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Steinberg
Mindestlohn

Auch Kronacher Gastronomen sind vom Mindestlohn betroffen

Küchenmeister Bernhard Ebert vom Gasthof "Zum Frack" ärgert sich über die immer mehr zunehmende Bürokratie in der Gastronomie. Das Fass zum Überlaufen gebracht hat jetzt die Anhebung des Stundensatzes.
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Tina Ebert serviert ihren Gästen (von links): Josef Beetz, Martin Lang und Elmar Fischer das Bier mit einem Lächeln.  Fotos: Friedwald Schedel
Tina Ebert serviert ihren Gästen (von links): Josef Beetz, Martin Lang und Elmar Fischer das Bier mit einem Lächeln. Fotos: Friedwald Schedel
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Bernhard Ebert ist mit Leib und Seele Koch. Der Küchenmeister und Chef des Steinberger Gasthofs "Zum Frack" ist am liebsten in der Küche und bereitet mit seinem Team Speisen zu. Da ist Kreativität gefragt.
Etliche Stunden pro Woche wird er davon allerdings abgehalten. Er muss Dienstpläne machen, darauf achten, dass Vorschriften eingehalten werden und hat noch viel mehr Bürokratie am Hals. Und jetzt kam noch der Mindestlohn. Der bringt Bernhard Ebert auf die Palme. Er weiß nicht, wie er die günstigen Preise für Speisen und Getränke im "Frack" halten soll, wenn er für die Aushilfskräfte, auf die ein Betrieb wie seiner angewiesen ist, Mindestlohn zahlen muss.

"Der Mindestlohn ist vielerorts durchaus berechtigt", sagt Ebert.
"Doch man hätte von Seiten der Politik berücksichtigen müssen, dass in einem Ballungsraum wie München ganz andere Verhältnisse herrschen und andere Preise verlangt werden als in einem ländlichen Bereich wie dem Frankenwald. In München kostet alles viel mehr als hier."


Viele Wirte wollen aufhören

Bernhard Ebert hat viele Kollegen, "die lieber heute als morgen ihre Kneipe zumachen würden, weil ihnen die ständige Gängelei reicht. Macht die Arbeit noch Spaß, wenn ich ständig drüber nachdenken muss, ob ich etwas verkehrt mache, ein Gesetz übertrete oder mich womöglich durch mein Handeln strafbar mache?", fragt Ebert. In zehn Jahren habe sich die Zahl der Wirte in Bayern halbiert. Das liege auch mit daran, "dass es in der Gastronomie so viele Regeln und ein so enges Korsett gibt, dass der Spaß aufhört".


Flexibilität ist gefragt

Ein Teil seiner Mitarbeiter möchte nicht mehr als 450 Euro pro Monat verdienen, weil er dann in die Steuerklasse fünf fallen würde. Der Küchenchef braucht also mehr Mitarbeiter, weil die künftig für den gleichen Lohn weniger lang arbeiten. Doch woher soll er die im Gastronomiebereich nehmen? "Ich kann nicht jeden einstellen. Schließlich müssen die Mitarbeiter flink, freundlich und flexibel sein", weiß Ebert. Flexibilität ist überhaupt das Schlagwort in seinem Beruf. Trotzdem muss er sich hinsetzen und Dienstpläne aufstellen, denn der Zoll muss ja bei einer eventuellen Kontrolle "etwas in der Hand haben". Also stellt Bernhard Ebert Pläne für die ganze Woche auf, füllt Zeitarbeitskonten aus. Dabei kann er natürlich nicht einplanen, dass am Dienstag ein Gemeindebürger stirbt und deshalb am Donnerstag oder Freitag der Leichentrunk auszurichten ist. "Doch woher soll ich das Personal nehmen, wenn ich es bereits verplant hab?", fragt Ebert rhetorisch.

Oder soll er absagen, wenn ein Busunternehmen anruft und kurzfristig mit 50 Leuten zum Abendessen kommen will. "Oder was mach ich, wenn ich eine der vielen Geburtstagsfeiern ausrichte und es den Gästen so gut gefällt, dass sie um elf oder zwölf noch nicht nach Hause gehen wollen, die Bedienung aber laut Plan Feierabend machen muss?", sinniert der Gastronom.

