Kronach
Gericht

Angeklagter zeigt sich uneinsichtig

Ein 27-Jähriger wurde zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Er soll die sechsjährige Tochter seiner Lebensgefährtin geschlagen haben.
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Eine vorsätzliche Körperverletzung wurde vom Amtsgericht Kronach mit fünf Monaten Freiheitsentzug auf Bewährung "belohnt".
Bis zuletzt beteuerte ein 27-jähriger Angeklagter, "er habe doch nichts gemacht", obwohl er durch sein Verhalten während der Verhandlung nicht gerade Anlass dazu gab, ihm zu glauben. Richterin Jana Huber verurteilte den Mann zu fünf Monaten Freiheitsstrafe, die zur Bewährung ausgesetzt wird, und 120 Stunden gemeinnütziger Arbeit, abzuleisten binnen vier Monaten. Außerdem meinte sie, dass ein Antiaggressionstraining für ihn sinnvoll wäre.
Dem Angeklagten wurde vorgeworfen, die sechsjährige Tochter seiner Lebensgefährtin, die gerade bei ihnen zu Besuch war, mit der flachen Hand gegen die Brust geschlagen zu haben, sodass zwei Hämatome zu sehen waren.
Als das Mädchen nach dem Besuch zurück bei ihrem Vater war, zeigte sie am Frühstückstisch diese Hämatome und sagte, dass es der Angeklagte gewesen sei. Daraufhin wurde sie vom Kinderarzt untersucht und der Vater stellte Strafanzeige bei der Polizei.
Der Beschuldigte bestritt vehement diese Anschuldigungen und sagte, das Mädchen habe sich das nur ausgedacht. Wie sich jedoch durch Befragen von Zeugen herausstellte, gab es zu diesem Zeitpunkt Streit zwischen dem Angeklagten und seiner Lebensgefährtin, in deren Verlauf er diese auch geschlagen haben soll und das Kind da möglicherweise "in die Schusslinie" geraten ist. Nicht ganz zu verstehen war die Aussage der Lebensgefährtin, dass das kleine Mädchen "Geschichten erzählt" und sie selbst nicht geschlagen worden sei, obwohl schon in den Wochen vorher dies mehrmals beobachtet werden konnte.
Richterin Jana Huber sprach auch mit dem sechsjährigen Mädchen, das beim Anblick des Angeklagten deutliche Anzeichen von Angst erkennen ließ. "Sie zitterte am ganzen Körper", sagte Huber später. Dies sei ein deutliches Anzeichen, dass das von dem Beschuldigten so "harmonische" Verhältnis zwischen ihm und der Kleinen so nicht gewesen sein könne. Auch konnte von einer Diplomsozialpädagogin, die das Mädchen im Kindergarten beobachtet hatte, nicht bestätigt werden, dass sie dazu neigt, sich Geschichten auszudenken, im Gegenteil, sie sei eher ein stilles Kind.

Ohne Verteidiger erschienen

Der Angeklagte verteidigte sich selbst und konnte es nicht lassen, selbst der Richterin und der Staatsanwältin ins Wort zu fallen. Jana Huber ließ das nicht lange durchgehen und bescheinigte dem Beschuldigten, dass er ein Problem beim Zuhören habe: "Er hat auch seine Aggressionen nicht im Griff und deshalb wäre für ihn ein Aggressionstraining sinnvoll." Sie erntete nur Kopfschütteln beim 27-Jährigen, der nur noch zur Antwort gab: "Dann sperrt mich doch gleich ein!"

Mädchen komplett verstört

In ihrem Plädoyer sagte Staatsanwältin Michaela Heublein, sie gehe davon aus, dass die Tat so wie angeklagt begangen worden sei, denn der Angeklagte habe offensichtlich ein Aggressionsproblem und schlage auch seine Lebensgefährtin, wie auch Aussagen bestätigten. Das Mädchen sei auch komplett verstört gewesen und habe sicher keine Märchen erzählt. "Und ihre Mutter kann sich gegen ihren Lebensgefährten nicht zur Wehr setzen", hielt Heublein der Frau vor. Sie forderte sechs Monate Freiheitsentzug und 120 Stunden gemeinnützige Arbeit. Zu Buche schlug beim Angeklagten, dass er weder geständig noch ein unbeschriebenes Blatt war, denn er war bereits einmal einschlägig vorbestraft und weitere Delikte von Körperverletzung werden gerade ermittelt.

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