Kronach
Plagiate

Auch Schüler müssen sauber arbeiten

Vor einer Woche haben sich die Schüler an den Gymnasien im Landkreis auf das Thema ihrer Seminararbeit festgelegt. Ihre Lehrer kontrollieren, ob die Nachwuchswissenschaftler auch sauber gearbeitet haben.
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Günther Helmreich (links) und Mario Sattler, beide Lehrer am Kaspar-Zeuß-Gymnasium, begutachten eine alte Seminararbeit. Foto: Jan Koch
Günther Helmreich (links) und Mario Sattler, beide Lehrer am Kaspar-Zeuß-Gymnasium, begutachten eine alte Seminararbeit. Foto: Jan Koch
In wissenschaftlichen Arbeiten wird gern getrickst: Da vergessen die Autoren, klar zu kennzeichnen, dass ganze Passagen nicht dem eigenen Genius entsprungen sind. Derlei Kleinigkeiten wurden in den vergangenen Jahren mehreren Politikern zum Verhängnis. Berühmtestes Beispiel aus der Region: Karl-Theodor zu Guttenberg.

Wenn sich die 135 Elftklässler des Kaspar-Zeuß-Gymnasiums (KZG) den ehemaligen Star der CSU zum wissenschaftlichen Vorbild nehmen, werden ihre Lehrer nur mäßig Freude haben. Denn auch die Gymnasiasten müssen in ihrem wissenschafts propädeutischen Seminar, der Einfachheit halber schlicht W-Seminar genannt, eine Seminararbeit schreiben. Die ist durchaus vergleichbar mit der Facharbeit, die im neunstufigen Gymnasium eine Hürde zum Abitur war. Vor rund einer Woche haben sich die Schüler auf das Thema ihrer Arbeit festgelegt. Der Abgabetag ist auch schon fix: der 12. November dieses Jahres.


Ein Jahr, zehn Seiten und kein Plagiat

Ein knappes Jahr haben die Schüler nun Zeit, um mindestens zehn Seiten zu ihrem Thema zu schreiben. "Durch die Seminararbeit sollen die Schüler lernen, wissenschaftlich zu arbeiten", sagt Mario Sattler, Lehrer am KZG, der dieses Schuljahr ein W-Seminar im Fach Englisch anbietet. Ja, dazu gehört schon einiges: das richtige Zitieren beispielsweise. Der lautere Wissenschaftler macht in seiner Arbeit kenntlich, wenn er einen Gedanken aus einer anderen Arbeit entliehen hat. Und diese Quellen müssen selbstverständlich zum Schluss der Arbeit in einem Literaturverzeichnis aufgelistet sein - Internetadressen inklusive. Simples Kopieren und Einfügen ist verboten."Wir sagen den Schülern genau, worauf es ankommt", betont der stellvertretende Schulleiter Günter Helmreich, der ein W-Seminar in Mathematik leitet.

Blöd, denn wissenschaftlich sauber zu arbeiten, ist einerseits anstrengend und zum anderen dauert es seine Zeit. Und genau die wird gerne mal knapp, da so mancher dazu neigt, Dinge immer wieder aufzuschieben, bis die letzte Nacht vor der Abgabe naht. Mario Sattler wird 14 Seminararbeiten korrigieren, sein Kollege Günther Helmreich sieben. Ob sich nicht beide davor fürchten, dass wissenschaftlich unsauber gearbeitet wurde? Nein, sagen beide bestimmt. Das habe verschiedene Gründen, erklärt Günter Helmreich.

Das Wichtigste zuerst: Die Seminararbeit, betont Helmreich, sei keine Doktorarbeit. Die Leistung der Schüler liege nicht darin, neue Erkenntnisse zu erzeugen. "Das ist ja nichts Neues, was die Schüler erarbeiten. Sie sollen verstehen, worum es bei ihrem Thema geht und es in ihrer eigenen Sprache wiedergeben", sagt Helmreich. "Und auch den ein oder anderen eigenen Gedanken einfließen lassen", fügt Sattler hinzu. Trotzdem ist die Arbeit für Günther Helmreich "sehr wichtig, um die Schüler auf die Universität vorzubereiten".

Aufschieberitis fast unmöglich

Außerdem werde die Seminararbeit zu gut betreut, als dass sie in nur einer Nacht entstehen könnte. In Sattlers Seminar treffen sich seine Schüler vor Ostern noch einmal: "Es geht darum, die ersten Recherche-Ergebnisse dem Kurs vorzustellen. Mindestens drei Bücher muss jeder angeben, Internetadressen reichen nicht", sagt Sattler. So ähnlich geht es weiter: Vor Pfingsten müssen die Schüler eine Gliederung vorlegen, "um Themaverfehlungen zu vermeiden", erklärt Sattler. Gegen Ende des Schuljahrs verlangt er von jedem eine Leseprobe von einer Seite. "Da kann ich sehen, ob beispielsweise die Zitier-Regeln eingehalten werden". Gerade im Vergleich zur Facharbeit, bestätigt Günter Helmreich, sei die Betreuung "viel intensiver".

Selbst wenn ein Schüler es auf irgendeine Art und Weise schafft, seine Arbeit trotz der Zwischenetappen erst in der letzten Nacht zu schreiben, sei auch der informiert, sagt Günther Helmreich vielsagend. Will heißen: Auch derjenige weiß, dass er sich an die wissenschaftlichen Spielregeln, die er im W-Seminar gelernt hat, halten muss. Tut er das nicht, kann er sich darauf verlassen, dass Lehrer nicht blöd sind. "Auch wir kennen Google", sagt Mario Sattler. Textbausteine einfach aus dem Internet zu klauen, ist daher eine schlechte Idee. Skeptisch werde Günther Helmreich immer dann, wenn Formulierungen gestelzt wirken.

Helmreich kennt seine Pappenheimer

"Dann schaut man schon mal nach. Mit ein bisschen Erfahrung weiß man, was nicht auf dem Mist von Schülern gewachsen ist." Und wenn tatsächlich alles nur geklaut war? "Wenn es so festgestellt wird", sagt Mario Sattler, "dann ist das als Unterschleif zu verstehen, der mit 0 Punkten bewertet wird. Der Schüler wird dann nicht zum Abitur zugelassen." Das sei aber noch nie vorgekommen.

Womit die Lehrer eher konfrontiert sind, ist eine unsaubere Zitierweise."Wenn mal ein Beleg nicht gegeben ist oder man findet einige Zeilen, die von einer Website gezogen wurden, und wenn die Zitierweise ansonsten passt, gibt es nicht gleich 0 Punkte", sagt Helmreich. Allein aus pädagogischen Gründen wäre das nicht vertretbar. Mit einer schlechteren Bewertung müsse der Schüler allerdings schon rechnen. Dass es in ihren Kursen soweit kommt, hoffen beide nicht. "Ich denke, wir haben alles dafür getan, dass wir solche Probleme vermeiden können", sagt Mario Sattler.
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