Kronach
Kunst

Welches Kunstwerk kommt in den Kronacher Südkreisel?

Drei Entwürfe hat der Kronacher Schriftsteller Ingo Cesaro inzwischen schon präsentiert, wie die Mittelinsel des Südkreisels gestaltet werden kann.
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Der Kronacher Schriftsteller Ingo Cesaro zeigt, was sich seine Freunde Horst Böhm (großes Bild) und Peter Bannert als Gestaltung für die Mittelinsel des Südkreisels haben einfallen lassen. Foto: Marian Hamacher
Der Kronacher Schriftsteller Ingo Cesaro zeigt, was sich seine Freunde Horst Böhm (großes Bild) und Peter Bannert als Gestaltung für die Mittelinsel des Südkreisels haben einfallen lassen. Foto: Marian Hamacher
Ingo Cesaro liebt Kronach - und das nicht nur, weil es sein Geburtsort ist. Neben der aufregenden Historie haben es dem Schriftsteller vor allem die kulturellen Angebote angetan. "Wenn man die auf größere Städte hochrechnen würde, müssten in München ja schon fast täglich fünf neue Galerien eröffnen", sagt er mit einem leichten Schmunzeln.

Die Festung, die Kultur, die Mentalität. Es gibt also einiges, was den 74-Jährigen an der Cranach-Stadt begeistert. Deutlich anders sieht das dagegen aus, wenn er mit dem Auto von Süden aus auf dem Weg nach Kronach ist. "Das Erste, was ich dann sehe, ist dieser hässliche Beierschoder-Turm", erzählt er. Als der Fertighaushersteller Mitte der 90er Jahre Konkurs angemeldet hatte, schlug Cesaro vor, ein riesiges Porträt von Lucas Cranach dem Älteren am Turm anzubringen - um gleich auf den großen Sohn der Stadt aufmerksam zu machen.


Mehrere Entwürfe

Nun wagt er einen neuen Anlauf und will gleich zwei Fliegen mit einer kulturellen Klappe schlagen. Denn auch von der bisherigen Gestaltung des Südkreisels ist er alles andere als hingerissen. Kein Wunder: Mehr als grüner Rasen ist an dem Kreisverkehr auch nicht zu finden. "Standartmäßig sind dort keine Einbauten vorgesehen", erklärt Jens Laußmann, Leiter der Servicestelle Kronach des Staatlichen Bauamts Bamberg. "Und im Moment schreiben wir auch nichts aus." Er wisse aber, dass "Begehrlichkeiten da sind".

Unter anderem von Cesaro. "Ich dachte einfach, dass da etwas Attraktives hin muss. Das könnte dann auch vom Turm ablenken", erzählt der Schriftsteller. Er hat gleich mehrere Entwürfe für die Gestaltung des Kreisels in der Schublade liegen. Beziehungsweise an einer Kommode lehnen.

Die Arbeit Horst Böhms, ehemaliger Professor für Malerei, Zeichnen und Grafik, der ebenfalls in Kronach wohnt, würde wohl kaum in eine Schublade passen. Bis weit über die Hüfte reicht es Cesaro, als er es zur Präsentation in die Hand nimmt. Drei große Bögen, eine Fahne und ein Floß stechen dabei als erstes ins Auge. "Ich plane mit ihm gerade eine Ausstellung, habe das Bild bei einem Besuch in seinem Atelier auf der Staffelei gesehen und dachte, dass das was für den Kreisel wäre", sagt Cesaro. Tatsächlich hatte Böhm dabei an den Südkreisel gedacht.

Die Idee des Kunstwerks: Die drei Bögen sollen Kronachs Flüsse Haßlach, Kronach und Rodach sowie gleichzeitig das Eingangstor zum Frankenwald symbolisieren. "Jeder Bogen könnte dabei aus einem anderen Material bestehen: Sandstein, Holz und Schiefer. "Das sind alles heimische Materialien und stehen für die Region", sagt Cesaro.


Gestalterische Gedanken

Böhm plane darunter zudem einen blauen Boden, damit die Assoziation zu den Gewässern leichter falle. "Aber das ist bislang nur ein Entwurf", betont Cesaro. "Ob die Bögen etwa so mächtig werden wie auf dem Bild, weiß man noch nicht."

Geht es nach Böhm, wird der Mast die Form eines Pinsels erhalten und mit der Fahne in Richtung der Festung Rosenberg zeigen. Generell sei eine Gestaltung des Kreisels in seinem Freundeskreis immer wieder Thema, so Cesaro.

