Kronach
Ausstrahlung

"Weibslustiger" Abend kam an

Peggy Hoffmann, die Mundwerkerin und Mutmacherin, bot in der Kronacher Synagoge ihr Programm "Mut ist (d)eine Entscheidung".
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Mut ist auch eine Entscheidung zum Perspektivenwechsel: Peggy Hoffmann Foto: Heike Schülein
Mut ist auch eine Entscheidung zum Perspektivenwechsel: Peggy Hoffmann Foto: Heike Schülein
Liebenswürdig-charmant; aber auch ein bisschen neckisch-frech und gesegnet mit einer außergewöhnlichen Ausstrahlung: Wenn Peggy Hoffmann mit funkelnden Augen, einem herzlichen Lachen und vor allem dieser unverkennbaren Stimme ihre Geschichte(n) erzählt, könnte man ihr stundenlang zuschauen und zuhören.
Die Erzähl- und Theaterpädagogin hat eine ganz besondere Art, mit der sie bei ihren Gedankenspaziergängen alle mitnimmt - und das waren am Mittwochabend in der bis auf den letzten Platz gefüllten Synagoge sehr viele. Zahlreiche Frauen jedes Alters und auch etwa eine Handvoll "mutiger" Männer ließen es sich - auf Einladung der Gleichstellungsstelle des Landkreises Kronach und des KAB-Kreisverbands Kronach-Hof - am Internationalen Frauentag so richtig gut gehen und verbrachten einen heiter-vergnüglichen Abend, bei dem es einiges zu lernen, aber noch mehr zu lachen gab. Wie springe ich über meinen eigenen Schatten? Wie treffe ich leichter gute Entscheidungen? Wie vertraue ich meinen Entscheidungen?
Und was ist überhaupt Mut? So wenig wie die Veranstaltung "Mut ist (d)eine Entscheidung" in ein bestimmtes Klischee - Vortrag, praxisorientierte Tipps für den Alltag, Erzählstunde - passte, so verhält es sich auch mit ihrer Protagonistin: Peggy Hoffmann, die Tochter eines Hamburger Seemanns, die eine steile Karriere machte und sich dann doch zurück auf ihre Wurzeln und ihren eigentlichen Berufswunsch besann, lässt sich auch nicht so ohne weiteres "einordnen". "Mut ist (d)eine Entscheidung" - dass sie mutig war, bewies Peggy Hoffmann gleich mit ihrer ersten Aussage: "Ich muss gestehen, dass ich gerne in Coburg wohne." Minuspunkte brauchte sie deshalb nicht zu befürchten, denn die Mundwerkerin ist so sympathisch, dass ihr die Kronacher sogar diesen "Makel" nachsahen.
Als Buddhistin sei sie, so Hoffmann, eigentlich eine ärgerlose Frau. Etwas fuchse sie dann aber doch, nämlich wenn sich Frauen mit all ihren Begabungen, Talenten und Erfahrungen - sprich ihrem ganzen Potenzial - nicht selbst wertschätzten. Sie selbst könne ein Lied davon singen. "Es gab eine Zeit in meinem Leben, in der ich arbeitslos war, krank, teilweise auch perspektivlos, alleinerziehend und mit vielem Schulden: Das gesamte Paket und noch mehr", blickte die Mutter zweier Kinder im Alter von zehn und 26 Jahren auf diesen Wendepunkt in ihrem Leben zurück. Aufgewachsen ist die nunmehr in Oberfranken und Thüringen tätige Erzählkünstlerin und Theaterpädagogin in Hamburg mit vielen Geschichten von der Seefahrt und aus der Kindheit ihrer Großmutter. Nachdem ihr Vater ihren Berufswunsch, die Schauspielerei, nicht guthieß, war die ausgebildete Fremdsprachenkorrespondentin im Finanzbereich tätig. Dort machte sie sehr früh sehr schnell Karriere. Ein gesundheitlicher Zwangsstopp bewog sie zur Rückbesinnung auf ihre Talente. Seit 2009 ist sie in Coburg heimisch, wo sie 2010 die Coburger Erzähltage ins Leben gerufen hat.


"Es sind 10-Minuten-Methoden"

Geholfen hätten ihr auf diesem Weg kleine schriftliche Mut-Mach-Methoden. Diese im Künstlercoaching bewährten Methoden führten dazu, selbstständig und schnell die eigenen Widerstände zu lösen. "Es sind 10-Minuten-Methoden, die mit Lust und Spaß die eigenen nächsten Schritte für mehr Mut eröffnen", so die Mutmacherin. Dazu müsse man zunächst einmal wissen, was Mut überhaupt bedeutet. Eine Definition ist nicht so einfach. "Mut bedeutet, dass man sich traut und fähig ist, etwas zu wagen, das heißt, sich in eine gefahrenhaltige, mit Unsicherheiten verbundene Situation zu begeben", so heißt es beispielsweise in einem Deutschen Wörterbuch. Bei Hoffmann hört sich das so an: "Mut ist, wenn ein Mann nur in einer Badehose in die Oper geht. Übermut ist, wenn er an der Garderobe fragt, ob er die Hose abgeben kann. Und Schlagfertigkeit ist, wenn die Garderobenfrau ihn fragt, ob er seinen Knirps nicht auch hinterlegen möchte."
"Mut ist eine Entscheidung, eine Sichtweise - eine Entscheidung zum Ziel, Perspektivenwechsel, zur Klarheit, für mein eigenes Gleichgewicht, für ein bewegtes Handeln", erklärte die Erzählkünstlerin - und Mut habe viel mit "Gemüt" zu tun. Mut sei, über den eigenen Schatten zu springen, etwas auszuprobieren, anders als "normal" zu reagieren, eine Herzensentscheidung, Stärke - aber auch gefährlich, unbequem, anstrengend, ungewiss und verunsichernd. Mut habe eben wie alles im Leben zwei Seiten - so wie auch in einer schriftlichen Mutmach-Methode, die ihr sehr geholfen habe: Ein Blatt Papier wird in der Mitte senkrecht mit einem Strich getrennt. Auf der einen Hälfte schreibt man mit Spiegelstrichen die Dinge, die einem vom Tun abhalten, beziehungsweise eigene negative Eigenschaften auf. Dann überlegt man sich den positiven Aspekt dieser vermeintlich negativen Eigenschaft. So wird beispielsweise aus ungeduldig - schnelles Agieren, aus aufbrausend - kraftvoll oder aus impulsiv - schnell auffassungsfähig. Zwischen verschiedenen Mutmach-Methoden, die die Gäste auch als Handreichung mit nach Hause bekamen, gab es an dem Abend viele lustige Anekdoten und natürlich Erzählkunst vom Feinsten.

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