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Marktrodach
Gemeinderat

Widerstand gegen Firmenprojekt in Marktrodach

Die Anwohner der Louis-Dietrich-Straße protestieren gegen die Erweiterungspläne der Firma Joerg. In der Marktgemeinderatssitzung wurde eine Unterschriftenliste übergeben. Die Firma ist schon seit Jahrzehnten am Standort ansässig.
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Gegen die Erweiterungspläne der Unterrodacher Firma Joerg gibt es erheblichen Widerstand der Anwohner in der Louis-Dietrich-Straße.  Foto: Friedwald Schedel
Gegen die Erweiterungspläne der Unterrodacher Firma Joerg gibt es erheblichen Widerstand der Anwohner in der Louis-Dietrich-Straße. Foto: Friedwald Schedel
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Gegen die Betriebserweiterung der Firma Joerg in Unterrodach gibt es erheblichen Widerstand der Anwohner. Jessica Scholz übergab bei der Bürgerfragestunde der Marktgemeinderatssitzung am Donnerstagabend eine Unterschriftenliste mit 40 Namen von Bürgern, die sich gegen das Bauvorhaben zur Erweiterung der Firma Joerg, dem größten Gewerbesteuerzahler des Marktes, aussprachen. Sie bat um ein Zurückstellen des Bauantrags bis zur nächsten Sitzung des Marktgemeinderats am 28. Juli und um ein Gespräch zwischen Firmenleitung und Anwohnern. Dem stimmte der Marktgemeinderat einstimmig zu.

Eine Anwohnerin meinte, die Verbesserung der Arbeitsbedingungen bei der Firma Joerg könne nicht auf dem Rücken der Anwohner ausgetragen werden. "Auflagen der Behörden werden auch jetzt schon nicht eingehalten", warf sie dem Unternehmen vor.
Das Bauvorhaben liege in einem Mischgebiet mit vielen Wohnhäusern und dem Kindergarten.

Bürgermeister Norbert Gräbner (SPD) berichtete, etliche Nachbarn hätten den Plan nicht unterschrieben. Die Gemeinde habe zu vermitteln versucht und auch ein Ausweichen der Firma ins Gewerbegebiet angeboten. Das habe sich für die Firma nicht gerechnet. Wenn die Gemeinde dem Bauantrag nicht zustimme, könne das gemeindliche Einvernehmen ersetzt werden.


Klage über Lärmbelästigung

Ein Nachbar fragte, warum die Firma nicht ins Gewerbegebiet ausweiche, sondern im Mischgebiet alles zubetonieren wolle. Auch die Zufahrt durch Lastzüge sei bedenklich. Die Lärmbelästigung zwischen 6.30 und 22 Uhr sei wegen geöffneter Tore erheblich. Weil die Produktionsfläche nahezu verdoppelt werde, befürchteten die Nachbarn noch mehr Belästigungen. Auch die Gefahr für Kinder wurde zur Sprache gebracht. Man wolle in einer halbwegs vernünftigen Nachbarschaft leben.

Katja Wich von der Verwaltung informierte, dass ein Bauherr das Recht habe, dass sein Bauantrag innerhalb von zwei Monaten bearbeitet werde. Wenn der Marktgemeinderat das Einvernehmen nicht erteile, stehe er vor den Augen der Bürger gut da, aber das Landratsamt könne das Einvernehmen ersetzen.

Die Marktgemeinderäte Norbert Friedlein (SPD) und Michael Linke (FW) hatten Verständnis für die Bedenken der Bürger. Friedlein hielt besonders den Schwerlastverkehr zur Firma für bedenklich. Die Anregungen der Bürger könne man mit ans Landratsamt weitergeben, schlug Linke vor.


Pendelverkehr fällt weg

Die Firma Joerg schrieb in ihrem Bauantrag, man wolle nicht vergrößern, sondern die Produktions- und Lagerplatzsituation werde gesichert und verbessert. Auf größeren Lärmschutz werde geachtet. Der Lkw-Be- und Entladeverkehr finde in einer Einhausung statt. Der Pendelverkehr zwischen Marktrodach und Wallenfels (Lager) entfalle. Auch Sozialräume würden geschaffen.

