Kronach
Kunstverein

Auf dem Niveau einer Großstadt

Ein neuer Vorsitzender für den Kronacher Kunstverein ist noch immer nicht gefunden. Dabei wurde der Großteil der Aufgaben im Verein mittlerweile verteilt.
Artikel drucken Artikel einbetten
Karol J. Hurec (links) und Willi Karl haben die Ausstellungen des Kronacher Kunstvereins für das kommende Jahr bereits geplant. Cindy Dötschel
Karol J. Hurec (links) und Willi Karl haben die Ausstellungen des Kronacher Kunstvereins für das kommende Jahr bereits geplant. Cindy Dötschel

Auf den neuen Vorsitzenden des Kunstvereins werden nicht viele Aufgaben zukommen. "Eigentlich muss er sich nur um den Vorsitz bei Versammlungen kümmern", sagt Karol J. Hurec. Noch bis Ende September ist der 71-Jährige komissarisch im Amt, dann wird er nicht mehr als Vorsitzender des Kronacher Kunstvereins zur Verfügung stehen. Einen Nachfolger gibt es noch nicht.

"Wir sind nicht der einzige Verein, dem es Probleme bereitet, Ehrenamtliche zu finden", bedauert Hurec. Dabei wurde alles Mögliche unternommen, um den zukünftigen Vorsitzenden zu entlasten: "Sämtliche Tätigkeiten, für die wir bisher zuständig waren, wie beispielsweise die Öffentlichkeitsarbeit, wurden von den Vereinsmitgliedern übernommen." Mit "wir" meint Hurec sich und Willi Karl, den Geschäftsführenden Vorsitzenden des Kronacher Kunstvereins. Willi Karl, ebenfalls 71 Jahre alt, wird sein Amt als Geschäftsführender Vorsitzender im Februar 2021 ebenfalls aufgeben: "Wir wollten beide eigentlich schon vor zwei Jahren aufhören." Nach knapp 40 Jahren sei es an der Zeit, dass die Ämter von jüngeren Mitgliedern übernommen werden.

Vereinsgründung 1980

Die Räumlichkeiten des Kronacher Kunstvereins befinden sich im Kreiskulturraum. "Wir haben hier Platz für Ausstellungen mit 270 laufenden Metern", erzählt Hurec. Außerdem verfügt der Verein über einen zweiten Raum, der als Bibliothek und Werkstatt genutzt werden kann. "Hier wurden schon Workshops veranstaltet", erinnert sich Karl, wenn sich jemand findet, könne der Platz auch zukünftig wieder für Workshops genutzt werden.

Der Auslöser für die Gründung des Kunstvereins im Jahr 1980 war die Schließung der bis dahin bestehenden "Neuen Galerie" in der Klosterstraße. Im ersten Jahr nach der Gründung zählte der Verein etwa 70 Mitglieder, im Moment sind es 220. Unter den Mitgliedern haben sich vor allem Frauen für die zu verteilenden Aufgaben gemeldet. "Wir haben derzeit eine Art Probelauf, die Frauen können sich auf ihren neuen Positionen ausprobieren", erklärt Hurec. Bei der Kontaktaufnahme zu den Künstlern und der Eröffnungen der Ausstellungen unterstützen er und Karl weiterhin.

Ende September wird der gebürtige Kronacher Cornelius Völker in den Räumen des Kronacher Kunstvereins ausstellen. "Dabei handelt es sich um die insgesamt 250 Ausstellung unseres Vereins", sagt Karl stolz. Seiner Einschätzung nach könnte der Verein mindestens 30 Künstler pro Jahr finden, die in Kronach ausstellen wollen: "Wir haben einen großen Zulauf, weil wir unter anderem für die Übernachtungen und die Transportkosten aufkommen. Die Künstler sollen keine Unkosten haben."

Die sechs Ausstellungen für das kommende Jahr sind bereits geplant. "Ein Highlight ist die Ausstellung des Fotojournalisten Daniel Biskup zu den Wendejahren", findet Karl. Außerdem hätten Künstler aus Rumänien, Australien und auch aus der Region zugesagt.

Großstadtniveau

Die fünfwöchige Ausstellung am Jahresende ist für die Werke von Mitgliedern des Vereins vorgesehen. "Normalerweise haben die Mitglieder von Kunstvereinen keinen Anspruch auf eine Ausstellung", betont Hurec. Wie bei allen anderen Ausstellung, stehe auch hier die Qualität der Exponate im Fokus: "Wir sind eine kleine Stadt, aber das Niveau unserer Ausstellungen entspricht dem in Großstädten."

In Hinblick auf die Besucherzahlen könne sich der Kunstverein ebenfalls mit Großstädten messen. "Der Prozentsatz der Menschen, die sich für moderne Kunst interessieren, liegt bei drei Prozent. In Großstädten ist das nicht anders", schildert Hurec. Zu den Ausstellungseröffnungen in der Galerie des Kronacher Kunstvereins kommen dem Vorsitzenden zufolge durchschnittlich 40 bis 60 Personen, in einer Münchner Galerie würde man sich bereits über 20 bis 30 Gäste freuen. "Wenn in den Räumen nebenan Theatervorstellungen sind, ist unsere Galerie in den sogar Pausen voll", ergänzt Karl.

Dafür, dass sich bislang noch keine Nachfolger für das Amt des Vorsitzenden und des Geschäftsführenden Vorsitzenden gefunden haben, hat Karl nur eine Erklärung: "Viele wollen nach der Arbeit einfach ihr Leben genießen."

Projektbezogene Mitarbeit

Hurec lässt vor allem das Engagement der Mitmach-Börse von Kronach Creativ und dem örtlichen Caritasverband hoffen. "Durch die Initiative werden Interessierte an die Vereine vermittelt, viele wollen auch nur für ein Projekt mitarbeiten und sich nicht gleich für zwei Jahre engagieren." Der Kunstverein habe bereits zwei positive Rückmeldungen erhalten.

Ihr langjähriges Engagement für den Verein bereuen Karl und Hurec nicht. Karl wollte in seiner Jugend eigentlich Kunst studieren und hat sich dann dazu entschieden, es beim Hobby zu belassen "Wenn ich mich nach der Arbeit mit Kunst beschäftigt habe, konnte ich immer gut runterfahren." Hurec schätzt vor allem den Kontakt mit vielen interessanten Leuten. "Das Gehirn rostet nicht ein. Man hat immer einen Anstoß, sich weiterzubilden und ist am Puls der Zeit."

Nach knapp 40 Jahren sind beide dennoch entschlossen, ihre Ämter aufzugeben. In den letzten Jahren seien immer mehr Aufgaben für die beiden dazugekommen. "Wenn aus dem Hobby eine Verpflichtung wird, ist etwas in die Schieflage gekommen", schlussfolgert Hurec. Dennoch wollen beide der Kunstszene erhalten bleiben.

Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren