Zu den Übergriffen soll es zwischen 1995 und 1999 im jeweiligen Haus der Großmutter väterlicherseits des Opfers gekommen sein, in dem auch der Angeklagte wohnt. Die heute 23-Jährige tritt in dem Verfahren als Nebenklägerin auf, vertreten durch Rechtsanwältin Christine Leuker.
Im Lauf der ganztägigen Verhandlung wurden gestern durch den Vorsitzenden Richter Gerhard Amend, Beisitzerin Karolin Lindner und Staatsanwalt Christoph Gillot insgesamt zwölf Zeugen gehört. Die Verteidigung, die Rechtsanwälte Stefan Walder und Till Wagler, hatten bereits zu Beginn mitgeteilt, dass ihr Mandant keine Ausführungen zur Sache machen werde.
Die Vernehmung des zum vermeintlichen Tatzeitraum minderjährigen Opfers dauerte gut zwei Stunden. Detailliert schilderte die junge Frau, wie es über einen Zeitraum von mehreren Jahren immer wieder zu Übergriffen durch den Angeklagten gekommen sein soll. Angst und Scham hätten sie davon abgehalten, jemandem davon zu berichten. Erst im Alter von ca. 15 Jahren habe sie sich erstmals einem guten Freund anvertraut, später ebenso ihrer Schwester und ihrem heutigen Mann. Dieser habe ihr dann auch nach langen Gesprächen geraten, rechtliche Schritte einzuleiten. Vor allem auch auf Grund der Tatsache, weil er einen Zusammenhang ausmachte zwischen den psychosomatischen Beschwerden seiner Frau und den geschilderten Kindheitserlebnissen.
In die gleiche Richtung zielten die Aussagen der behandelnden Psychotherapeutin. Sie müsse anhand der umfangreichen Symptomatik davon ausgehen, dass ihre Patientin durch ein Erlebnis in früher Kindheit belastet worden sei und nicht die Trennung der Eltern im jugendlichen Alter als ursächliches Problem für die Störungen auszumachen sei, was unter anderem die Verteidigung anführte.