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Kronach
Kreistag

Auf Erfahrung folgt junges Blut: 29-Jährige der Jungen Union soll Landrat-Stellvertreterin werden

Im neu gewählten Gremium haben Junge Union, Grüne und Frauenliste eine Absprache getroffen: Nach drei Jahren soll Marie-Therese Wunder (JU) die zweite weitere Stellvertreterin des Landrats, Edith Memmel (Grüne), beerben.
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Gemeinsam für die Sache: (von links) Elena Pietrafesa (Grüne), Markus Oesterlein, Marie-Therese Wunder (beide JU), Petra Zenkel-Schirmer (Frauenliste), Edith Memmel (Grüne) und Maria Gerstner (Frauenliste) haben parteiübergreifend eine Absprache getroffen.  Foto: Sandra Hackenberg
Gemeinsam für die Sache: (von links) Elena Pietrafesa (Grüne), Markus Oesterlein, Marie-Therese Wunder (beide JU), Petra Zenkel-Schirmer (Frauenliste), Edith Memmel (Grüne) und Maria Gerstner (Frauenliste) haben parteiübergreifend eine Absprache getroffen. Foto: Sandra Hackenberg

68 Jahre beträgt der Altersdurchschnitt der am Montag neu gewählten Stellvertreter von Kronachs Landrat Klaus Löffler. "Das ist nicht unbedingt unser Ziel gewesen", konstatiert der Fraktionsvorsitzende der Jungen Union (JU), Markus Oesterlein, der gemeinsam mit drei Parteimitgliedern in den Kreistag einzog. Denn eigentlich sollte das Gremium jünger und weiblicher werden. Damit dieser Slogan der JU kein leeres Wahlversprechen bleibt, hat die Partei mit den Grünen und der Frauenliste eine Absprache getroffen: Die frisch gebackene Kreisrätin Marie-Therese Wunder (JU, 29) wird in drei Jahren Edith Memmel (69, Grüne) als weitere stellvertretende Landrätin beerben.

Damit folgt 2023 junges Blut auf fast 35 Jahre Erfahrung in der Kommunalpolitik. "Wir haben uns interfraktionell gut verständigt und eine, wie ich finde, tolle Lösung gefunden", bestätigt Memmel. Das Wahlergebnis von JU und Grünen habe mit 0,2 Prozentpunkten nur minimal auseinandergelegen. Da sei es nur fair, zur Halbzeit der Wahlperiode die junge Kollegin der JU zum Zug kommen zu lassen. "Ich kenne die ganzen Scharmützel, die im Kreistag gespielt werden und Marie-Therese hat in den nächsten drei Jahren die Möglichkeit, sich einzuarbeiten."

Dem Willen der Wähler gefolgt

Die 40 Jahre jüngere JU-Vertreterin wurde von dem Vorschlag komplett überrumpelt: "Als ich gefragt wurde, war ich erst einmal ein bisschen geschockt, immerhin bin ich ganz frisch Kreisrätin." Doch am Ende sei der Wählerwille entscheidend - und der habe deutlich gezeigt, dass sich die Kronacher einen jüngeren Kreistag wünschen. Immerhin zählt der nun doppelt so viele Mitglieder unter 35 Jahren wie in den vergangenen sechs Jahren. "Darum nehme ich diese Herausforderung gerne an."

Kreisrätin Petra Zenkel-Schirmer (Frauenliste) begrüßt die Entscheidung ebenfalls: "Es gehört viel Mut dazu, wenn man ganz frisch dabei ist und dann sagt: ,Das mache ich.‘ Das, was man noch nicht weiß, kann man in den kommenden Jahren lernen." Parteikollegin Maria Gerstner pflichtet ihr bei: "Auch wir haben mal jung angefangen." Es sei die Pflicht der Jugend, kritisch und rebellisch zu sein und ihre Meinung klar zu vertreten.

Jetzt gelte es, weiter am Frauenanteil zu arbeiten, denn jede Kreisrätin sitze zu Recht im Gremium. "Wir lassen uns nicht als Quotenfrauen abspeisen." So haben die Frauen in den vergangenen Wochen ein überparteiliches Netzwerk aufgebaut, das Memmel in Zukunft noch erweitern will. "Wir sind gerade erst gestartet, das Ende ist noch lange nicht in Sicht."

Kreistag muss zustimmen

Wenn in drei Jahren die Zeit von Marie-Therese Wunder gekommen ist, muss der Kreistag dem Wechsel zustimmen. Oesterlein geht davon aus, dass er dies auch tun wird: "Alles andere würde mich sehr verwundern." Andernfalls würden manche Kreisräte offenbaren, dass sie ein "Altherrenverein" bleiben wollen. In diesem Zusammenhang verwies Oesterlein auch auf ein jüngst gefallenes Zitat des ersten weiteren stellvertretenden Landrats Bernd Steger, der ihm dazu geraten habe, dass er sich einreihen solle, wenn er Karriere machen will: "Wir, die JU, werden uns nicht den Mund verbieten lassen. Uns geht es um Inhalte, nicht um Karriere."

Um die Sache geht es auch der neuen Kreisrätin Elena Pietrafesa (Grüne): "Ich finde die ausgehandelte Lösung richtig gut, dass es bald eine junge stellvertretende Landrätin geben wird." Die gerade 18-Jährige kündigte auch die nächste Fridays-for-Future-Kundgebung an, die am kommenden Freitag, 22. Mai, um 13 Uhr - voraussichtlich auf dem Rathausplatz - stattfinden soll. Die Teilnehmerzahl ist auf 50 begrenzt, es gelten Mindestabstand und Maskenpflicht.