Kronach
Dienstleistung

Aus für den Ticketverkauf in oberfränkischem Bahnhof - was steckt dahinter?

Der Kronacher Fahrkartenschalter soll zum Jahresende geschlossen werden. Ein Grund dafür ist unter anderem die Digitalisierung, die auch für den Kronacher Standort Neuerungen mit sich bringen könnte.
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Ein gewohntes Bild: der persönliche Ansprechpartner am Kronacher Schalter der DB, der bei allen Fragen rund um die Tickets und Zugverbindungen weiterhilft. Damit ist zum Jahresende Schluss. Foto: Theresa Heim
Ein gewohntes Bild: der persönliche Ansprechpartner am Kronacher Schalter der DB, der bei allen Fragen rund um die Tickets und Zugverbindungen weiterhilft. Damit ist zum Jahresende Schluss. Foto: Theresa Heim

"Guten Tag, wie kann ich Ihnen weiterhelfen?" Ein Satz, den Kunden künftig wohl nicht mehr in der Fahrkartenagentur Kronach hören werden. Diese soll nämlich zum 31. Dezember 2019 geschlossen werden. Der Inhaber Christian Gloel erklärt: "Es gibt immer 3-Jahres-Verträge. Dieser läuft 2019 aus und wir müssen schließen, da das Geschäft nicht mehr wirtschaftlich tragbar ist." Allerdings steckt noch viel mehr hinter der Auflösung.

Trendwende hin zum Onlinekauf

Gloel übernahm 2005 den Schalter, der schon seit längerer Zeit privat geführt wurde. Der vorherige Betreiber hätte seinen Vertrag gekündigt und somit suchte die Deutsche Bahn (DB) einen Nachfolger. "Ich bin bekennender Frankenwälder und ein riesiger Eisenbahnfan - ich fühlte mich also verpflichtet, unseren Kronacher Schalter zu übernehmen", schmunzelt Gloel, der vorher schon andere Schalter besaß.

Warum diese Ära also zu Ende geht? Gloel erläutert: "Die Kunden buchen ihr Ticket lieber online oder per App. Sie kaufen das Erstbeste, auch wenn es teurer ist." Er bestätigt, dass beispielsweise in der Bahn-App immer zuerst der teuerste Fahrpreis angezeigt wird.

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Ein weiterer Grund für das Aus sei die nachteilige Lage des Kronacher Bahnhofs. Kunden würden öfters schwarz fahren, da nicht so häufig und intensiv wie in größeren Städten kontrolliert würde. Zudem fehlt es dem Kronacher Schalter an Umsatz, da vor allem Kunden, die weiter reisen möchten, ihre Reise ab Bamberg oder Lichtenfels starten. Beispielsweise aufgrund der besseren Anbindungen oder dem ICE-Verkehr.

Ein weiterer Minuspunkt: Die fehlende Mitgliedschaft im Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN), die attraktivere Preisangebote möglich machen würde.

Fahrkartenschalter notwendig

Informationen zu Tickets, Angeboten, Hotels, Bahncards und Fahrgastrechten - haben diese Dienstleistungen in der heutigen Zeit ausgedient? "Kunden buchen häufig bequemer und lieber per Smartphone, anstatt sich in die Schlange am Schalter zu stellen", erklärt Gloel.

Außerdem bestätigte ein Bahnsprecher, dass der personenbediente Verkauf immer weiter zurückgeht. Tendenziell erlebe der elektronische Verkauf mit über 45 Prozent einen Aufschwung. Trotzdem sei es von der Bayrischen Eisenbahngesellschaft (BEG) vorgeschrieben, in Kreisstädten eine persönliche Beratung an Schaltern zu gewährleisten.

Video-Reisezentren im Kommen

Während die DB noch nach einem Nachfolger für die Agentur sucht, müssen wenigstens die Mitarbeiter keine Existenzängste haben. "Die Beschäftigten haben alle neue Arbeit gefunden - entweder in einer anderen Agentur oder ganz woanders", sagt Gloel erleichtert.

Findet sich kein Nachfolger, so könnte ein Videoschalter eine Alternative sein. Das Pilotprojekt, das seit 2013 existiert, zählt mittlerweile zu einem etablierten Vertriebsformat. Derweil gibt es allein in Bayern 21 Video-Reisezentren, wie ein Bahnsprecher auf Nachfrage bestätigt.

Gloel klärt auf: "Es ist wie eine Telefonzelle, in der die Kunden einen Berater aus einem zentralen Reisezentrum der DB per Bildschirm sehen." Demnach würde sich wenig ändern: Es sei nach wie vor möglich, Fahrkarten zu bestellen und anschließend am Bildschirm mit Geld zu bezahlen. Dieses Konzept hätte sich schon am Bahnhof in Neustadt bei Coburg bewährt, wo es vor allem von älteren Menschen angenommen wird.

Gloel und Markus Wich, stellvertretender Pressesprecher des Landratsamts Kronach, sind sich einig: "Wir dürfen die Kronacher nicht im Regen stehenlassen!" Wich bestätigt, dass nach der offiziellen Bekanntgabe der Auflösung des Schalters sofort Gespräche mit der DB und Gloel eingeleitet wurden. "Wir arbeiten noch an einer Lösung und versuchen, es mit dem Mobilitätskonzept zu vereinbaren", berichtet Wich zuversichtlich.

Es liege voll und ganz im Interesse des Landkreises, den Schalter weiterzuführen, da ein persönlicher Ansprechpartner wichtig wäre.

Wich versichert: "Wir werden alles Mögliche für den Erhalt der Fahrkartenagentur tun."

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