Kronach
Museumspädagogik

Auf der Festung Rosenberg gibt's "Traum-Gold"

Julia Wagner recherchiert auf der Festung Rosenberg für ihre Masterarbeit. Im neuen Flyer wird das Programm für die ganze Familie vorgestellt.
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"Du bist ein Goldkind" - von Petra Zenkel (rechts) wird die Studentin Julia Wagner "mit Gold überschüttet". Foto: Susanne Deuerling
"Du bist ein Goldkind" - von Petra Zenkel (rechts) wird die Studentin Julia Wagner "mit Gold überschüttet". Foto: Susanne Deuerling
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Begeisterung klingt in ihrer Stimme, als die Studentin Julia Wagner über das Vorhaben, ihre Masterarbeit über die Kronacher Museumspädagogik zu schreiben, erzählt. Begeisterung deshalb, weil sie bereits vier verschiedene Kurse ausprobiert hat und ihr absoluter Favorit das "Traum-Gold" ist, ein Kurs, der vom Wert und vom Arbeiten mit Gold in Theorie und Praxis handelt.

Aber wie kommt man als Studentin der Archäologie im Mittelalter und der Neuzeit dazu, sich ein solches Thema auszusuchen? "Wir waren mit der Uni Bamberg bei einer Tagesexkursion auf der Feste Rosenberg und ich sah im Museumsshop den Flyer. Das Programm hat mich so angesprochen, dass ich die Idee hatte, meine Masterarbeit darüber zu schreiben", erzählt Julia Wagner. Gesagt getan. "Traum-Gold", "Fürstenmalerei", "Farbapotheke" sowie "Küche, Duft und Heimlichkeit" hat sie schon ausprobiert.
"Ich mache alles einmal mit, damit ich weiß, was überhaupt passiert, was einem gezeigt wird", sagt die 23-Jährige.

Anschließend erstellt sie Fragebogen, die sie bei einem der nächsten Kurse verteilt. Darauf sind allgemeine Fragen darüber, wie es den Teilnehmern gefallen hat, was sie daraus mitnehmen usw. Aber auch drei spezielle Fragen zu den jeweiligen Workshops. Diese Fragebogen wertet sie dann aus und verwendet sie als Grundlage ihrer Recherchen. "Am besten hat mir bis jetzt "Traum-Gold" gefallen und ich glaube, gerade Kinder sind davon sehr begeistert", meint die Studentin.

Ein Kreislauf

Welches große und vielseitige Angebot es bei der Museumspädagogik überhaupt gibt, darüber informierten die Kursleiter.

Kerstin Löw vom Tourismus- und Veranstaltungsbetrieb Kronach verdeutlichte es: "Es tut sich was, das neue Programm lässt sich untereinander verzahnen, die Workshops mit den Ausstellungen kombinieren. Es ist ein Kreislauf von ,steht schon bis steht noch‘ in der Festung", sagt Kerstin Löw.

Das Angebot, das in der Feste Rosenberg zu finden ist, wird immer größer. Sonderausstellungen, Dauerausstellungen, Fränkische Galerie, Frankens Bollwerke - all das lässt sich auch in den pädagogischen Angeboten wiederfinden. Die Steigerung an gebuchten Kursen und den Angeboten, die ohne Anmeldung mitzumachen sind, ist enorm. So wurde bei den Sonderführungen eine Steigerung von 2011 auf 2012 um 13 Prozent, bei der Museumspädagogik um 67 Prozent sowie in der Lucas-Cranach-Werkstatt um 36 Prozent erreicht. Diese Zahlen sprechen für sich und sind ein Stück Lebensqualität für Einheimische und Gäste im Bereich Kultur.

Zum 200. Geburtstag

Die Sonderausstellung zum 200. Geburtstag des Kronacher Malers Lorenz Kaim inspirierte das Team zu ganz speziellen Angeboten. Für das "Malen" im weitesten Sinne ist Eva Schreiber-Dümlein zuständig. Bereits im fünften Jahr ist sie dabei und stellt ihre "Farbapotheke" vor, die sich mit der Herstellung von Farben im Mittelalter beschäftigt. Kreide, geriebene Kohle und zerriebene Steine sowie Lehm, der in der "Bratpfanne" rot wird, sind ja irgendwie bekannt.

