Ludwigsstadt
Krankheit

Amerikanische Faulbrut im Kreis Kronach: Sorge um die Bienen in Ludwigsstadt

Das Veterinäramt Kronach hat in einem Bienenstand in Ludwigsstadt die Amerikanische Faulbrut festgestellt. Für die Imker ist das ein Fiasko.
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In den Bruträumen der Bienenstöcke kann sich die Faulbrut ausbreiten. Foto: Franziska Rieger/Archiv
In den Bruträumen der Bienenstöcke kann sich die Faulbrut ausbreiten. Foto: Franziska Rieger/Archiv

In Ludwigsstadt ist die Bienenseuche, die sogenannte Amerikanische Faulbrut, ausgebrochen. Vor zwei Wochen hat das Veterinäramt Kronach die Seuche an einem Bienenstand in Ludwigsstadt nachgewiesen. Damit die Seuche nicht verschleppt wird, hat die Behörde um den betroffenen Bienenstand einen Sperrbezirk mit zwei Kilometern Umfang eingerichtet. Für Menschen ist die Faulbrut ungefährlich.

Die Seuche sei im Zuge einer freiwilligen Untersuchung entdeckt worden, berichtet Markus Heckel, Sachgebietsleiter des Veterinäramtes Kronach. "Die Faulbrut ist eine anzeigepflichtige Erkrankung", sagt Heckel. Bei dem betroffenen Imker handele es sich um einen Jung-Imker, der nur einen Bienenstock hatte.

Jetzt gelte es, Schadensbegrenzung zu betreiben. "Wir müssen untersuchen, ob sich noch in anderen Bienenständen die Faulbrut eingenistet hat", sagt Heckel. Dazu werden Futterkranzproben entnommen und vom Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit untersucht. Die Ergebnisse für die Proben liegen noch nicht vor. Rund zehn bis zwölf Imker seien von dem Sperrbezirk betroffen.

Verseuchtes Volk getötet

Der könne erst wieder aufgehoben werden, wenn alle Bienenvölker überprüft wurden. Wann das ist, sei bisher noch nicht abzusehen. "Die Grundvoraussetzung ist, dass das ursprünglich betroffene Bienenvolk nicht mehr existiert", sagt Heckel. Das verseuchte Volk wurde abgeschwefelt (siehe Infokasten).

Die Imker im betroffenen Sperrbezirk wurden mit der Nachricht von der Amerikanischen Faulbrut hart getroffen. "Die Imker sind im Moment natürlich geschockt", sagt Hans Jorda, der Vorsitzende des Kreisverbandes Frankenwald. 41 Jahre ist er schon Imker, 18 Bienenvölker besitzt er in Ludwigsstadt. An einen Fall von Faulbrut in Ludwigsstadt kann er sich nicht erinnern.

Die importierte Gefahr

Das Tückische an der Seuche: "Schützen kann man sich davor überhaupt nicht", weiß der Imker. Das Problem: Rund 80 Prozent des in Deutschland konsumierten Honigs seien aus dem Ausland importiert, oft seien darin Sporen des Faulbrut-Bakteriums enthalten.

Dieser Honig kann für umherfliegende Bienen zur Gefahr werden, etwa wenn Gläser mit Honigresten im Freien stehen und die Bienen davon naschen. Zur Gefahrenquelle können auch Altglascontainer werden, wenn darin ungespülte Gläser mit Honigresten liegen, die mit Sporen der Faulbrut verseucht sein können. Ebenso können Bienenschwärme, die nicht eingefangen wurden, zur Gefahr werden. "Da weiß man nicht, welche Erkrankungen bei denen vorhanden sind", meint Jorda.

Etwas können Imker dann aber doch tun, um ihre Bienen vor Krankheiten wie der Faulbrut zu schützen, sagt Jorda: "Es dürfen keine Bienen ohne Gesundheitszeugnis gekauft werden. Das ist das A und O." Dieses Wissen möchte der Verein seinen Jung-Imkern vermitteln.