Bereits vor zehn Jahren hatte die Firma einen Bauantrag gestellt, gegen den ein Nachbar klagte, aber mit seinem Widerstand scheiterte. Das Bauvorhaben wurde wegen der konjunkturellen Lage damals nicht weiterverfolgt. Das damals geplante Projekt wurde jetzt modifiziert neu beantragt.

"Die Firma Joerg, insbesondere in der Person des geschäftsführenden Gesellschafters Thomas Püls, hat grundsätzlich Verständnis für die Sorgen der Gemeinde und Nachbarschaft zum Ausbau des Standortes Marktrodach", schrieb die Firma Joerg auf Anfrage unserer Zeitung. "Diese Erweiterung betrifft überwiegend Lagerflächen und dient der Optimierung des Materialflusses und nicht der Erhöhung der eigentlichen Produktionskapazität", stellte Thomas Püls fest. Allerdings seien die Bedenken der Anwohner aus Sicht des Unternehmers unbegründet, da sich die Lärmbelastung des Betriebs durch den Neubau und dessen Baukonzeption, bereits gutachterlich überprüft, verringern werde. Gleichfalls verringere sich die Verkehrsbelastung in der Louis-Dietrich Straße durch einen reduzierten Pendelverkehr zum Außenlager, da dies durch den Neubau ersetzt werde.


Die Firma war zuerst da

"An dieser Stelle, sei darauf hingewiesen, dass die Verkehrsbelastung in der Louis-Dietrich Straße ohnehin durch andere Unternehmen in zunehmenden Maße angewachsen ist. Ferner gilt es festzustellen, dass unser Unternehmen vor nahezu 100 Jahren in Unterrodach gegründet wurde und seit Anfang der sechziger Jahre in der Louis-Dietrich Straße ansässig ist", informierte Püls. Zu diesem Zeitpunkt sei dieses Gebiet überwiegend gewerblich genutzt worden. Erst später seien Flächen zunehmend anderen Nutzungen zugeführt worden. "Unabhängig davon ist unser Unternehmen an einer gütlichen Einigung im Interessenausgleich mit allen betroffenen Beteiligten interessiert. Hierzu werden geeignete Maßnahmen zur Mediation der Interessenkonflikte vom Unternehmen initiiert", stellte Thomas Püls in Aussicht.


Aus dem Marktgemeinderat


Gemeindewald Bürgermeister Norbert Gräbner informierte, heuer seien 5490 Euro an Ausgaben für den Wald geplant. Dem stünden knapp 10 000 Euro an Einnahmen bei der Bewirtschaftung gegenüber.

Öffnungszeiten Die Verwaltung hat neue Öffnungszeiten: montags bis freitags 8 bis 12 Uhr, dienstags und donnerstags von 13 bis 17 Uhr.

Urnengräber Im Bereich des Kriegerdenkmals im Friedhof Unterrodach soll ein Grabfeld mit 17 Urnengräbern errichtet werden. Das soll noch im Juli erfolgen.

Sportanlage Die Grundschule Rodachtal hat nach zehn Jahren noch keine Außensportanlagen. Die sollen nun endlich errichtet werden. Deshalb fasste der Marktgemeinderat den Baudurchführungsbeschluss für die 200 000 Euro teure Maßnahme. Dafür gebe es einen stattlichen Zuschuss, betonte Bürgermeister Norbert Gräbner (SPD). Man habe eine solche Sportanlage schon vor Jahren errichten wollen. Nachdem die Teilhauptschule weggefallen sei, habe man die Pläne abspecken müssen.

Bauanträge Befürwortend weitergeleitet wurden folgende Bauanträge: Deutsche Funkturm GmbH (Ersetzen eines Stahlbetonmastes auf der Hohen Warte in Unterrodach), Andrea und Bernhard Mattes, Zeyern (Aufstockung des Wohnhausanbaus), Daniela Bernschneider, Zeyern (Errichtung von Dachgauben und Ausbau des bestehenden Dachgeschosses).

Baugebiete Der Marktgemeinderat beschloss die Satzung für den Bebauungsplan für das Baugebiet Bühl IV. Auch der Bebauungsplan für das Gesundheitszentrum in der Nähe der alten Rewe wurde weiter auf den Weg gebracht.

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