Aber wer kennt schon die "Purpurschnecken", aus deren Schleimessenz das Purpur gewonnen wurde? Mit dem Klebemittel Ei wurden die Pigmente dauerhaft aufgebracht. Auch die dreidimensionale Malerei, Grisaillemalerei genannt, können die Kursteilnehmer erlernen. Durch verschiedene Farbtöne und Lasur entsteht zum Beispiel ein Schlangenbild. Diese Technik wurde viel in der sakralen Kunst angewendet, etwa um Altäre zu verschönern.

Angelehnt an die vorher angesehenen Holzschnitte in der Fränkischen Galerie werden beim Kurs "Monstermaler" die Monster einzeln gestaltet, die sich beim Bild "Die Versuchung des heiligen Antonius" um den Heiligen Mann ranken. Auch die Porträtmalerei von Lucas Cranach, der nicht nur Äußerlichkeiten sondern auch den Charakter und den Typus der gemalten Person gestaltete, wird im Kurs "Fürstenmaler" verinnerlicht. Allerdings in einer anderen Farbauswahl, im Stil von Andy Warhol der Pop-Art.

Eine neue sehr interessante Sache ist die Festungsbauhütte. Wappenwerkstatt, Welt der Festungsbauingenieure und das Atelier der Steinmetze begeistern sicher Jung und Alt. Man lernt, mit welchen Hilfsmitteln damals ab dem 16. Jahrhundert vermessen wurde, um einen solchen Koloss wie die Feste Rosenberg überhaupt erbauen zu können. "Im Prinzip hat sich nicht viel geändert an den Handwerkszeugen seit damals. Das Dreibeingestell, der Steckzirkel oder die Lotgabel könnten theoretisch auch heute noch angewandt werden, auch wenn sonst alles computergesteuert ist", sagt Museologe Alexander Süß. Historische Werkzeuge wie der "Kronel", ein schweres Gerät mit beidseitigen Eisenzacken zum Behauen von Stein oder der "Klüpfl", ein Holzwerkzeug, kommen bei diesem Workshop ebenso zum Einsatz wie die Spitzhacke oder der Fäustel. Außerdem kommt man bei diesem Kurs in Ecken der Festung, die den Besuchern sonst meist verschlossen sind.

Gipsrosen werden verziert

"Traum-Gold" ist ein Workshop, der gerne von Schulklassen, überhaupt von Kindern, besucht wird. Durch das verzieren von Gipsrosen, die in einer Form erst gegossen, mit Schellack grundiert und dann mit Kleber bestrichen werden, um anschließend durch Schlagmetall "vergoldet" zu werden, fühlt sich jeder als etwas ganz Besonderes. Gold fasziniert Klein und Groß, Gold hat etwas Mystisches an sich und so interessiert auch die materielle Geschichte über das Edelmetall. Vor allen Dingen, wenn man es sich in einem Block, 500 Gramm schwer, vorstellen kann. "Unser Vorzeigemodell ist natürlich nicht aus reinem Gold, sondern vergoldet. Aber es zeigt, wie schwer so ein kleiner Goldbarren ist", erklärt Restauratorin Petra Zenkel.

Nicht vergessen darf auch das Angebot "Gött-Licht" werden. Hier hat das Gold eine spirituelle Bedeutung, etwa beim Altar in der Kapelle. Gerade Gruppen mit religiösem Hintergrund können sich nach einer Führung durch die Fränkische Galerie in die Fertigung von Engelflachreliefen vertiefen.

Programm für Jung und Alt

Das Programm der Museumspädagogik, von dem hier nur ein kleiner Teil beschrieben werden kann, wendet sich nicht nur an Kinder sondern an alle, ob Jung oder Alt. "An alle, die schon oder noch stehen können sind die Angebote geeignet", bringt es Alexander Süß auf den Punkt.

Die neuen Flyer mit dem Logo der Lucas-Cranach-Schlange, die weich gebettet im Festungspentagon liegt, werden ab sofort in der Stadt Kronach verteilt und auch für Ältere oder Gehbehinderte ist es kein Hindernis, teilzunehmen. "Man kann bis zum Hintereingang der Galerie fahren, die Mitarbeiter helfen gerne", sagt Kerstin Löw. Sie hofft auf viele Familien, die zur Museumspädagogik kommen.

Im Flyer sind zahlreiche Angebote zu finden, für die man sich nicht anmelden muss. Jeden Samstag von April bis Oktober finden Kurse statt. Die Sonderführungen sind jederzeit buchbar. Alle Angebote sind auch im Internet abrufbar. Auskunft erhält man außerdem unter der Festungsinfonummer 09261/60410. Und es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass alle Angebote und Workshops nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene interessant sind.
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