Kronach
Gericht

Auf die schiefe Bahn "geradelt"

Ein Mann aus dem Kreis Kronach muss sich wegen Betrugs verantworten. Er bot im Internet Mountainbikes an, kassierte Vorauszahlungen, lieferte aber nicht.
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Weil er Vorauszahlungen für teure Mountainbikes kassiert und dann nicht geliefert hat, steht ein 36-Jähriger aus dem Landkreis vor dem Kronacher Schöffengericht. Symbolfoto: Christopher Schulz
Weil er Vorauszahlungen für teure Mountainbikes kassiert und dann nicht geliefert hat, steht ein 36-Jähriger aus dem Landkreis vor dem Kronacher Schöffengericht. Symbolfoto: Christopher Schulz

Mit Fahrradverkauf und -reparatur in seinem eigenen Laden verdiente sich ein heute 36-jähriger Mann aus dem Landkreis Kronach in den vergangenen Jahren sein täglich Brot. Ab dem Jahr 2017 setzte der selbstständige Händler dann aber weitgehend auf Internet-Geschäfte. Mit der Neuordnung seines Vertriebs schlitterte er auf die schiefe Bahn und landete jetzt vor Gericht.

Wegen Betrugs in 25 Fällen mit einem angerichteten Schaden von rund 65 500 Euro muss sich der Verkäufer seit Donnerstag vor dem Kronacher Schöffengericht unter Vorsitz von Richterin Claudia Weilmünster verantworten. Denn: Für die von ihm offerierten hochwertigen Mountainbikes hatte der Angeklagte Vorauszahlungen kassiert, die Räder dann aber nicht geliefert.

Nur fünf der vertrauensseligen Käufer erhielten während des Ermittlungsverfahrens ihre Gelder zurück, die anderen warten heute noch auf die Erstattung ihrer Anzahlungen. Möglicherweise bleiben diese auf ihren Rückforderungen sitzen. Der Angeklagte hat im März 2018 Insolvenz angemeldet. Zuvor hatte er bereits einen Offenbarungseid geleistet und zwangsläufig den Kontakt zum Gerichtsvollzieher pflegen müssen.

Zeuge aus Großbritannien

Warten muss der Angeklagte nach dem gestrigen Prozessauftakt nun auch auf sein Urteil. Die Richterin beschloss, zum nächsten Verhandlungstag am 10. Juli einen Lieferanten des Angeklagten aus Großbritannien als Zeugen zu laden.

Eine abenteuerlich klingende Geschichte erzählte der bieder aussehende Angeklagte zum Prozessauftakt. Er versuchte dabei immer wieder, die Schuld an seiner Misere vor allem seinen Lieferanten aus dem Ausland und dem Importeur der Räder zuzuschieben. Er beteuerte, dass anfänglich sein Geschäfte im Netz boomartig gut gelaufen seien. Es seien Bestellungen von Kunden aus dem gesamten Bundesgebiet und dem europäischen Ausland eingetrudelt. Der Grund: Er habe die sportlichen, hochwertigen Bergflitzer zu einem sehr guten Preis anbieten können. "Zehn bis 15 Prozent Nachlass konnte ich geben", sagte er. Die Richterin konterte: "Die Firma hat zur Polizei gesagt, zu diesen Preisen könnte sie selbst nicht ohne große Verluste liefern."

Der Angeklagte beteuerte, dass er die 25 in der Anklage genannten Räder stets bestellt habe, zum größten Teil seien die Vorgänge über einen Importeur abgewickelt worden. Die Bestellungen seien überwiegend per Mail erfolgt, später dann aber auch nur telefonisch. Belege über solche Vorgänge könne er deshalb nicht vorlegen. Die Lieferanten hätten ihn dann genauso formlos über Warenverspätungen informiert, die bis zu einigen Monaten reichten.

Die meisten seiner Kunden hätten ihre Vorschüsse nicht zurück haben wollen, sondern hätten auf die verzögerte Lieferung warten wollen, so der 36-Jährige weiter. Ersatzlieferungen seien abgelehnt worden, manchmal mit der Begründung, "weil's farbentechnisch beim Rad nicht gepasst hat." Der Angeklagte: "Beim Autohändler gibt es auch manchmal Verzögerungen." Die Richterin: "Die liefern dann aber, sie lieferten nicht."

Missstimmung im Netz

Das jähe Ende seiner Geschäftstätigkeit im Februar 2018 erklärte der Angeklagte damit, dass sich im Netz Missstimmung über ihn unter den Radlerfans breit gemacht habe. "Ich wurde auch bedroht". Dann sei er von seinem Lieferanten aufgrund von diesen negativen Stimmen gesperrt worden. Hinzu gekommen sei, dass sich seine Diabeteserkrankung verstärkt habe und er die vereinnahmten Gelder auch aufgrund von Schwächezuständen dann habe nicht zurückzahlen können. Der Angeklagte gab zu, die Einnahmen zur Tilgung von Schulden aus dem allgemeinen Geschäftsbetrieb verwendet zu haben.

Trotz des Bemühens des Gerichts vom Angeklagten irgendwelche Nachweise für eine ordentliche Geschäftsabwicklung von der Bestellung über die Auftragsbestätigung bis zur Rechnung zu erhalten, blieb der 36-Jährige dabei, dass er nichts mehr vorweisen könne. Er beteuerte, dass er sich auf derartige Beweise bis zum Prozess nicht richtig vorbereiten konnte.

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