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Kronach
Partnerschaft

"Wir wollen voneinander lernen"

Die Besucher aus dem Distrikt Kaintiba in Papua Neu Guinea sind im Rahmen der Partnerschaft mit dem evangelischen Dekanat Kronach-Ludwigsstadt gekommen.
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Sie haben einen Glauben und sind doch so verschieden, wollen aber voneinander lernen (v. l., vorne): Kikingtau Amburo, Yaku Endambing, Isaiah Teta. Hinten: Pfarrer Christoph Teille und Martin Gundermann. Foto: V. Schadeck
Sie haben einen Glauben und sind doch so verschieden, wollen aber voneinander lernen (v. l., vorne): Kikingtau Amburo, Yaku Endambing, Isaiah Teta. Hinten: Pfarrer Christoph Teille und Martin Gundermann. Foto: V. Schadeck
Wenn das kein gutes Zeichen ist? Als Isaiah Teta im Landkreis Kronach weilte, gebar seine Frau eine Tochter namens Katharina. Sie trägt den Namen der Ehefrau von Martin Luther. Der Reformator ist es letztendlich auch, der die evangelischen Christen des Dekanats Kronach-Ludwigsstadt und die Besucher aus dem Distrikt Kaintiba/Papua Neu Guinea zusammenführte. Isaiah Teta ist zusammen mit Yaku Endambing und dem Gemeindeältesten, Kikingtau Amburo, bis zum 3. November in Kronach. Der Besuch findet im Rahmen einer Partnerschaft zwischen dem Dekanat Kronach-Ludwigsstadt und dem Distrikt Kaintiba sowie der sogenannten Luther-Dekaden zum Einläuten des 500-jährigen Reformationsjubiläums statt. Aktuell lautet diese: "Unsere Welt".


Sechs Stunden langer Fußweg

Seit 10. Oktober sind Isaiah Teta und seine Landsleute hier. Und sie erlebten einen Kulturschock.
In ihrem Heimatland gibt es keine Straßen, kein fließend Wasser, keine Kanalisation, keine Computer, Fernseher und keinen elektrischen Strom. Nur in der Schule sind mittlerweile ein Computer und ein Drucker vorhanden, diese funktionieren mit Autobatterien.
Die Häuser bestehen aus Holz. Es gibt keine Betten, die Bevölkerung schläft auf einem Bambusboden. Um ins nächste Dorf zu gelangen, ist ein etwa sechs Stunden langer Fußweg Normalität. Die Kirchen bestehen aus Bambushütten mit Welldächern. Als Glocken fungieren alte Gasflaschen.
In dem etwa 10 000 Einwohner zählenden Distrikt Kaintiba sind etwa 70 Prozent lutherische Christen. Das ist eine Menge, wenn man bedenkt, dass der ehemalige Pfarrer aus Burkersdorf, Hans Fink, zwischen 1963 und 1969 dort tätig war. Er war der erste westliche Missionar in diesem Gebiet.
Bei einem Gespräch am Freitagnachmittag wurde deutlich: "Es ist nur eine Welt und ein Glaube und doch sind die Menschen und Kulturen so verschieden. Wir wollen die Partnerschaft wieder aufleben lassen und voneinander lernen", erklärt Pfarrer Martin Gundermann. Und sein Weißenbrunner Kollege Christoph Teille ergänzt, dass es nicht darum gehe, dass der "reiche Westen den armen Leuten etwas überstülpt".
Die drei Christen aus Kaintiba werden viele Eindrücke mit in ihre Heimat nehmen. Sie erlebten beispielsweise einen Tag auf einem Bauernhof in Langenau, wurden dabei mit der Milchwirtschaft konfrontiert. Sie besuchten die Berufs- und Tourismusschule. Neu war für die Gäste aus dem fernen Land auch der Besuch von zwei Altenheimen und der Suppenküche. Pflegeheime gibt es in ihrer Heimat nicht. Sie erkannten aber auch, dass es in einem reichen Land wie Deutschland Armut gibt. Irritierend fanden sie die Verkehr, den Umgang mit der Zeit.
Isaiah Teta gerät ins Schwärmen: "Wir waren auch auf den Spuren von Martin Luther." Damit meint er einen Besuch auf der Veste Coburg. Dort weilte der Reformator von Mitte April bis Anfang Oktober 1530. Aufgefallen ist Isaiah Teta und seinen Landsleuten, dass nur wenig junge Menschen in der Kirche sind. Auch die Art, Gottesdienste zu feiern, der Klang der Orgel, die Art der Lieder, die relativ kurzen Predigten, alles war für sie neu. In ihrer Heimat werden die jungen Menschen von Anfang an in den Gottesdienst mit eingebunden. Dieser und auch die Predigt dauern länger und Gesang ist anders. Statt einer Orgel werden Gitarren und eine "Kuntu" (Baumstammtrommel) eingesetzt.
Bei all diesen Gegebenheiten stellt sich die Frage: Partnerschaft auf Augenhöhe? Was können eigentlich die heimischen Kirchenvertreter von so einem Distrikt lernen, wo es keinerlei Infrastrukturen gibt?

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"Der Glauben gibt ihnen Halt"

Sowohl Martin Gundermann, als auch Christoph Teille überlegten nicht lange. Ihn habe beim Besuch der Partnergemeinde 2015 beeindruckt, die große Rolle, die der Glaube im Leben dieser Menschen spiele. "Der Glauben gibt ihnen Halt." Es existiert eine Sehnsucht nach der Verkündigung des Evangeliums. So seien er und sein Kollege jeden Abend auf der Veranda gebeten worden, einen Gottesdienst zu halten. "So etwas passiert in Deutschland nie!" Er, so Christoph Teille, sei erstaunt gewesen, dass Kinder stundenlang ruhig sitzen können. Durch den Kontrast zwischen Kronach und Kaintiba sei ihm bewusst geworden, wie gut es die Christen und die Kirchenvertreter in Oberfranken haben. Wie geht es nun weiter? Wenn die Gäste aus Papua Neu Guinea abgereist sind, dann sind beide Partien festen Willens, die Partnerschaft fortzuführen. Das Dekanat sammelt auch Spenden für Kaintiba. Am Donnerstag heißt es Abschied nehmen. Der Weg führt nicht nur in die Heimat zurück, sondern auch wieder in eine andere Welt.

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