Auch Peter Bannert aus Kronach und der Küpser Künstler Dieter Backert haben ihre gestalterischen Gedanken bereits zu Papier gebracht. Backert etwa setzt auf einen rostroten Quader, an dessen Spitze die Konturen der oberen Stadt herausgearbeitet sind. Auf der Vorderseite ist in weißer Farbe die "geflügelte Schlange" zu sehen - die Signatur Cranachs des Älteren. Eingerahmt von dessen Initialen "L" und "C".

Der Künstler und Designer Bannert setzt ebenfalls auf die Signatur. Für ein Unternehmen schnitt er die Schlange schon einmal aus Stahl aus und brachte sie an einer Außenfassade an. "Die könnte er sich auch aus milchigem Plexiglas vorstellen", sagt Cesaro. Durch die Sonnenstrahlen könnten sich dann "schöne Lichtspiele" ergeben: "Das wäre auch was für Kronach leuchtet."

Die Plexiglas-Schlange sei etwas, um Besucher wie Einheimische wieder neugierig auf die Cranachs und die Festung zu machen. "So etwas bleibt vielleicht im Hinterkopf und zu Hause schaut man dann nach, was es eigentlich damit auf sich hat", spekuliert Cesaro. Wie teuer es jeweils werden könnte, die Entwürfe umzusetzen, könne er nicht einschätzen. Dafür müssten die konkreteren Planungen abgewartet werden.

Ob es dazu kommt, liegt in erster Linie an der Servicestelle Kronach des Staatlichen Bauamts Bamberg. "Wir sind der Hauptakteur, da es unsere Insel ist", stellt Laußmann klar. "Meistens sind es Kommunen, die mit uns eine Verkehrsinsel errichten und auch unterhalten. Denn irgendeiner muss ja die Mittel aufbringen."

Da die Verkehrssicherheit an erster Stelle stehe, müsse jeder Vorschlag genau geprüft werden. "Die Diskussion ist noch offen", so Laußmann. "Wir initiieren Bewerbungen nicht, sind aber Gesprächspartner. Wenn es Vorschläge gibt, werden wir die prüfen." Verantwortung übernehme das Bauamt aber nicht.


Arbeiten dauern noch an

Wichtiger als Pläne für eine Gestaltung der Mittelinsel ist dem Amt derzeit vielmehr, die Bauarbeiten endlich abzuschließen. Wegen der Kanalisierungsarbeiten am Grenzbach ist die Spur in Richtung Norden noch bis Ende November gesperrt. "Der Plan ist, dass die letzten Arbeiten am Südkreisel bis Ende des Jahres abgeschlossen sind", teilt Laußmann mit.

Noch wird also wohl eine grüne Wiese das Erste sein, was Besucher von Kronach sehen - abgesehen freilich vom Beierschoder-Turm.


Humoristische Interpretation des Kreisverkehrs

In der Bütt Seit 1991 steht Wolfgang Baumann in der Bütt der Kroniche Fousanaocht. Doch nicht nur während der fünften Jahreszeit macht sich der Knellendorfer humoristische Gedanken zu lokalen Themen. Etwa zu einer möglichen Gestaltung des Südkreisels:

Tor zur Welt "Für uns als Kinder war Kronach nie das Tor zum Frankenwald. Eingeengt im geographischen Schnörpfel Bayerns, lag im Westen, Osten und Norden die damalige DDR. Für uns war Kronach stets das Tor zur Welt. Einer noch kleinen Welt. Denn wir wussten noch nicht, dass es hinter Vierzehnheiligen auf der Erdscheibe ja noch weiter geht.

Kein Rasen Diese Aussicht in die Welt sollte man nicht durch Kunstwerke versperren. Einen Wettbewerb mit Vorschlägen zur Kreiselgestaltung auszuschreiben, ist doof, wenn andernorts Schlaglöcher klaffen. Lassen Sie Gras über die Sache wachsen. Gras - nicht Rasen - das wachsen darf, mindestens bis August - und Lebensraum bietet für Käfer, Insekten und Wiesenbewohner.

Liegemulde Eine Wiese, wie sie früher einmal war, mit Sauerampfer, Glockenblumen und Margeriten, wo Bienen umherschwirren und die duftenden Blüten besuchen und bestäuben. Und wenn nach einer lauen Sommernacht in der Mitte des hohen Grases mal eine platte Liegemulde bleckt, dann wurde der Kreisel eingeweiht, er wurde zu einer Insel von Liebenden. Man spricht dann von einem Kreisverkehr."
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