Wenn er sich nur noch Gedanken über Sachen machen müsse, die nichts mit seinem Beruf zu tun hätten, dann sei das nicht das, weshalb er diesen Beruf ergriffen habe. "Ein Wirtshaus kann man nicht mit einer Reglementierungswut führen", schimpft der Steinberger Wirt. Rhetorisch fragt er, welche Erfolgs-Chancen wohl ein von einem Bürokraten geführtes Gasthaus hätte.

"Was erlaubt sich der Staat, mich als Wirt in meiner Berufsausübung gegenüber dem Gast so einzuschränken, dass das keinen Spaß mehr macht?" Er führte das Beispiel DDR an: "Wollen die das so haben wie früher im Osten, wo auf den Tischen überall ,Reserviert-Schildchen" standen, weil man kein Personal da hatte?"


Zusätzliche Kosten

Bernhard Ebert hat ausgerechnet, dass das Mindestlohngesetz pro Jahr etwa 20 000 Euro Ausgaben an Lohn- und Lohnnebenkosten zusätzlich für ihn mit sich bringt. Er weiß noch nicht, wie er das kompensieren soll und denkt über eine Anpassung der Preise nach.


Gäste haben Verständnis

Die Befürchtung, dass er damit seine Gäste verärgert, scheint unbegründet. Drei davon zeigten am Stammtisch durchaus Verständnis dafür, dass die höheren Lohnkosten weitergegeben werden. Elmar Fischer, beispielsweise, hielt den Mindestlohn für gerecht. Viele seien mit ihrem verdienten Geld bisher nicht ausgekommen. Fischer war auch klar, dass sich das auch auf die Preise auswirken werde. "Aber beim ,Frack‘ können wir uns das schon noch leisten", meinte er mit einem Augenzwinkern und stieß mit den anderen am Stammtisch an.


Rund um den Mindestlohn

Gesetz Zum 1. Januar 2015 tritt das von der Bundesregierung beschlossene Tarifautonomie stärkungsgesetz ("Mindestlohn-Gesetz") in Kraft. Laut repräsentativen Umfragen befürworten fast 80 Prozent der Bevölkerung einen gesetzlichen Mindestlohn. Dieser wurde nun mit 8,50 Euro pro Stunde festgelegt.

Branchen Das "Mindestlohn"-Gesetz wirkt sich auf verschiedene Branchen und Bereiche aus. Betroffen ist zum Beispiel die Zustellung der Zeitung, die Fahrt mit dem Taxi, der Besuch beim Friseur oder die Gastronomie. Wir informieren in einer kurzen Serie über die Auswirkungen für den Kreis Kronach. Die in Kronach ansässigen Taxiunternehmen lehnten eine Stellungnahme zum Mindestlohn ab.

Zeitungszustellung Im Verbreitungsgebiet der Mediengruppe Oberfranken mit den Zeitungstiteln "Fränkischer Tag", "Bayerische Rundschau", "Coburger Tageblatt", "Saale-Zeitung" und "Die Kitzinger" stellen täglich rund 2000 Frauen und Männer mehr als 100 000 Zeitungen zu. Die Zusteller erbringen ihre Dienstleistung an mehr als 300 Erscheinungstagen pro Jahr. Je nach Verbreitungsgebiet und Größe des Zustellbezirks beginnen sie ihren Dienst mitten in der Nacht, um eine pünktliche Zustellung zu gewährleisten.

Vergütung Bisher erhielten die Zusteller einen Stücklohn. Sie wurden pro zugestellter Zeitungsausgabe entlohnt. Künftig wird die Arbeit der Zusteller nach den Vorgaben des "Mindestlohn-Gesetzes" nach Stunden entlohnt.

Kosten Durch das "Mindestlohn-Gesetz" verteuert sich die Zustellung der Zeitung pro Erscheinungstag um etwa acht bis zehn Cent.
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