis Jahresende 2017.

Im Herbst 2017 kam der Bau ins Stocken und der für Erdbaumaßnahmen zuständigen Firma wurde gekündigt. "Es gibt einen Dissens, der geklärt werden muss", sagte Jens Laußmann, Leiter der Servicestelle Kronach des Staatlichen Bauamts Bamberg, damals.

"Es soll aber so schnell wie möglich weitergehen", ergänzte Laußmann, der noch Anfang 2018 am Zeitplan festhielt, die Baustelle im Sommer 2019 abzuschließen. Ein Termin, der aus heutiger Perspektive wohl nicht mehr zu halten sein wird. Denn die Rüttelstopfsäulen sind auch elf Monate später noch immer das große Thema. Die letzten Arbeiter waren im November 2017 bei Zeyern am Werk.

"Bauvertragliche Differenzen", begründete das Bauamt. Seiner Meinung nach hat sich die beauftragte Firma bei den Rüttelstopfsäulen nicht an die in der Ausschreibung gemachten Vorgaben gehalten. Und ohne die Säulen geht es nicht: Sie sind eine Art Fundament zur Bodenverbesserung und damit Grundlage für sämtliche Folgearbeiten.

Gutachter wird eingesetzt

Statt jedoch eine schnelle Lösung zu finden oder eine neue Firma zu beauftragen, entschied sich das Bauamt dafür, den Dissenz mit der Baufirma klären zu lassen - mit einem von beiden Seiten akzeptierten Gutachter.

Das war im Mai, als kurzzeitig Leben auf die Baustelle zurückkehrte. Der Gutachter führte seine Messungen durch. Eigentlich sollten, so der Zeitplan, im Juni Ergebnisse vorliegen.

Doch wieder kam es anders: Wegen der Bauhochkonjunktur und dem vielbeschäftigten Gutachter verschob sich das Ganze. "Hinzu kam, dass die Belastungsblöcke der Versuchsapparatur aus Beton gegossen wurden", erklärt Uwe Zeuschel, stellvertretender Leiter des Staatlichen Bauamts Bamberg. "Und der hat seine Festigkeit erst nach 28 Tagen. Liest man vorher ab, sind die Ergebnisse für den Mülleimer."

Erst im August lagen Ergebnisse vor - ein Schriftstück mit 50 Seiten. Dessen Inhalt freilich: bis heute unbekannt. "Wir werden das erst sagen, wenn wir mit der Firma gesprochen haben", begründet Zeuschel. Und das Gespräch hat sich wegen der Urlaubszeit um Wochen verzögert.

Hans Michelbach (CSU), Bundestagsabgeordneter für den Wahlkreis Coburg-Kronach, fehlt nicht erst seit dieser x-ten Verzögerung jegliches Verständnis. "Es kann nicht sein, dass sich das so lange hinzieht. Das geht zu Lasten der Region und der Menschen, die dort fahren." Michelbach kritisiert auch die Aufsichtsbehörden, bei denen er schon häufig interveniert habe. "Aus Bayreuth und München hört man relativ wenig", sagt er mit Blick auf die Regierung von Oberfranken und die oberste Baubehörde des Freistaats.

Zwar verstehe er, dass das Bauamt in puncto Ausschreibungen genau sein wolle. "Aber die Klärung mit einem Gutachter kostet viel Zeit. Das hätte man auch durch bilaterale Verhandlungen lösen können."

Michelbach will Glaubwürdigkeit

Dem Abgeordneten geht es auch um die Glaubwürdigkeit der Politik. "Es kann nicht sein, dass man Geld zur Verfügung hat und nicht verbauen kann", sagt Michelbach mit Blick auf die gut 15 Millionen Euro, die rund um Zeyern verplant sind. "Kollegen aus anderen Regionen beschweren sich dann, dass für sie kein Geld da ist und wir es nicht hinbekommen."

Doch der Tag der Entscheidung, er naht. "Nächsten Mittwoch gibt es das Gespräch mit der Baufirma, das den Weg ebnen wird", sagt Uwe Zeuschel. Er erinnert, dass Bauamt und Baufirma sich darauf verpflichtet hatten, die Gutachterergebnisse anzuerkennen. "Und jetzt muss das geklärt werden. Es geht ja auch um Geld."

Hans Michelbach stimmt zu und fordert klar: "Der Mittwoch muss die Entscheidung bringen. Das Versteckspiel muss aufhören, sonst müssen wir mit Kanonen schießen."

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