Kronach
Bildung

Ausbildung an Kronacher Berufsfachschule für Musik leidet unter Räumen

Die beiden Schulleiter der Berufsfachschule für Musik senden einen Hilferuf. Ihre Bildungsstätte genießt einen guten Ruf für ihre Leistungsfähigkeit, doch das Gebäude ist längst in die Jahre gekommen.
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Burkhart Schürmann stakst mühsam durch einen zugestellten Raum. Dieser ist eigentlich ein Notenarchiv, notgedrungen dient er aber auch als Lager. Von Themen wie Ordnung und Brandschutz mag der stellvertretende Schulleiter da gar nicht zu reden anfangen. Foto: Marco Meißner
Burkhart Schürmann stakst mühsam durch einen zugestellten Raum. Dieser ist eigentlich ein Notenarchiv, notgedrungen dient er aber auch als Lager. Von Themen wie Ordnung und Brandschutz mag der stellvertretende Schulleiter da gar nicht zu reden anfangen. Foto: Marco Meißner
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Die Gymnasien wurden saniert, die Realschule I hat ein neues Gesicht bekommen, jetzt ist die Volkshochschule dran. Für die Zeit danach hat die Berufsschule schon ihren Hut in den Ring geworfen. Auf dem "Schulteich" schwimmen in Kronach immer mehr schon herausgeputzte Schwäne. Die Berufsfachschule für Musik (BFM) nimmt da ein wenig die Rolle des hässlichen Entleins ein.

Der alte Holzzaun ist weg, neue Latten sind angebracht. Doch damit hat es sich schon mit einem zeitgemäßen Äußeren. Wer weitergeht, passiert Garagen, kommt in enge Räume, dunkle Gänge, erlebt wie im Percussion-Raum die Türen klappern, wenn die Pauke donnert, und einen Stock höher die Schläge den Klavierunterricht stören.

"Dass das Haus in einem schlechten Zustand ist, wissen alle Bezirksräte", sagt Schulleiter Andreas Wolf. Diese Räte sind eingespannt, weil das Gebäude zwar im Besitz des Landkreises ist, der Schulbetrieb allerdings von Kreis und Bezirk gemeinsam geschultert wird.


Zeit scheint stillzustehen

1979 hat die Berufsfachschule ihren Betrieb aufgenommen. Davor waren die Landwirtschaftsschule und sogar die Kreisbücherei in dem Gebäude untergebracht. Seitdem scheint die Zeit darin stehengeblieben zu sein. Auch das Raumkonzept ist noch immer auf dem damaligen Stand. "Die Berufsfachschule hat etwa 50 bis 60 Schüler", erzählt Wolf. Inzwischen hat sich allerdings die Sing- und Musikschule im Landkreis Kronach dort mit eingefunden. Das bedeutet, dass 300 weitere Schüler stundenweise zum Proben kommen und somit Räume blockieren. "Das hat sich so entwickelt und ist auch eine kluge Lösung", räumt Wolfs Stellvertreter Burkhart Schürmann ein, an der Zusammenarbeit festhalten zu wollen. Doch wenn alles unter einem Dach stattfindet, könne es räumlich nicht aufgehen.

Die Schule brauche eine Modernisierung und Platz, sind sich die beiden Schulleiter einig. Das habe man schon in der Vergangenheit signalisiert. Es gebe auch die Bereitschaft, zur Not in andere Räume zu ziehen - zum Beispiel in die einer sanierten Berufsschule. Doch so oder so müsse das Warten bald ein Ende haben, wenn die Schule im Wettbewerb bestehen soll. "Wenn wir das Problem in zehn Jahren angehen, ist es zu spät", betont Schürmann. Der Konkurrenzdruck ist hoch.

Bisher zehrt die Kronacher BFM von ihrem guten Image und dem Ruf ihrer Lehrkräfte. Doch auf Dauer dürfte es schwer werden, allein mit Qualität in der Ausbildung die Stiche gegen die bestens ausgestatteten Schulen in den Nachbarbezirken zu holen. Nicht zuletzt in Bad Königshofen wurde geklotzt. Dort wurde die unterfränkische BFM nicht saniert, sondern 2017 neu gebaut. Für fünf Millionen Euro.

Soweit möchten Wolf und Schürmann gar nicht gehen. Nur wünschen sie sich räumliche Möglichkeiten, die für Schüler einen Anreiz bieten, nach Kronach zu kommen. Dazu gehört auch genug Platz, um vielleicht noch einen neuen Zweig neben klassischer und Kirchenmusik zu etablieren. Pop und Jazz gehörten heute an vielen BFM nämlich zum Standard.


Kein Platz, um aufzuräumen

Während die Schulleiter erzählen, laufen sie durch einen schlecht für Gesang geeigneten Chorsaal, durch bullenheiße, ungedämmte Übungszimmer, durch Archivräume, die einer Abstellkammer gleichen, und durch einen Probenraum, in dem eine Notfall-Liege neben dem Klavier steht. Wolf sagt: "Es sieht immer unordentlich aus. Man kann nicht aufräumen, nur umräumen. Es gibt ja nirgendwo Platz, etwas unterzubringen, wo's niemanden stört."



Interview: Guter Rat ebnete Weg nach Kronach

Mieneke Büker ist bereits im dritten Jahr an der BFM in Kronach. Die Blockflöten-Schülerin möchte nach dem Abschluss ihrer Ausbildung in Weimar Schulmusik auf Lehramt studieren. Die junge Oldenburgerin schildert im Interview ihre Eindrücke nach drei Jahren an der BFM.

Was hat für Sie den Ausschlag gegeben, nach Kronach zu kommen?
Mieneke Büker: Meine Blockflötenlehrerin in Oldenburg war schon Schülerin bei Andreas Wolf. Nach dem Abitur habe ich ihren Rat angenommen, hierher zu kommen. Für Kronach hat also zunächst Herr Wolf als Lehrer gesprochen; dank meiner Lehrerin wusste ich, dass es hier generell gute Lehrkräfte gibt.
Wie war Ihr erster Eindruck von der Schule?
Es wirkte dunkel, als ich die Schule betreten habe. Alles war ein bisschen alt.

Wie sieht der Schulalltag in diesem Umfeld aus?
Wir Schüler leben mehr oder weniger von 8 Uhr morgens bis 22 Uhr abends in der Schule. Dadurch, dass wir uns die Räumlichkeiten mit der Musikschule teilen, gibt es kaum Übungsplätze. Es ist immer laut, wenn nebenan zum Beispiel eine Trompete spielt. Selbst Klavierspielen reicht da schon aus. Eng ist es auch. Wenn dann beispielsweise mal vier Celli gemeinsam proben wollen, ist eigentlich kein Platz dafür da. Es gibt deshalb auch schon mal lästige Zankereien, wer die großen Räume kriegt.

Wie sieht es im Haus abgesehen von den musikalischen Rahmenbedingungen aus?
WLAN gibt's nicht. In den Computerraum passen höchstens zwei Leute rein. Und die veralteten Sanitäranlagen in diesem bedrückenden Grün - die sind beklemmend.

Würden Sie sich heute wieder für die Kronacher BFM entscheiden?
Ja, ich würde wieder kommen - auf Grund der guten Lehrer. Wir Schüler kommen auch gerne hierher. Wir fühlen uns bloß ab und zu etwas weggesperrt.


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