Kronach
Streit

Wirbel um Abriss einer Kapelle in Kronach

Ein marodes Bauwerk neben der Kronacher Christuskirche wurde beseitigt. Darüber regt sich Kreisheimatpfleger Robert Wachter auf. Dekanin Dorothea Richter hatte das Einverständnis des Landesamtes für Denkmalpflege.
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Die ehemalige Bartholomäuskapelle im Juni 2014  Fotos: Robert Wachter
Die ehemalige Bartholomäuskapelle im Juni 2014 Fotos: Robert Wachter
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Das kleine und marode Gebäude stand neben Christuskirche und dem Neubau des evangelischen Gemeindehauses. Einst war es eine Kapelle, diente aber seit Langem nicht mehr sakralen Zwecken, wurde ehedem als Bierausschank-Pavillon genutzt. Nun ist es weg. Platt gemacht, obwohl es für eine Sanierung 90 Prozent Zuschuss gegeben hätte.

Das ärgert Kreisheimatpfleger Robert Wachter. Und noch mehr erbost er sich darüber, dass die evangelische Kirchengemeinde das in der Bayerischen Denkmalliste als Einzeldenkmal eingetragene Bauwerk in einem Willkürakt habe abreißen lassen.

Dagegen verwahrt sich Dekanin Dorothea Richter. Die ehemalige Bartholomäuskapelle habe früher einmal als Bierausschank gedient. "Deshalb nehmen wir niemand das Gebet weg. Wer beten möchte, kann in die Christuskirche nebenan gehen", schlug die Dekanin vor.


Es drohte einzustürzen

Das kleine Bauwerk sei so marode gewesen, dass es laut einem Gutachten der Statiker einzustürzen drohte. Fundament und Dach seien total kaputt. "Eine Sanierung wäre auf eine Erneuerung hinausgelaufen", war sich die Dekanin sicher. "Als die ehemalige Eigentümerfamilie hörte, wie hoch die Sanierungskosten wären, bat sie uns am Tage der Vermessung, die Grenze anders zu ziehen und das Gebäude abzureißen. Die Grundstücksgrenze ging seitdem mitten hindurch", informierte Dorothea Richter. Der Kirchenvorstand habe lange das Für und Wider eines Abrisses diskutiert und sich fast einstimmig dafür ausgesprochen.

Die Dekanin zitierte aus einem Schreiben des Landesamtes für Denkmalpflege, dass man durchaus Verständnis dafür hätte, wenn das Bauwerk im Zuge des Neubaus weichen müsse, weil es in einem derart schlechten Erhaltungszustand sei. Außerdem habe man die Zuschusshöhe von 90 Prozent nicht garantieren können. Die Sanierungskosten für den Gartenpavillon hätten laut Kostenvoranschlag 50 000 Euro betragen. "Wir haben so viel Mühe, dass wir die Eigenmittel für den Gemeindehausbau aufbringen. Da können wir nicht noch die Sanierung eines ehemaligen Bierausschanks tragen", stellte Dekanin Richter klar. Nicht nur das Landesamt für Denkmalpflege, auch der ehemalige Kreisheimatpfleger Roland Graf habe einer Beseitigung des Gebäudes zugestimmt.


90 Prozent Zuschuss

Kreisheimatpfleger Robert Wachter hätte das Ensemble lieber erhalten, allein schon wegen des Zuschusses von 90 Prozent. Denn da seien die Eigenmittel von 5000 Euro eher überschaubar.

Wachter hat Folgendes über das nun abgerissene Gebäude recherchiert: Bei der sogenannten "Bartholomäuskapelle" handelte es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um einen Gartenpavillon, in dem wohl nur zeitweise im 19. Jahrhundert eine Bartholomäusstatue aufgestellt war. Die symmetrisch zu beiden Seiten dieses Gartenpavillons in einen tieferen Gartenbereich hinabführenden Sandsteintreppen mit flankierenden Sandsteinbalustraden des 18. Jahrhunderts lassen, bzw. inzwischen ließen, den Schluss zu, dass es sich aber um einen aus dieser Epoche sehr raren und noch erhaltenen Gartenpavillon handelt/e. Im Urkatasterblatt der Stadt Kronach von 1853 ist dieser Pavillon mit seinen begleitenden und gestalteten Gartenanlagen mit den Treppen ebenfalls schon eingezeichnet.


Ein Stück Baukultur

Der Kreisheimatpfleger räumte ein, dass sich das Gebäude in einem bedauernswerten Zustand befand. Er hätte es lieber gesehen, wenn an diesem prominenten Standort neben dem neuen Gemeindehaus ein Stück Geschichte und Baukultur Kronachs bewahrt und wieder ins rechte Licht gerückt worden wäre. "Das hätte ein harmonisches Nebeneinander von Alt und Neu gegeben", war sich Robert Wachter sicher.


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