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Geschwend
Geschichte

Als das Bier zum Zankapfel wurde

Lange Zeit waren die Kronacher vom Bischof privilegiert: Sie durften Bier brauen und verkaufen, die Landbevölkerung jedoch nicht.
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Morgenstimmung in Geschwend im romantischen Kremnitztal. Foto: Roland Graf, gemalt von Hala
Morgenstimmung in Geschwend im romantischen Kremnitztal. Foto: Roland Graf, gemalt von Hala
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Über Jahrhunderte hinweg verursachte ein städtisches Privileg immer wieder heftige Streitigkeiten und Auseinandersetzungen zwischen den Kronachern und der Landbevölkerung. Es war das vom Bamberger Bischof erlassene Bierprivileg, welches besagte, dass jeder Kronacher Bürger das Recht habe, Bier zu brauen und es zu "verzapfen", d. h. auszuschenken oder zu verkaufen. Allen Untertanen in den Dörfern der Hauptmannschaft hingegen war, mit wenigen Ausnahmen, das Brauen strengstens untersagt.

Die Landbevölkerung war somit gezwungen, ihr Bier aus Kronach zu beziehen. Wer dagegen verstieß, verfiel einer heftigen Strafe. Die Landbevölkerung sprach deshalb von der "Kronacher Biergeißel". Durch diese Regelung kamen die Stadt Kronach und der Bischof in den Genuss der Biersteuer, auch Ungeld oder Umgeld genannt. Im Gegensatz dazu hatten die markgräfischen Dörfer, zum Beispiel Hesselbach, ihr eigenes Braurecht und waren von dieser Anordnung nicht betroffen. Jedoch durften sie kein Bier in die Hauptmannschaft Kronach verkaufen.

Heimlich verkauft

Streng kontrollierten die Kronacher das Braurecht und den Bierverkauf, was bis in den letzten Bauernhof, besser gesagt, bis in die letzte Wustung erfolgte. Unter einer Wustung versteht man ein Einödgehöft mit umliegender, blockförmiger Flur.

Als den Kronachern zu Ohren kam, dass in den Wustungen Geschwend und Grümpel gebraut werde und diese heimlich ihr Bier an die Bewohner der Hauptmannschaft verkauften, kam es am 22. Juni 1644 zu einer Zeugenbefragung in der Vogtei in Kronach über das Braurecht in den Wustungen. Geschwend und Grümpel gehörten in der damaligen Zeit zum Rittergut Hesselbach, das seit 1610 dem Markgrafentum anheimgefallen war. Das markgräfische Hesselbach mit seinen Wustungen war somit für die Kronacher biersteuerliches "Ausland".

Erlaubnis vom Junker

Interessant gestalten sich die Zeugenaussagen. Der Zeuge Martin Weber von Hesselbach, Bamberger Untertan, seines Alters 60 Jahre, sagt bei Erinnerung seiner Pflicht, wie ihm gut wissend, dass die Hesselbacher zu brauen berechtigt sind. Sie dürfen aber keine Maß Bier hinaus verkaufen. Die Wustungen jedoch hätten keinerlei Recht zu brauen, jedoch vor ungefähr einem Jahr habe ihnen der Junker Christian Joachim von Varell das Brauen erlaubt.

Als die Gemeinde Hesselbach dagegen Einspruch erhob, verbot er ihnen zu sagen, dass die in der Wustung "deme 18. (Juni) gebraut hetten". Und der Zeuge fuhr fort: "Und dennoch ist es wahr, dass Heinz Fidler und Martin Wachter in Geschwend neulich gebraut hätten." Damit war die Befragung des ersten Zeugen beendet.

Auch der zweite Zeuge, der dreißigjährige Hans Müller von Hesselbach, ebenfalls ein Bamberger Untertan, bestätigt, dass die in den Wustungen kein Braurecht hätten und sie dennoch gebraut haben. Dies wisse er von seinem Vater Heinz Müller. "Sintemahlen Sie In der Haubtmannschafft herümber gelaufen Ihre Bier heimblicher weiß verpractirieret, welches die Heßelbacher Gemeind widsprochen, solches gar nicht gestatten wollen, Aber Ihr Juncker darbey geschüzet."

Ein Augenzeuge des Bierhandels

Trotz dieses Verbotes haben jedoch in den vergangenen Jahren Endres Wachter und Endres Martin in der Grümpel und Hans Fidler im Geschwend und weitere das Brauen stark betrieben und deshalb in der Gemeinde Hesselbach viel Streit gehabt.

Michel Förtsch, 30 Jahre alt, ebenfalls Bamberger Untertan und noch nicht lange in Hesselbach wohnend, sagte aus, dass er von der Gemeinde oftmals gehört habe, dass die in den Wustungen kein Braurecht hätten. Mehrmals hätte man ihnen verboten zu brauen. Er habe aber gesehen, wie er bei Heinz Fidler in Geschwend war, wo auch der Hans Hailckher von Gifting war und dieser dem Fidler einen Dukaten für abgekauftes Bier auf den Tisch gelegt hat. Auch der "Hanns Harting ufm Sattel genant" habe Bier von Heinz Fidler genommen, worauf der Fidler es diesem nach Haus "geführt" (gebracht) hat.

Bereits am 21. Juni 1644 hatte der Kronacher Stadtvogt selbst einen weiteren Zeugen verhört. Es war "Niclaus Zipfel zum Hesselbach, Margräffischer Underthan, und Fürstb. Bambergisch Casten Cronacher Lehenman seines Alters 69. Jahr." Er gibt an, dass alle Einwohner, die zum Hesselbach wohnen, das Braurecht haben, egal ob sie Markgräfische oder Bamberger Untertanen seien.

Der Wirt war dagegen

Lediglich der Wirt, der die Schenkstatt betreibt, will nicht, dass jedermann das Braurecht habe. Jedoch finde er niemanden, der ihn in seiner Ansicht unterstützt. Er habe aber niemals gehört, dass die auf den Wustungen und in Geschwend brauen dürften, was trotzdem seit etwa zwei Jahren geschehe. Seine Aussage schließt er mit der Bemerkung: "Es seye Jhme groß Wunder, dass die Stad Cronach ein solches gestade."

Ob sich nach diesen Zeugenaussagen das Bierbrauen und der Bierverkauf aus den markgräfischen Wustungen heraus verändert hat, sei bislang dahingestellt, denn es finden sich diesbezüglich keine weiteren Einträge im Protokollbuch der Stadt Kronach.

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