Kronach
Prozess

Attacke mit Elektroschocker und Widersprüche im Kronacher Vergewaltigungs-Prozess

Am dritten Verhandlungstag zur versuchten Vergewaltigung in Kronach wurde die Exfreundin des Angeklagten befragt. Diese beschuldigt den 36-Jährigen, sie ebenfalls angegriffen zu haben. Doch ihre Aussage warf viele Fragen auf.
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Ein 36-Jähriger aus dem Kreis Kronach soll seine Exfreundin geschlagen und mit einem Elektroschocker angegriffen haben.  Symbolfoto: ninocare/pixabay
Ein 36-Jähriger aus dem Kreis Kronach soll seine Exfreundin geschlagen und mit einem Elektroschocker angegriffen haben. Symbolfoto: ninocare/pixabay

Fast wäre ihre Angst zu groß gewesen. Die Angst, dem Exfreund wieder gegenübertreten zu müssen. Und die Furcht, noch einmal von der Nacht berichten zu müssen, in der er sie stundenlang gequält haben soll.

Im Fall der versuchten Vergewaltigung auf dem Kronacher Landesgartenschaugelände im Juli 2018 sagte am dritten Verhandlungstag am Coburger Landgericht die Exfreundin des Angeklagten aus. Diese soll der 36-Jährige bereits rund einen Monat vor der Tat ebenfalls angegriffen haben. Daher muss sich der Mann aus dem Landkreis Kronach neben versuchter Vergewaltigung und Drogenhandel auch dem Vorwurf der schweren Körperverletzung stellen. Doch große Erinnerungslücken der Zeugin und Widersprüche zu ihrer Polizeiaussage vom August 2018 machten das Gericht stutzig.

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Der Angeklagte und die 29-Jährige kennen sich bereits seit mehreren Jahren, nahmen aber erst im Februar 2017 wieder Kontakt zueinander auf. "Wir haben eine zusammen geraucht, bisschen geredet, Nummern ausgetauscht", erzählte die Zeugin mit leiser Stimme. Nur wenige Monate hielt die Beziehung. Wie sie schließlich geendet habe, fragte die vorsitzende Richterin Jana Huber. "Nicht gut", gab die 29-Jährige zögernd zu. "Ich habe mich für einen anderen Mann entschieden." Über WhatsApp habe sie dem Angeklagten ihre Entscheidung mitgeteilt. Nicht so berauschend sei die Reaktion des 36-Jährigen daraufhin ausgefallen. "Dann war ich für ihn gleich wieder eine Schlampe und Fotze."

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Am 30. Mai sollte es zur Aussprache in der Wohnung der Zeugin kommen. Sie hätten auf dem Bett gesessen. Als der 36-Jährige sie plötzlich umarmen wollte, habe sie nur noch zwei rote Lichtpunkte wahrgenommen und dann einen Schlag gespürt. "Dann hat er mich am Bein gepackt und auf den Boden gezogen", sagte die 29-Jährige. Mit dem Knie habe er sie fixiert, sie geschlagen, beschimpft, den Mund zugehalten und ihre Hose ausgezogen. "Er hat gedroht, meinen Freund abzustechen und mich an den Haaren durch seine Blutlache zu ziehen."

Der Kronacher habe sich anschließend noch bis in die Morgenstunden in ihrer Wohnung aufgehalten, seine Stimmung habe dabei zwischen fürsorglich und aggressiv gewechselt. Bereits früher habe er in der Beziehung zu starken Stimmungsschwankungen geneigt. Schürfwunden und ein blaues Auge habe die Zeugin bei dem Angriff erlitten. Die Schläge stammten auch von einem Elektroschocker. Der Angeklagte hatte in seiner Aussage jedoch behauptet, für das Gerät nicht einmal ein Aufladekabel zu besitzen. Der Elektroschocker sei nie funktionsfähig gewesen.

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Nach dem Angriff zog sie für mehrere Tage zu einer Freundin. "Ich hatte Angst, dass er zurückkommt", erzählte die 29-Jährige. "Ich habe noch heute Angst." Erst zwei Monate später erstattete sie bei der Polizei Anzeige. Der Angeklagte befand sich zu diesem Zeitpunkt wegen des Verdachts auf versuchte Vergewaltigung in Untersuchungshaft. Solange er auf freiem Fuß war, habe sie diesen Schritt nicht gewagt. Der Polizeibeamte, der damals ihre Aussage protokolliert hatte, gab am Montag an, dass die Frau während der Vernehmung sehr ängstlich, aber glaubwürdig gewesen sei.

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Eigentlich hatte die Zeugin im Vorfeld erklärt, aus Angst vor dem Angeklagten nicht zu einer Aussage fähig zu sein. Die Kammer stellte ihr daher einen Zeugenbeistand zur Seite. Doch mehrere Widersprüche in ihrer Aussage riefen bei der Richterin und den Verteidigern Zweifel an der Glaubwürdigkeit hervor. Die Aussage einer Freundin der Frau belastete sie nur noch mehr. Ihr seien außer dem blauen Auge nach dem Vorfall nämlich keine weiteren Verletzungen aufgefallen. Zudem habe die 29-Jährige vor der Vernehmung das Gespräch zu ihr gesucht. Für Verteidiger Till Wagler ein Hinweis darauf, dass sie ihre Aussagen abstimmen wollte. Besonders dubios blieb für das Gericht, dass die Frau nach dem Angriff weiterhin Kontakt zum Angeklagten suchte.

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Versuchte Vergewaltigung in Kronach: Die Vorgeschichte zum Prozess

Am 5. Juli 2018 soll eine 18-Jährige auf dem Weg zur Arbeit auf dem Landesgartenschaugelände in Kronach von einem Mann angegriffen und zusammengeschlagen worden sein. Parallel zu dieser Tat ist der 36-Jährige wegen Körperverletzung und Drogenhandel angeklagt. Die Verhandlung wird am Mittwoch fortgesetzt, das Urteil soll Anfang Mai fallen.

 

 

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