Kronach
Landwirtschaft

Auf Wiesen wächst giftiges Gold

Jakobskreuzkraut ist vor allem für Rinder und Pferde gefährlich. Im Landkreis Kronach sind einige Flächen stark betroffen.
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Auf manchen Wiesen im Frankenwald breitet sich das Jakobskreuzkraut wie eine Monokultur aus und verdrängt alles.  Fotos: Frank Stübinger/AELF
Auf manchen Wiesen im Frankenwald breitet sich das Jakobskreuzkraut wie eine Monokultur aus und verdrängt alles. Fotos: Frank Stübinger/AELF
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Eigentlich sieht das Jakobskreuzkraut gar nicht so gefährlich aus. Die kleinen gelben Blüten strahlen mit der Julisonne um die Wette. Aber die in Deutschland heimische Pflanze hat es in sich: Gelangt das Jakobskreuzkraut ins Futter von Pferden und Rindern, kann dies zur Vergiftung führen. Bienen lagern das Gift in den Honig ein. Für Landwirt Josef Hader, der in Nurn einen Betrieb mit Rindern führt, ist das eine Ungeheuerlichkeit. "Ich will kein Szenario ausmalen, aber die Situation wird immer gefährlicher", sagt Hader besorgt.

Für ihn ist klar, warum sich das Kraut so schnell ausbreitet: "Viele Flächen werden nicht mehr intensiv genutzt. Die Flächen werden nur halbherzig bewirtschaftet", sagt Hader. So kann das Kraut ungehindert wuchern. Auf intensiv genutzten Flächen hat das Jakobskreuzkraut kaum eine Chance, sich auszubreiten. Bei extensiv genutzten Flächen wie Wegerändern, Flächen, die wenig gepflegt werden, oder Stilllegungsflächen sei dies anders. Viele Landbewirtschafter, vor allem die von außerhalb, seien nur darauf bedacht, mit wenig Arbeit viel Geld zu kassieren.


Viele stillgelegte Flächen

Dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Kulmbach ist dieses Problem bekannt. Klaus Schiffer-Weigand, zuständig für das Sachgebiet Landwirtschaft, berichtet, dass einige Landwirte in der Gegend ihre Flächen still gelegt haben. Ein weiterer Problempunkt sind Straßenränder, auf denen das Jakobskreuzkraut ungehindert wachsen kann. Für Landbewirtschafter gebe es lediglich die Auflage, einmal im Jahr die Flächen zu mulchen. "Die Landbewirtschafter kommen dieser Verpflichtung nach. Das hilft aber nicht bei der Verdrängung des Krauts", sagt Schiffer-Weigand.

Um das Problem zu lösen, sei eine intensive Bewirtschaftung der Flächen notwendig. Zuständig für eine umfassende Gesetzesänderung wäre schlussendlich die EU. Aber: "Der Druck und der Wille sind noch nicht genug da", sagt Schiffer-Weigand. Landwirt Josef Hader sieht auch andere Behörden in der Pflicht. So müsse beispielsweise das Landwirtschaftsgesetz strenger kontrolliert werden. "Die Ämter haben keine Lust, da etwas zu machen", findet Hader.


Pflanze schmeckt bitter

Normalerweise meiden die Tiere das Kraut, da es sehr bitter schmeckt. "Sobald die Pflanze in der Silage drin ist, kann die Kuh diese nicht mehr aussortieren", sagt Hader. Im getrockneten Zustand schmeckt das Kraut nicht mehr bitter, ist aber noch immer giftig. Auch wenn es zu wenig Futter auf der Weide gibt, scheint das Kraut für die Tiere attraktiv. Mit verheerenden Folgen: Alkaloide führen in der Leber der Tiere zu irreversiblen Schäden. Eine Vergiftung droht.

Michael Pöhnlein (FW), Bürgermeister von Nordhalben, hat sich bereits hilfesuchend an das AELF gewendet. "Das Kraut breitet sich im Frankenwald immer mehr aus", berichtet der Bürgermeister, der selbst Wiesen besitzt.


Wildschweine schädigen Wiesen

Vor allem die deutlich angestiegenen Wildschweinschäden verursachen laut Pöhnlein kahle Stellen. Auf diesen wuchert die Pflanze besonders gut. Das tückische an dem Kraut sei, dass die Landwirte die Pflanze erst sehen, wenn sie gelb blüht. Die Rosetten wuchern aber schon länger. Die einzige Lösung für ihn: "Die Flächen, auf denen nur das Jakobskreuzkraut wuchert, müssen komplett umgebrochen und neu angesät werden", sagt Pöhnlein. Bei wenigen Exemplaren reiche es, die Pflanzen auszustechen. Bei Bedarf muss mit Chemie nachgeholfen werden. Mit Saatgut könne die Grasnarbe geschlossen werden.

Um etwas erreichen zu können, müssen laut Pöhnlein alle Landnutzer mitziehen. "Es stehen alle in der Verantwortung", sagt er. In einer Besprechung sollen alle Beteiligten zusammenkommen, um über das weitere Vorgehen zu beraten.


Infos über das Jakobskreuzkraut

Verbreitung Die Pflanze kann größere Distanzen überwinden und sucht sich offenen Boden, der durch Schneisen, kleine Beschädigungen oder Überweidung verursacht wird.

Vorbeugende Maßnahmen Die Samen werden mit dem Wind verbreitet. Daher sollte ein Aussamen von Pflanzen in der Nachbarschaft von Wiesen und Weiden verhindert werden. Eine dichte Grasnarbe verhindert die Ansiedlung von Jakobskreuzkraut.

Bekämpfung Einzelpflanzen sollten unverzüglich ausgerissen oder ausgestochen werden. Bei sehr starkem Besatz des Grünlandes muss die Wiese umgebrochen werden und eine Neueinsaat erfolgen. Andere Bekämpfungsmöglichkeiten bieten chemische Verfahren. Versucht man, nur mit dem Schnitt Jakobskreuzkraut zurückzudrängen, ist im Juni und August zu mähen.

Quelle: Broschüre Julius Kühn-Institut fr
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