Zeyern
Umgehung

Wegen Zeyern wollen alle weiter verhandeln

Der DJK/SV Zeyern/Roßlach ruft zu Gesprächen wegen seiner Flächen und Gebäude im Bereich der geplanten Ortsumgehung auf. Einen Dialog soll es geben - aber die Vorzeichen haben sich geändert.
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Die Gespräche über das Sportgelände in Zeyern sollen wieder aufgenommen werden. Foto: FT-Archiv
Die Gespräche über das Sportgelände in Zeyern sollen wieder aufgenommen werden. Foto: FT-Archiv
Es wird in absehbarer Zeit Gespräche mit dem DJK/SV Zeyern-Roßlach über dessen Sportstätte geben, das macht Uwe Zeuschel klar. Den Worten des Bereichsleiters Straßenbau am Staatlichen Bauamt Bamberg ist aber auch deutlich zu entnehmen, dass die Vereinsverantwortlichen ihre Erwartungen nicht zu hoch schrauben sollten, wenn es um einen Ausgleich für die DJK-Flächen geht, die für den Bau der Ortsumgehung Zeyern benötigt werden. Und er versichert: "Es wird ein Angebot geben - aber mit Sicherheit nicht über dem Niveau, das bisher im Raum stand." Damit reagiert er auf eine Stellungnahme des Vereins gegenüber Vertretern der Politik.

In einem siebenseitigen Schreiben plus Kartenmaterial über die Geschehnisse seit 2011 hatte sich der Vorstand des Sportvereins dieser Tage an MdB Hans Michelbach, MdL Jürgen Baumgärtner sowie Landrat Oswald Marr gewandt.
Außerdem setzten sich Vorsitzender Kurt Piwonski, Zweiter Vorsitzender Mario Horka und Hauptkassierer Martin Engelhard darin auch mit der Berichterstattung in den heimischen Tageszeitungen zum Umgehungsbau auseinander.

Die DJK-Verantwortlichen übten vor allem Kritik am Staatlichen Bauamt, dass es seit Ende 2013 keine Grunderwerbsverhandlungen mehr mit dem Verein gegeben habe. "Wir sind nach wie vor bereit, Grunderwerbsverhandlungen mit dem Staatlichen Bauamt Bamberg im Hinblick auf die sich in unserem Besitz befindlichen Flächen des Sportplatzes, über welche die Ortsumgehung Zeyern geführt werden soll, zu führen", heißt es in dem Schreiben. Grundlage dafür solle jedoch ein konkretes Angebot sein, das die Existenz des Vereins sichere. Ein Ersatzspielfeld, eine mögliche Verlegung des Sportheims mit Parkplätzen und Flutlichtanlage sowie eine gesicherte Zufahrt - das stellt sich der DJK-Vorstand darunter vor.


Kritik am Amt

Weiterhin kritisiert das Trio die "erstaunlichen Methoden des Staatlichen Bauamtes". Damit bezieht man sich auf eine Nutzungsvereinbarung, welche die Vereinsverantwortlichen für den Sportplatz unterzeichnen sollen. Bis dato durften sie das Gelände unbürokratisch für den Spielbetrieb verwenden.

Uwe Zeuschel stellt klar, dass dies nur ein Entgegenkommen des Staatlichen Bauamtes gewesen sei, um dessen Grund und Boden es sich handle. Die Behörde brauche nun aber eine Nutzungsvereinbarung, schon für den Fall, dass beim Fußballspielen auf diesem Gelände etwas passiere. Für diese Vorgehensweise erhofft sich der Bereichsleiter ebenso Verständnis wie für den späteren Zeitpunkt der Verhandlungen über die Vereinsgrundstücke (schätzungsweise Ende 2015 oder Anfang 2016).

Momentan gilt das Augenmerk bei den Verhandlungen anderen "Baustellen". Naturschutzrechtlich relevante Flächen und Bereiche, in denen Untersuchungen wegen möglicher Bodendenkmäler vorgenommen werden müssen sowie die Flächen für die Rodachbrücke und die Brücke im Bereich der Gemeindeverbindungsstraße nach Roßlach haben Vorrang.


Die weiteren Schritte

Danach soll es mit den anderen Grundstückseigentümern Stück für Stück weitergehen - auch mit dem Sportverein. Insgesamt wird "unter Volldampf versucht, die Verhandlungen fortzusetzen", und bei den bisherigen Grundstücken "kommen wir gut voran", so Zeuschel.

