Kronach
Sanierung

Altem Haus in Kronach neues Leben einhauchen

Das Gebäude "Auf der Schütt 1" befindet sich in keinem guten Zustand. Mirco Iuliano hat dennoch große Pläne dafür.
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Das Eckhaus "Auf der Schütt 1" soll bald hergerichtet und als Eingangstor zur Oberen Stadt einer neuen Nutzung zugeführt werden. Foto: Marco Meißner
Das Eckhaus "Auf der Schütt 1" soll bald hergerichtet und als Eingangstor zur Oberen Stadt einer neuen Nutzung zugeführt werden. Foto: Marco Meißner
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Was ihn an diesem Haus so stark angesprochen hat, kann Mirco Iuliano heute noch nicht genau erklären. Er hatte sich viele Gebäude angeschaut, aber "Auf der Schütt 1" ist er hängen geblieben. "Es war eine Gefühlssache", blickt er zurück. Seit wenigen Tagen ist der junge Gastronom Besitzer des alten, arg sanierungsbedürftigen Hauses gegenüber vom "Scharfen Eck". In spätestens einem Jahr möchte er es nutzen.

Mirco Iuliano betreibt gemeinsam mit seinem Vater Marcello das Kronacher Restaurant "Mamma Piera". Immer wieder waren über die Jahre ihre Namen aufgetaucht, wenn über gastronomische Leerstände in der Kreisstadt diskutiert wurde. "Manchmal hatten wir uns die Objekte tatsächlich angeschaut, manchmal waren es aber bloß Gerüchte", erinnert er sich an die Spekulationen über die mögliche Erweiterung ihres Restaurantbetriebs.

Schon vor gut einem Jahr war ihm das alte Haus auf der Schütt ins Auge gefallen. "Mir war damals noch nicht klar, was darin entstehen könnte, aber mich hat einfach die Lage gereizt." Direkt am Eingangstor zur Oberen Stadt und gegenüber dem Melchior-Otto-Platz.

Zunächst wollten die auswärtigen Besitzer das zwischenzeitlich leerstehende Gebäude nicht verkaufen, einige Monate später war es dann doch soweit. Am Ende bekamen die Iulianos den Zuschlag.

Jetzt wollen Vater und Sohn das Haus herausputzen und so auch im Ensemble der Oberen Stadt wieder einen Hingucker schaffen. Eine Aufgabe, die nicht leicht wird. "Auf der einen Seite war ich geschockt", schildert Mirco Iuliano seine ersten Eindrücke. "Was wir vorgefunden haben, war nicht schön. Im gesamten Gebäude muss eine Kernsanierung vorgenommen werden." Doch da habe es noch die andere Seite gegeben. "Das Haus hat Charme." Der war für ihn letztlich unwiderstehlich.

Kronach hat Potenzial

Man müsse mutig sein, ist er überzeugt von seinem Weg, ein ehrgeiziges Projekt in der Oberen Stadt meistern zu können. "Ich habe da auch keine Angst", erzählt er weiter. "Es ist mehr eine Spannung. Man freut sich drauf." Kronach sei eine äußerst attraktive Kleinstadt, die Potenzial habe. Jetzt gehe es nur darum, die Leute für etwas Neues zu gewinnen. Doch in den vergangenen Jahren seien die Frankenwälder viel aufgeschlossener geworden, ist sein Eindruck.

Die notwendigen Behördengänge für die Sanierung - unter anderem wegen des Denkmalschutzes - sind bereits absolviert. Die Bauarbeiter stehen in den Startlöchern. Klappt alles nach Plan, können die Arbeiten vielleicht schon in der nächsten Woche beginnen.

Gut gehütetes Geheimnis

Was am Ende dabei herauskommen wird, weiß Mirco Iuliano inzwischen schon sehr genau. Im ersten Stock werden zwei Wohnungen entstehen, verrät der junge Gastronom. Was sich darunter tun wird, bleibt allerdings noch ein streng gehütetes Geheimnis.

"Mir schwebt ein Novum in Bayern vor. Dass es ein gastronomisches Projekt wird, steht dabei natürlich außer Frage", erzählt Mirco Iuliano. Sicher werde er nicht die x-te Pizzeria in Kronach eröffnen, verspricht er. Und beim Betrieb im Restaurant "Mamma Piera" soll es durch sein Vorhaben keinerlei Abstriche geben. Es soll einfach etwas Zusätzliches und Besonderes entstehen.

Dass dieses neue Angebot in der gastronomisch gut bestückten Oberen Stadt am Ende untergehen wird, befürchtet er nicht. Das liegt alleine schon an der viel gelobten Lage. "Wer in die Obere Stadt kommt, kann gar nicht an diesem Haus vorbeifahren", sagt er schmunzelnd.

In der Stadtverwaltung wird der Entwicklung bei den Leerständen ein großes Augenmerk gewidmet. Dass sich gerade "Auf der Schütt" etwas tut, freut Stadtplaner Daniel Gerber besonders.

"Es ist ein ganz wichtiges Gebäude", stellt er fest. Wenn man die Strau hochfahre und am Scharfen Eck ankomme, stehe der Betrachter direkt vor diesem Haus, das damit so etwas wie ein Aushängeschild für die Obere Stadt sei. "Wenn da ein Leerstand beseitigt wird, dann ist das etwas ganz Wichtiges."

Das Gebäude selbst stammt Gerbers Unterlagen zufolge wohl aus dem 17. oder 18. Jahrhundert. An seinem "markanten Standort" sei es sowohl Einzelbaudenkmal als auch ein Teil des Ensembles.

Georg Köstner, in der Stadtverwaltung für das Leerstandsmanagement zuständig, freut sich ebenfalls über das Vorhaben von Mirco Iuliano. Die Stadt könne sich an diesem Punkt sehr gut eine gastronomische Nutzung vorstellen. "Wer in die Obere Stadt reinfährt, muss an diesem Haus vorbei", betont er, wie wichtig dieser Lückenschluss sei. Gerade im Hinblick auf die Events wie die Festspiele oder "Kronach leuchtet" im Umfeld sei das Vorhaben des Gastronomen als Bereicherung für die Altstadt zu sehen.

Die Stadt selbst habe sich im Vorfeld des Verkaufs nach Kräften mit eingebracht, um den Leerstand zu beheben. Das gelte auch für andere Fälle.

Deshalb freut sich Köstner, in der Parallelstraße ebenfalls eine gute Entwicklung feststellen zu können. Dort werde seit geraumer Zeit die Sanierung des Gebäudes in der Amtsgerichtsstraße 14/16 vorangetrieben. Aktuell würden schon die gewerblichen Einheiten angeboten.

Für eine davon gibt es Überlegungen, ob sich dort ein Tante-Emma-Laden rentieren würde (der FT berichtete). Die Stadt brachte sich hierbei mit einer Umfrage ein, deren Ergebnis vor Kurzem an den Besitzer weitergeleitet werden konnte. Köstner berichtet, dass sich die Menschen aus dem Umfeld demnach am meisten einen Laden mit Lebensmitteln wünschen würden. Auch Backwaren seien gefordert worden. Daneben gab es auch Stimmen, die sich Hygiene- und Drogerieartikel oder Zeitschriften von einem solchen Geschäft wünschten. Insgesamt beurteilt Köstner die aktuelle Entwicklung in der Oberen Stadt als "ganz gut". Etwas mehr Probleme sieht er bei der Situation der gewerblichen Räume im Bereich der unteren Stadt.

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