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Auszubildende in Kronach: Viele Möglichkeiten, oft fehlende Motivation

Azubis schmeißen immer häufiger hin. Auch wenn die Abbrecherquote im Landkreis Kronach unter Bundesdurchschnitt liegt, lohnt es, den Ursachen nachzugehen.
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Svenja Sauerbrey aus Vogtendorf ist die jüngste Auszubildende im Betrieb von Carola Beez - und ein Lehrling, wie ihn sich die Meisterin nur wünschen kann. Bei anderen fehle hingegen häufig die Motivation. Foto: Anna-Lena Deuerling
Svenja Sauerbrey aus Vogtendorf ist die jüngste Auszubildende im Betrieb von Carola Beez - und ein Lehrling, wie ihn sich die Meisterin nur wünschen kann. Bei anderen fehle hingegen häufig die Motivation. Foto: Anna-Lena Deuerling
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Seit Anfang der 90er-Jahre gab es nicht mehr so viele Ausbildungsabbrecher wie im vergangenen Jahr - so die Süddeutsche Zeitung Anfang des Monats. Mehr als jeder vierte Auszubildende schmiss demnach 2017 hin. Muss man sich deshalb in Kronach Sorgen um den Nachwuchs machen? Ein Blick auf die aktuellen Zahlen gibt Antworten.

2018 treten voraussichtlich 241 Auszubildende zur Abschlussprüfung bei der IHK für Oberfranken Bayreuth an. Vor drei Jahren hatten insgesamt 318 Jugendliche einen Ausbildungsvertrag unterschrieben. 68 davon, also 22 Prozent, werden die begonnene Ausbildung nicht im ursprünglich gewählten Beruf und Ausbildungsbetrieb beenden. "Damit liegt die Abbrecherquote etwas unter dem oberfränkischen Vergleichswert", sagt Hans Rebhan, Vorsitzender des IHK-Gremiums Kronach. "Entgegen dem Trend ist die Abbrecherquote zuletzt etwas rückläufig. 2014 lag sie noch bei 25 Prozent."


Abbruch ist oft Wechsel

Ein positiver Trend, dennoch bleibt die Frage nach immerhin 22 Prozent Schwund in den vergangenen Jahren. "Gut die Hälfte der Abbrecher fängt eine neue Ausbildung an, meist in einem anderen Beruf. Der Rest besucht eine weiterführende Schule, beginnt mit einem Studium oder mit einer Ausbildung im Handwerk, bei Ärzten oder Rechtsanwälten", erklärt Bernd Rehorz, Bereichsleiter Berufliche Bildung bei der IHK.

"Viele Jugendlichen merken im Laufe der Ausbildung, dass sie sich unter dem Beruf etwas anders vorgestellt haben, und brechen deshalb ab", so Rebhan, der auch Vizepräsident der IHK für Oberfranken ist. Diesen Beweggrund gab es schon immer, da aber viele Unternehmen händeringend Nachwuchs suchen und viele Lehrstellen nicht besetzen konnten, fällt einem Azubi ein Abbruch insgesamt leichter als etwa vor zehn Jahren.

Zu derselben Erkenntnis kommt auch Jürgen Reinhold, Berufsberater der Agentur für Arbeit. "Man hat mehr Möglichkeiten als früher", sagt er. Mit Blick auf das Angebot an Ausbildungsstellen falle es leichter, abzubrechen und zu wechseln.


Frühe Beratung

Er kenne diese Problematik und verstehe es als seine Aufgabe, dem früh entgegenzuwirken - und die Jugendlichen bereits während der Findungsphase ideal abzuholen. In den Schulen beginne man oft schon in der achten Klasse mit der Berufsberatung, wenn manche Schüler noch Geheimagent oder Fußballprofi werden wollen. "Das ist unsere Aufgabe als Berufsberater, aus diesen kindlichen, naiven Vorstellungen den Funken Realität zu filtern und den passenden Job zu finden." Genauso müsse man auch jenen, die noch nicht soweit sind, unter die Arme greifen.

Statt Druck aufzubauen und sie in eine Ausbildung zu drängen, die sie später abbrechen, müsse man Schülern mehr Zeit geben. "Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht", sagt der Berater. Für Jugendliche ohne Abschluss, Ausbildungsplatz oder schlicht ohne Vorstellung von der Zukunft, gebe es die Möglichkeit, an berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen teilzunehmen.

Ausbildung ohne Abschluss? Seit sich der Ausbildungsmarkt zum Bewerbermarkt gewandelt habe, ist das immer häufiger eine Möglichkeit, so Reinhold. Rebhan bestätigt: "Die Bereitschaft der Unternehmen, auch Auszubildende einzustellen, die dem Anforderungsprofil nur teilweise entsprechen, ist gestiegen." Das führt dann allerdings aufseiten der Unternehmen zu mehr Kündigungen.


Nachhilfe für Berufsschüler

Wo in solchen Fällen der erfolgreiche Abschluss der Ausbildung an der schulischen Leistung scheitere, könne man durch ausbildungsbegleitende Hilfe entgegenwirken, rät der Berufsberater. Dabei handelt es sich um Nachhilfeunterricht für die Berufsschule, die Kosten übernimmt die Arbeitsagentur. Es sei wichtig, dass Ausbilder diese Angebote kennen und wahrnehmen, so Reinhold. "Ein Abbruch ist für die Jugendlichen ein negatives Erlebnis, das einen für das Leben prägt."

Doch das ist nur die eine Seite der Medaille. "Nur ein Drittel aller Verträge werden durch den Ausbildungsbetrieb gekündigt, gut zwei Drittel durch den Lehrling, ", erklärt Rehorz. Neben fehlender Ausbildungsleistung beklagen Unternehmen auch fehlende Motivation beim Nachwuchs.

Einen Blick in ihren Ausbildungsbetrieb gewährt Carola Beez. Die Friseurmeisterin hat in den letzten 30 Jahren über 50 Lehrlinge ausgebildet. In dieser Zeit haben Lehrlinge aus unterschiedlichsten Gründen abgebrochen: gesundheitliche, familiäre, psychische. In den letzten zehn Jahren merkt sie, dass mehr Lehrlinge ohne nachvollziehbaren Grund hinwerfen wollen, vor allem in Phasen, in denen nicht alles "schön und easy" ist. Liegt das an einer falschen Vorstellung vom Beruf? "Viele unterschätzen den Dienstleistungscharakter unserer Branche", sagt Beez.

Fehlende Ernsthaftigkeit, fehlendes Durchhaltevermögen, fehlende Motivation - in solchen Fällen würde sie sich mehr Unterstützung aus dem Elternhaus erhoffen. "Dass die Eltern dahinterstehen, ist das A und O", sagt Beez. Ist das nicht der Fall, hat sie fast schon verloren. Das unterstreicht auch Reinhold: "Eltern sind bei der Berufswahl die wichtigsten Partner."

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