"Das Problem ist, dass es immer mehr Jung-Imker gibt, denen das nötige Fachwissen fehlt", sagt Jorda. Dem möchte man im Kreisverband Frankenwald entgegnen: Das erste Volk werde den Jung-Imkern vom Verein zur Verfügung gestellt. Außerdem bekommen die Jung-Imker einen Betreuer zur Seite gestellt, der sie unterstützt.

"Wenn Bienen schreien würden..."

Geht es um das Wohl der Bienen, sieht Barbara Bartsch, staatliche Fachberaterin für Bienenzucht im Regierungsbezirk Oberfranken, vor allem die Imker selbst in der Verantwortung. Ein Problem, das sie oft beobachte: "Viele fangen mit dem Imkern an, aber haben keine Ahnung", sagt Bartsch.

Erst am Wochenende habe sie einen Anfängerkurs gehalten, zu dem sich 90 Teilnehmer angemeldet haben. "Aber danach ist noch weitere Hilfe nötig", betont die Fachberaterin. Besonders wichtig sei der Austausch mit erfahrenen Imkern.

Wenn die erste Begeisterung abflaut, würden viele Jung-Imker die Lust am Bienen-Hobby verlieren, die Arbeit wächst ihnen über den Kopf. "Mir ist ein Imker lieber, der merkt, dass es eine Riesen-Arbeit ist", sagt Bartsch. Deshalb ihre Meinung: Lieber gar nicht imkern, als falsch imkern. Schließlich können sich die Bienen nicht wehren. "Wenn Bienen schreien würden, dann würden viel weniger sterben."

Außerdem sollte ein Imker immer wieder an Fortbildungen teilnehmen, um sein Wissen aufzufrischen. Unterstützung für Neu-Imker gebe es beispielsweise durch Imkerpaten. Um einen Imkerpaten zu bekommen, muss der Jungimker nicht einmal Mitglied in einem Verein sein. Der Pate bekomme für seine Aufgabe sogar eine kleine finanzielle Entschädigung.

So vorbildlich gehe es aber nicht in allen Vereinen zu. Aus manchen Vereinen außerhalb des Kreises Kronachs habe Bartsch aber auch schon Gegenläufiges gehört: "Nicht alle Vereine wollen Jungimker, weil die Altimker sie als Konkurrenz sehen." fr

Die Bienenseuche Amerikanische Faulbrut

Auslöser Ausgelöst wird die Faulbrut durch ein Bakterium. Dieses befällt ausschließlich die Bienenbrut, die abstirbt. Erwachsene Bienen können nicht an der Seuche erkranken, sie verbreiten die Sporen in ihrem Haarkleid oder über das Futter.

Streichholz-Test Ein Streichholz wird in eine verdächtig erscheinende und kurz vorher geöffnete Brutzelle bis auf den Zellengrund geschoben. Eine Bienenseuche liegt vor, wenn ein schleimiger Faden herausgezogen wird und keine Larvenhaut mehr zu erkennen ist. Manchmal stinkt die Zelle.

Schwefeln Ist ein Bienenvolk befallen, hat der Imker zwei Handlungsmöglichkeiten. Der Imker kann den Bienenstock komplett abschwefeln, dann stirbt auch das Bienenvolk. Alle Geräte, die mit den verseuchten Bienen in Kontakt waren, müssen desinfiziert werden.

Kellerhaft Eine Alternative zum Schwefeln ist die Kellerhaft. Die Tiere müssen so lange in einem dunklen Raum bleiben, bis sich ihr Darm entleert hat. Die Brut wird aus dem Bienenstock entnommen, ebenso Futterkränze und Waben. Der Bienenstock wird gereinigt. Nach drei Tagen dürfen die Bienen wieder in den Stock ziehen.

Quelle: Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft u. Forsten fr



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