Kronach
Tag der Arbeit

"Arbeit ist nicht alles im Leben"

Ganz im Zeichen der vermeintlich "schönen" neuen Arbeitswelt stand die KAB-Feier des 1. Mai in Friesen.
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Am Festzug beteiligten sich KAB-Abordnungen mit Fahnen sowie Ehrengästen.
Am Festzug beteiligten sich KAB-Abordnungen mit Fahnen sowie Ehrengästen.
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Eingeladen hatten die KAB-Kreisverbände Kronach-Hof und Lichtenfels-Coburg-Kulmbach in Kooperation mit dem KAB-Diözesanverband Bamberg. Nach dem traditionellen Arbeitnehmer-Gottesdienst kamen Abordnungen der KAB-Ortsverbände, Interessierte und Ehrengäste zum politischen Frühschoppen im Pfarrzentrum in Friesen zusammen.
Unter dem Motto "Arbeit.macht.Sinn" - Arbeitstitel des letzten KAB-Bundesverbandstags - beschäftigt sich die KAB derzeit insbesondere mit der Zukunft der Arbeit mit aktuellen Schlagworten wie Arbeit 4.0 oder Digitalisierung. "Arbeit bedeutetet mehr als Sicherung des Lebensunterhalts: Es ist Teil der Persönlichkeit, bietet Identifikation. Arbeit gehört zum Menschsein und zur Menschenwürde", betonte Diözesanverbandsvorsitzende Ingrid Schumann, die in ihrer Festrede die Auswirkungen des technologischen Wandels auf unsere Lebensbereiche kritisch hinterfragte.
Armen mit Geld zu helfen, könne daher immer nur eine provisorische Lösung sein. Das große Ziel müsse sein, ihnen mittels eigener Arbeit ein würdevolles Leben zu ermöglichen. Leider kontrollierten derzeit die weltweit 35 mächtigsten Unternehmen mehr als ein Drittel des Welthandels. Machtkämpfe gingen zu Lasten Schwacher. Die neue Arbeitswelt verstärke den Druck noch. Die uns als so positiv verkauften flexiblen Arbeitsmodelle gingen in Wirklichkeit einher mit prekären Arbeitsverträgen, bei denen man für die Sozialversicherung selbst sorgen müsse. "Die Unternehmen nehmen sich so aus der Verantwortung", prangerte sie an. Durch die Entwicklungen laufe man Gefahr einer Aufweichung mühsam erkämpfter Arbeitnehmer-Rechte. "Arbeit 4.0 darf nicht in ein Zweiklassensystem münden", appellierte sie.
Diözesansekretärin Maria Gerstner sowie Adelheid Kotschenreuther und Mathilde Hutzl von der Kreisverbands-Vorstandschaft riefen in ihrer Ansprache zu Solidarität auf. "Für die KAB stehen vor allem Menschenwürde und Solidarität in einer zunehmend automatisierten und von Berechnungen bestimmten Wirtschafts- und Arbeitswelt im Mittelpunkt", betonte Gerstner. Die sich - in unserem sozialen Sicherungssystem widerspiegelnde - gesetzlich gegründete Struktursolidarität sei in der Vergangenheit mutwillig Stück für Stück demontiert worden. Es sei daher höchste Zeit, sich über die Solidarität neu Gedanken zu machen. Keineswegs sei es dabei so, dass Solidarität - erst einmal errungen - nicht mehr verloren gehen könne. Vielmehr müsse man sie immer neu erarbeiten. "Jeder Mensch, der Solidarität in der Gesellschaft oder bei anderen einfordert, muss sich fragen lassen, wie er es selber damit hält", forderte die Diözesansekretärin. Man dürfe nicht immer nur nach dem eigenen Vorteil fragen, mahnte Kreis-Ehrenpräses, Dekan Baptist Schaffer, in der anschließenden - rege geführten - Diskussion. Vielen gehe es nur um den Preis, ohne danach zu fragen, was Billigpreise für die Menschen woanders bedeuteten - beispielsweise für die Näherinnen in Indien, denen sprichwörtlich die Decke auf den Kopf gefallen sei. Nicht nur die Mächtigen, sondern jeder von uns könne durch sein Verhalten Veränderungen bewirken. "An andere Menschen zu denken, auch wenn sie Tausende von Kilometern weiter weg leben, das ist Solidarität", verdeutlichte er unter Applaus.

Mathilde Hutzl pflichtete ihm bei. Nicht nur Politiker, sondern wir alle - insbesondere auch die KAB-Mitglieder - machten Politik. Es gebe Hunderte von Möglichkeiten, im Kleinen zu wirken - und zwar in jedem Alter. Senioren seien aufgerufen, dies an ihre Enkel oder Urenkel weiterzugeben.

Die Gäste wurden eingangs vom Vorsitzenden der KAB Friesen, Friedrich Jakob sowie vom Kreisvorsitzenden Günter Romig willkommen geheißen. Romig bedauerte, dass der 1. Mai oftmals seitens der Bevölkerung mehr als Wandertag oder Tag zum Maibaum-Aufstellen wahrgenommen werde. Die eigentliche Bedeutung für die in Arbeit stehende Bevölkerung gehe verloren. Langjährige Mitarbeiter, die ihrem Unternehmen schon lange die Treue halten, identifizierten sich - so Kronachs 2. Bürgermeisterin Angela Hofmann - mit ihrem Arbeitgeber. Sie arbeiteten gerne und gut. "Hierfür haben sie aber auch ein Anrecht auf gerechte Entlohnung und Anerkennung", betonte sie. Billigprodukte aus Fernost bedeuteten weder Fairness, Sicherheit noch Nachhaltigkeit, da die Arbeitnehmer in diesen Ländern nicht organisiert seien. Der KAB dankte sie, immer wieder aktuelle gesellschaftspolitische Themen aufzugreifen.
Die musikalische Ausgestaltung oblag heuer erneut Silvia Wachter mit sehr stimmungsvollen - thematisch wohl ausgewählten - Liedern in Deutsch und Englisch.
Beeindruckender Fest-Gottesdienst:
Die Fahnen-KAB-Abordnungen waren am Morgen unter Trommelklängen zur Pfarrkirche St. Georg gezogen. Zelebriert wurde der Gottesdienst von den Präsides der KAB Steinberg, Pater Waldemar Brysch, und der KAB Johannisthal, Diakon Georg Zenk, Kreis-Ehrenpräses Dekan Baptist Schaffer, Kreispräses Diakon Herbert Mayer als auch Diözesanpräses Dekan Albert Müller, der die tiefgehende Festpredigt hielt. In seinen Gedanken zu "Arbeit.macht.Sinn" gelangte er zum Fazit, dass die Produktivität der Arbeit Voraussetzung für unsere Kultur- und Gesellschaftsordnung sei. Arbeitslosigkeit bedeute Ausschluss. Zugleich sei Arbeit nicht alles im Leben - Stichwort Workaholic. Sinnentleerte Arbeit mache keine Freude. Gute Arbeit müsse gerecht entlohnt werden. Auch KAB-Mitglieder brachten sich in die Gestaltung des Gottesdienstes mit ein.
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