Er will bei den Grundstücksverhandlungen mit der DJK mit Oswald Marr einen politischen Vertreter ins Boot holen. Der Landrat nehme hier eine besondere Stellung ein, da er nicht als Politiker, sondern in seiner Funktion als Vertreter des Landratsamtes agiere. Ob es Sinn mache, die Abgeordneten in "eigentlich intime Gespräche" einzubinden, müsse der Grundstückseigentümer für sich entscheiden.

Die DJK-Vertreter hätten dies gerne. Und Jürgen Baumgärtner sagte am Dienstag auf unsere Nachfrage zu: "Reden ist immer gut." Deshalb würden Michelbach und er diesem Wunsch zu einem Gespräch im September nachkommen. Man werde alles auf Punkt und Komma prüfen. Es solle auch keine Verlierer bei der Einigung geben, sondern eine vernünftige Lösung für alle.


Lange auf Gespräche gewartet

Was sich im ersten Moment überaus positiv für den Sportverein anhört, rückt Baumgärtner dann jedoch gerade. "Ich hätte mir diese Gespräche bereits vor zwei Jahren gewünscht", betont der Landtagsabgeordnete. Jetzt, nachdem die Ortsumgehung Zeyern durchgeboxt worden sei, werde der Dialog gefordert. Als man noch auf Augenhöhe verhandelt und die Zukunft der Umgehung auf der Kippe gestanden habe, habe der damalige Vereinsvorsitzende kein Interesse daran gezeigt.

Damals habe man sich für die Realisierung weit aus dem Fenster gelehnt, sei dem Verein sehr entgegengekommen, erklärt Baumgärtner mit Blick auf eine im FT genannte Zahl, die von den Vereinsvertretern in ihrem Schreiben allerdings verneint wurde - ein Entschädigungsangebot von über 300.000 Euro. "Diese Zahl stand im Raum", unterstreicht der Abgeordnete und spricht von einem großen Interesse der Politik, die Umgehung damals nicht scheitern zu lassen. "Wir waren bereit, bis an die Schmerzgrenze zu gehen."

Heute sind die Abgeordneten und das Bauamt immer noch gesprächsbereit - allerdings haben sich die Vorzeichen verändert. Der Verein dürfe seine Erwartungen nicht zu hoch ansetzen. Und es gebe viele Fragen zu beantworten, zur Struktur der DJK, aber auch zu ständigen nichtöffentlichen Sitzungen eines eingetragenen Vereins und zur Haltung in der Umgehungsfrage. Ansprechpartner sei dabei nur die Vereinsleitung, wie Baumgärtner herausstellt: "Ich unterhalte mich mit dem Vorstand und den gewählten Vertretern, aber nicht mit Schattenmännern, von denen es möglicherweise welche gibt."




Kommentar von Marco Meißner


Kein gutes Beispiel für den Dialog

Die Vertreter des DJK/SV Zeyern/Roßlach beziehen in ihrem Schreiben klar Stellung zu den bisherigen Geschehnissen rund um den Umgehungsbau und ihr Sportgelände. Das ist ihr gutes Recht. Und Politiker wie Journalisten hätten sich solch ausgiebige Stellungnahmen schon viel früher erhofft.

In ihrem Schreiben sparen die Vorstandsmitglieder auch nicht mit Kritik. Ihrer Ansicht nach fehlgedeutete Gerichtsurteile und behördliche Verhaltensweisen stellen sie darin ebenso auf den Prüfstand wie die eine oder andere Äußerung aus der Presselandschaft.

Vorbildlich ist dabei, dass (endlich) Gesprächsbereitschaft signalisiert wird. "Für Rückfragen stehen die Unterzeichner gerne zur Verfügung. Die [...] Unterlagen, insbesondere Schreiben, können ohne Weiteres eingesehen werden", wird in dem Brief an Politik (6. August) und Medien (10. August) zugesichert. Wir nehmen die DJK-Verantwortlichen gerne beim Wort. Wir recherchieren den aktuellen Stand der Dinge und wollen die Meinung des Vorstands dazu erfahren.

Doch der Geschmack der neuen Offenheit hinterlässt am Ende des Tages den faden Beigeschmack des Altbekannten. Der erste Ansprechpartner ist über die aktuellen Vorgänge nicht auf dem Laufenden, verweist an den nächsten Kandidaten. Der ist länger nicht erreichbar - einen Tag nachdem er uns das Schreiben mit der Aufforderung zur Nachfrage (aber ohne Kontaktdaten) zugeleitet hatte. Vom dritten Vorstandsmitglied findet sich im Telefonbuch nur eine Handynummer - aber die ist leider außer Betrieb. Bleibt zu hoffen, dass es wenigstens bei den bevorstehenden Gesprächen am Ende nicht wieder heißt: Kein Anschluss unter dieser Nummer.

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