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Kronach
Gericht

Aufgeführt wie die Axt im Wald

Eine 42-jährige Frau aus dem Kreis Kronach erhielt eine Bewährungsstrafe. Sie hatte eine Einsatzgruppe der Kriminalpolizei massiv beleidigt und behindert.
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Ein Jahr auf Bewährung und 150 Stunden gemeinnützige Arbeit lautete das Urteil. Symbolfoto: Christopher Schulz
Ein Jahr auf Bewährung und 150 Stunden gemeinnützige Arbeit lautete das Urteil. Symbolfoto: Christopher Schulz

Eine zehnköpfige Einsatztruppe der Kriminalpolizei Coburg stattete einer Familie im Landkreis Kronach an einem Tag im September 2018 im 6-Uhr-Morgengrauen einen unangemeldeten Besuch ab. Sie umstellten das landwirtschaftliche Anwesen, weil sie glaubten, dass sich der mit mehrfachem Haftbefehl gesuchte Sohn des Hauses dort verschanzen könnte. Äußerst ungastlich wurde das Team von der Schwester des Gesuchten empfangen. Eine halbe Stunde leistete sich diese neben renitenten Anfällen auch noch etwas mehr. Wegen der Vorwürfe tätlicher Angriffe auf die Einsatzkräfte, versuchter Körperverletzung und Beleidigungen musste sich die 42-Jährige am Donnerstag vor dem Kronacher Amtsgericht verantworten.

Richter Christoph Lehmann gab der Hausfrau am Ende der Verhandlung wegen ihres aggressiven Verhaltens eine Freiheitsstrafe von einem Jahr zur Bewährung mit auf den Weg. Zusätzlich muss sie 150 Stunden gemeinnützige Arbeit ableisten. Nur haarscharf entging die Angeklagte damit einem Aufenthalt hinter schwedischen Gardinen. Denn Staatsanwältin Julia Haderlein hatte gefordert, dass die Frau diese Zeit im Gefängnis absitzen soll. Die 42-Jährige hatte es in den vergangenen Jahren bereits auf ein mit zwölf Vorstrafen bestücktes Strafregister gebracht. In den letzten Jahren war die Hausfrau in vielen Fällen mit Bewährungsstrafen bedacht worden. Der Richter stellte in seinem Urteil in Sachen Rückfallgeschwindigkeit fest: "Das ist ja schon fast wie alle Jahre wieder."

Die Vorfälle schilderte die Staatsanwältin wie folgt: So soll die 42-Jährige die Beamten mit beleidigenden Worten, unter anderem mit "Hurensöhne", "Arschlöcher" und "Vollidioten" empfangen haben. Während der Hausdurchsuchungen soll sie sich weiterhin schimpfend in den Weg gestellt und versucht haben, einem Beamten eine brennende Zigarette ins Gesicht zu drücken.

Fast pausenlos unter Alkohol

"Sie räumt die Anklage voll umfänglich ein", sagte ihr Verteidiger Joachim Voigt und legte damit für diese ein Geständnis ab. Die 42-Jährige selbst entschuldigte ihr einstiges Fehlverhalten damit, dass sie damals, im Jahr 2018, noch abhängig gewesen sei und fast pausenlos unter Alkoholeinfluss stand. "Wenn ich aufgestanden bin, habe ich sofort getrunken, eine Flasche Wodka täglich."

An dem Einsatzmorgen sei sie nach kurzem Schlaf immer noch stark betrunken gewesen. "Ich erinnere mich kaum noch an etwas", erklärte sie. Wenig später wusste die 42-Jährige im Gerichtssaal dennoch einige Details. Zum Beispiel, dass ein Beamter beim Hausbesuch ihr den Zugang zu ihrem Asthma-Spray verweigerte. Mit der brennenden Zigarette habe sie diesen nur wegschieben wollen, weil sie Atemnot bekam. Der Richter: "Komisch, erst wissen sie nichts mehr und jetzt doch wieder." Die Angeklagte beteuerte, dass sie nach einer Alkoholtherapie nun nicht mehr trinke. "Ich habe mein Leben jetzt im Griff, ich bleibe in jedem Fall trocken."

Was sich damals ereignete, schilderten zwei der damals mit anwesenden Kripobeamten als Zeugen. Der Einsatzleiter: "Die Polizei war nicht das erste Mal bei der Familie. Es gab schon mehrere Vorfälle". Da er und seine Kollegen ahnten, dass die Fahndung durch Anwesende emotional geladen sein könnte, habe man sich entschieden, mit mehreren Kräften vorzugehen.

Nachdem man das Haus umstellt hatte, habe die 42-Jährige unter anderem aggressiv gebrüllt: "Was wollt ihr schon wieder da?" Verbal eingeschossen habe sie sich wenig später vor allem auf einen Kollegen, den sie pausenlos mit unflätigen Ausdrücken bedachte.

Dass die Angeklagte betrunken war, habe man nicht bemerkt. "Sie ist nicht hingefallen, sie konnte sich artikulieren, kein Verlust der Muttersprache." Ein Asthma-Spray habe diese nicht verlangt. Der Kollege, dem der Zigarettenangriff gelten sollte, habe die 42-Jährige gerade noch abwehren können.

Das Maß war voll

Beide Zeugen berichten, dass sie als Beamte bei Dienstausübung vielen körperlichen und verbalen Angriffen ausgesetzt seien und dennoch relativ wenig davon anzeigen. In dem Fall der Angeklagte sei man aber so lautstark beleidigt worden, dass es noch Leute im Umkreis von 400 Meter hören mussten. "Irgendwann ist das Maß voll."

Ein Sachverständiger berichtete, dass die Angeklagte wohl alkoholabhängig gewesen und deshalb vermindert schuldfähig gewesen sei. Eine zwangsweise, mehr als eineinhalbjährige Unterbringung in einer Entzugsklinik würde den Steuerzahler rund 187 000 Euro kosten. Eine nochmalige Bewährungsstrafe von sieben Monaten wollte der Verteidiger. Seine Mandantin habe schon Ende 2018 erkannt, dass es mit dem Alkohol so nicht weiter gehen kann. "Sie nicht mehr wie früher, es ist bei ihr nun eine Nachreifung eingetreten."

Positiv wertete der Richter in seinem Urteil, dass die Angeklagte geständig gewesen sei, und auch die Reue sei "irgendwie erkennbar geworden". Negativ sei aber das lange Strafregister. Dennoch sei die Sozialprognose derzeit günstig. "Sie hat jetzt eine gute Phase, ich hoffe, dass die auch lebenslang anhält."

Ob die Angeklagte auch wirklich auf freien Fuß bleibt, werde letztlich ein noch gegen sie anhängiges Verfahren vor der Hofer Justiz zeigen.

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