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Steinbach am Wald
Porträt

Weil er den Menschen helfen kann

Seit 37 Jahren ist der Hirschfelder Conny Grünbeck für das BRK im Kreis Kronach im Rettungswagen im Einsatz.
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Hightech bis unters Dach: Als Conny Grünbeck vor fast vier Jahrzehnten seinen Job beim Bayerischen Roten Kreuz antrat, war die Anzahl an technischen Geräten noch überschaubar. Das hat sich längst verändert. Foto: privat
Hightech bis unters Dach: Als Conny Grünbeck vor fast vier Jahrzehnten seinen Job beim Bayerischen Roten Kreuz antrat, war die Anzahl an technischen Geräten noch überschaubar. Das hat sich längst verändert. Foto: privat
30 Zentimeter hoch liegt der Schnee. Für den Rettungswagen des BRK gibt es kein Weiterkommen. Die einzige Lösung: Schneeketten. "Bei Zwillingsreifen ist das aber schon ziemlich anstrengend, wenn man da am Straßenrand arbeiten muss, während der Verkehr an einem vorbeirauscht", sagt Rettungsassistent Conny Grünbeck und lächelt die Erinnerung leise hinweg. Denn solche Zeiten sind längst vorbei. "Die Krankenwagen sind nicht nur größer geworden, sondern haben sich enorm verbessert. Jetzt haben die zum Beispiel Allradantrieb." Schneeketten für die Fahrzeuge des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) gehören da selbst im nördlichsten Zipfel des Landkreises der Vergangenheit an.

Auch die Ausstattung lasse sich kaum noch vergleichen. "Damals konnte man im Grunde nur transportieren, Technik war kaum vorhanden. Bei einem Beinbruch wurde kurz geschient und dann hieß es ,ab ins Krankenhaus‘", erzählt der 58-Jährige. Seitdem sind aus den Tragen längst fahrbare Liegen geworden und ein EKG zeigt gleich an, ob es sich bei einem der vielen internistischen Notfälle tatsächlich um einen Infarkt handelt.
Zeitsprung: 1980 dominieren die britischen Rocker von Pink Floyd ganze 17 Wochen lang die deutschen Albumcharts und die gerade erst auf die Welt gekommenen Christoph Metzelder und Tim Borowski ahnen noch nichts davon, dass der Traum vieler Kinder von einer Karriere in der Fußball-Bundesliga für sie einmal Realität werden wird.

Im gleichen Jahr beginnt der gebürtige Ludwigsstadter Cornelius Grünbeck - den alle nur Conny nennen - damit, seinen Traum zu leben: Mit einer Ausbildung als Rettungssanitäter beim BRK. Eine weitere zum Rettungsassistenten folgt bald darauf. "Mein Vater war beim BRK aktiv, durch ihn bin ich daher schon früh damit in Kontakt gekommen", so Grünbeck.


Chance ergriffen

Schon als Jugendlicher nahm er so an ersten Krankentransporten teil. Der Berufswunsch entwickelte sich. "Ob auf dem Schützenfest oder einer anderen Veranstaltung: Auf dem Krankenwagen unterwegs zu sein, war schon was Besonderes", erzählt er. Beruflich zum BRK kam Grünbeck aber erst auf den Umweg einer Ausbildung als technischer Zeichner. "Als sich dann die Chance ergab, beim BRK zu arbeiten, musste ich die einfach ergreifen."
Falls es ihm nach sechs oder sieben Jahren nicht mehr gefallen hätte, wäre ein Plan B somit immer in Reichweite gewesen. "Das hatte ich in den Anfangsjahren immer im Hinterkopf", sagt er. Doch Plan A ging auf.
Zurück in die Gegenwart: 37 Jahre später hat sich - auch wenn es eher nach den 90ern klingt - die Kelly Family auf Platz 1 der Albumcharts breitgemacht. Metzelder und Borowski haben ihre Fußball-Karriere indes längst beendet.

Bei Conny Grünbeck, der inzwischen in Hirschfeld zu Hause ist, sieht das anders aus. Im Sommer wird er in sein 38. Dienstjahr beim BRK gehen. Was hilft da, sich jeden Tag aufs Neue zu motivieren? "Die Abwechslung und die Chance, anderen Menschen helfen zu können", sagt er entschieden. Hart sei es dennoch. Ein Tag, an dem einmal kein Krankentransport anstehe oder zu einem Einsatz ausgerückt werden müsse, komme so oft vor wie ein Sechser im Lotto. Aus einer 45-Stunden-Woche werde da nicht selten eine 60-Stunden-Woche.


Weniger hektisch

Doch so gerne er seinen Job auch ausübt und sich über technische Erleichterungen freut: nicht alles habe sich dadurch auch verbessert. "Das zwischenmenschliche Gespräch vom Sanitäter zum Patienten ist leider auf der Strecke geblieben", bedauert er.

Die Minuten, die er einst damit verbrachte, die Menschen auf der Trage mit Gesprächen über Gott und die Welt auf andere Gedanken zu bringen, gingen nun dafür drauf, das Notfallprotokoll zu erstellen. Generell sei es vor einigen Jahrzehnten viel ruhiger und weniger hektisch zugegangen. "Jetzt kann es vorkommen, dass ich erst nachmittags Frühstück machen kann."

Den Ausgleich für den beruflichen Stress findet der zweifache Vater- und Großvater in der Natur. Beim Wandern, Radwandern oder Bergsteigen rücken die Gedanken an zurückliegende Einsätze in den Hintergrund. "Im Alltag wird man immer wieder dran erinnert, wenn einem die ehemaligen Patienten über den Weg laufen", erzählt der 58-Jährige. "Da weiß ich gleich, wer was hatte und wo das war." Besonders markante Erlebnisse seien erfolgreiche Reanimationen. "Die erfolglosen überwiegen aber."

Meist wartet Grünbeck in der Pressiger BRK-Wache darauf, dass die Integrierte Leitstelle Coburg einen Einsatz weitergibt. Etwa 8000 kamen für die Kreise Coburg, Lichtenfels und Kronach zusammen, seitdem er beim BRK begann.

Bleibt da einer besonders in Erinnerung? "Ich habe insgesamt sechs Kinder auf die Welt gebracht", erinnert er sich. "Teilweise mit Doktor, teilweise ohne. Das war schon prägend."


Geburtshelfer

Ebenso wie eine Jahre zurückliegende Nachtschicht. 3 Uhr nachts: der Einsatz ist gerade abgeschlossen, endlich geht es zurück zur Rettungswache - da kommt schon per Funk die nächste Aufgabe. Die spärlichen Informationen: eine Frau blutet. Einsatzort ist Pressig. "Wir hatten aber keinen Hinweis darauf, dass die Frau schwanger ist", erinnert sich Grünbeck. Als kurze Zeit später der Notarzt eintrifft, ist das Baby schon seit zwei Minuten auf der Welt.

Lange hielt das Hochgefühl nicht an. Eine Stunde später geht es für eine Reanimation ins Seniorenheim. Sie bleibt erfolglos. Tag für Tag bekommen Grünbeck und seine Kollegen vor Augen geführt, wie nah Leben und Tod beieinander liegen - manchmal innerhalb von 60 Minuten.

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