Kronach
Kommunalwahl

Zwei Kroaten wählen erstmals in Küps

Jozo und Murada Ivascenko sind seit über 40 Jahren in Deutschland. Am 16. März ist ihr erster Urnengang in Küps, denn als EU-Ausländer dürfen die beiden, die kroatische Pässe haben, an Kommunalwahlen in Deutschland teilnehmen.
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Jozo und Murada Ivascenko mit Familienbildern aus Kroatien. Jozo hat einen neuen Pass. Foto: Friedwald Schedel
Jozo und Murada Ivascenko mit Familienbildern aus Kroatien. Jozo hat einen neuen Pass. Foto: Friedwald Schedel
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Sie leben seit über vier Jahrzehnten in der Region, lernten sich in Kronach kennen, haben ein Anwesen in Tüschnitz, aber sie besitzen immer noch kroatische Pässe. Am 16. März dürfen sie in ihrer zweiten Heimat Deutschland erstmals wählen. Die Rede ist vom Ehepaar Ivascenko, das bis vor Kurzem eine Gastwirtschaft in Tüschnitz betrieb. Weil Kroatien nun Mitglied in der Europäischen Union ist, dürfen die Ivascenkos als EU-Ausländer an Kommunalwahlen teilnehmen. Ein entsprechendes Schreiben mit dem Antragsformular für einen Wahlschein haben sie aus dem Küpser Rathaus bereits erhalten. Jetzt werden sie im Wählerverzeichnis eingetragen.

Jozo Ivascenko, den alle Josef nennen, und seine Frau Murada haben sich schon einmal um deutsche Pässe bemüht. Das war 1991. Wegen der hohen Kosten von etwa 12.000 Euro für die fünfköpfige Familie haben sie die Einbürgerung sein lassen. Es ließ sich ja auch ohne Wahlrecht ganz gut in Deutschland leben. Einige Male hat Jozo in seiner Heimat gewählt. "Aber fast 1000 Kilometer nach Hause zu fahren, nur um wählen zu können, das war mir auf Dauer doch zu viel", sagt er. Die Fahrt in seinen Heimatort Feričanci im Osten von Kroatien hat er natürlich nicht nur wegen der Wahlen unternommen, sondern das auch mit einem Familienbesuch verbunden.


12.000 D-Mark waren zu viel

Der Kroate Jozo Ivascenko kam 1971 nach Coburg, die Bosnierin Murada 1973 nach Ebersdorf bei Ludwigsstadt. Beide hatten damals jugoslawische Pässe. In Kronach, in einer Kneipe in der Nähe des alten Arbeitsamts, haben sich die beiden kennen gelernt und später in Kronach geheiratet. Beide wohnten in ihrer Jugend im ehemaligen Jugoslawien etwa 180 Kilometer voneinander entfernt, er in Feričanci, jetzt Kroatien, sie in Novi Šeher, jetzt Bosnien-Herzegowina. Ihre drei Kinder sind in Deutschland geboren, haben aber die kroatische Staatsbürgerschaft, ebenso wie Murada Ivascenko.

1991 hatte die Familie noch die jugoslawische Staatsbürgerschaft. Aber die wollte man nach so vielen Jahren in der Wahlheimat Deutschland ablegen. Die Einbürgerung nach Deutschland hätte immerhin 510 D-Mark pro Nase gekostet, aber die Ausbürgerung aus Jugoslawien als Voraussetzung dazu hätte pro Familienmitglied nach Aussagen von Josef Ivascenko etwa 2400 D-Mark gekostet. Die Ausgaben von insgesamt etwa 12.000 D-Mark waren der fünfköpfigen Familie dann doch etwas zu viel. Statt dessen leisteten sich die Ivascenkos für das gleiche Geld eine USA-Rundreise. Murada schwärmt noch immer von den traumhaften Erlebnissen im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Ihre Augen leuchten und man sieht ihr an, dass sie noch immer von diesem Urlaub zehrt.


Ein Ford Capri als Ausreisegrund

Wie kamen die beiden eigentlich nach Deutschland? Jozo lächelt verschmitzt. Er war von Beruf Maurer. Eines Tages sah er in seinem Heimatort Feričanci einen Italiener in einem Ford Capri vorbeiflitzen. Er war begeistert. Ein solches Auto wollte er auch. In Jugoslawien war an den Kauf eines Capri nicht zu denken. Also ging er nach Deutschland, um dort als Maurer so viel Geld zu verdienen, dass er sich einen Ford Capri kaufen konnte. Jozo schätzte, dass das zwei Jahre - bis 1973 - dauern würde. Den flotten Wagen hat er sich gekauft, aber zurück in seinen Heimatort ist er bis jetzt nicht.

Murada hatte 1973 in Novi Šeher das Fernweh gepackt. "Alle Freundinnen waren fort. Da wollte ich auch weg", sagt sie. Vielleicht kehrt das Paar bald nach Feričanci zurück, denn Jozo hat dort ein Haus gebaut, in dem er liebend gerne seinen Lebensabend verbringen möchte. Murada zieht nicht so recht, denn sie möchte noch einige Zeit ihren Sohn Daniel, der ebenso wie seine Eltern in die Gastronomie gegangen ist, unterstützen. Wenn das Anwesen mit der Gastwirtschaft in Tüschnitz verkauft ist, dann geht Jozo sofort zurück nach Kroatien, sagt er. Murada will ihm einige Zeit später folgen.
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