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Kronach
Faust-Festspiele

Weg aus der Krise wird gesucht

Der Kronacher Tourismusausschuss befasste sich am Donnerstag mit den rückläufigen Besucherzahlen. Tourismusleiterin Kerstin Löw will in Zukunft mehr Busunternehmer in die Kreisstadt locken.
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Festspielleiter Daniel Leistner (Mitte) musste in der abgelaufenen Spielzeit erneut rückläufige Besucherzahlen registrieren. Foto: Archiv/Matthias Hoch
Festspielleiter Daniel Leistner (Mitte) musste in der abgelaufenen Spielzeit erneut rückläufige Besucherzahlen registrieren. Foto: Archiv/Matthias Hoch
Die Besucherzahlen der Faust-Festspielen sind seit einigen Jahren rückläufig. Während 2009 noch 16 000 Zuschauer die Festspiele verfolgten, kamen in der abgelaufenen Spielzeit "nur" noch rund 10 000 Menschen auf die Festung, um die drei angebotenen Stücke zu sehen. Das hat sich auch auf das Ergebnis ausgewirkt. Einem Gewinn von 41 000 Euro (2009) stand heuer ein Verlust von 13 700 Euro gegenüber. Dabei sind die Personalkosten noch nicht berücksichtigt.

Diese Zahlen waren am Donnerstag Thema im Kronacher Tourismusausschuss. Dabei war die Grundstimmung trotz dieser negativen Entwicklung insgesamt positiv, wenngleich natürlich ein Handlungsbedarf besteht.
Dass bereits in den vergangenen Jahren versucht wurde, der Entwicklung entgegenzuwirken, das verdeutlichte Kerstin Löw in einem Rückblick, in dem sie einen umfassenden Überblick unter anderem über die verschiedenen Werbemaßnahmen gab.

Eine zentrale Rolle spielte dabei die Gewinnung von Busunternehmen für die Faust-Festspiele. Erstmals stand dieses Thema 2008 auf der Agenda, das auch 2009 weiter verfolgt wurde - allerdings ohne großen Erfolg. 2010 wurde dann über einen gewerblichen Anbieter ein Busnewsletter organisiert. "Auch das war nicht wirklich erfolgreich", beschrieb Löw die Problematik. 2011 wurden schließlich sogar Kunst- und Kulturvereine angeschrieben. "Der Postversand alleine ist es aber nicht, man muss persönliche Gespräche führen. Deshalb haben wir beschlossen, einen Sonderauftrag zu vergeben, um ganz gezielt die Festspiele nach vorne zu bringen", berichtete die Tourismusleiterin. Und so wurden 220 Busunternehmen in einem Umkreis von 150 Kilometern kontaktiert. 189 von ihnen erhielten auf Wunsch Informationen per Post oder per Mail. Anschließend wurden sie erneut angerufen mit dem Ergebnis, dass zwölf Unternehmen für die vergangene Spielzeit insgesamt 350 Karten reserviert hatten. "Da sehen Sie, welcher Aufwand betrieben werden muss, aber er ist lohnenswert", betonte Kerstin Löw. Am Ende waren es zwar nur 64 Karten, was sie jedoch als kleinen Erfolg feierte: "Man fängt eben klein an." Erfreulich sei, dass drei Busunternehmen die Faust-Festspiele für 2013 in ihr Programm aufgenommen haben.

Darüber hinaus sind bereits weitere Maßnahmen ergriffen worden, die zu einer Verbesserung der Besucherzahlen führen sollen. Dass Heidemarie Wellmann in diesem Jahr bereits als Regisseurin hinzugezogen wurden, war eine davon. Ein einfacheres Kartenbestellsystem, ein neuer Online-Auftritt und sogar die Erhöhung des Eintrittspreises um einen Euro sollen dauerhaft zurück in die Erfolgsspur führen. "Wir können nicht stehen bleiben. Die Faust-Festspiele müssen nach vorne gebracht werden", bekannte sich Kerstin Löw zu der für Kronach wichtigen Einrichtung.

Vorstellung um 16 Uhr

Im kommenden Jahr werden die Sonntagsvorstellungen bereits um 16 Uhr beginnen, um Reiseveranstaltern einen größeren Anreiz zu bieten. Sie könnten dieses Angebot besser in ihr Programm aufnehmen. Zudem sollen weitere Fördermöglichkeiten ausgelotet werden. Außerdem will die Tourismusleiterin 2013 bei der Messe ITB weitere touristische Partner gewinnen.

Zweite Bürgermeisterin Angela Hofmann (CSU) erklärte, dass die Faust-Festspiele ein wichtiges Kulturerlebnis seien, von dem Besucher und Stadt gleichermaßen profitierten. Kerstin Löw zollte sie Lob und Anerkennung für ihr Bemühen. Für Jonas Geissler (CSU) sollte man die Kosten nicht isoliert betrachten. Vielmehr müsse der Werbenutzen für Kronach berücksichtigt werden. "Was mich nachdenklich stimmt, sind die leeren Ränge, denn die Vorstellungen sind hervorragend", war Hans-Georg Simon (FW) besorgt. "Die Zahlen sind ernüchternd. Es muss was passieren."

Dies sah auch Festspielleiter Daniel Leistner so: "Nächstes Jahr möchte ich 50 Busunternehmer da haben. Das lief zu spät an", kritisierte Daniel Leistner. Und selbst Kerstin Löw räumte ein, dass man vielleicht etwas zu blauäugig gewesen sei, nicht schon 2010 "alle Hebel in Bewegung gesetzt haben".

Positive Stimmung

Für Edith Marr (SPD) sind die Besucherzahlen bedenklich. Damit sprach sie einen gewissen Negativtrend in den Köpfen der Bevölkerung an, den es wieder umzukehren gelte. Zumindest im Ensemble sei die Stimmung nach wie vor sehr positiv, wie Leistner verdeutlichte. "Die war spitze, obwohl ich im August ziemlich frustriert war", räumte der Festspielleiter ein.

Wie man langfristig die Faust-Festspiele wieder auf Vordermann bringen will, damit wird sich im Februar auch der Kronacher Stadtrat befassen. Für Jonas Geissler stand fest, dass dann konstruktive Kritik gefragt sei und blickte nachdenklich auf die derzeitige Arbeit im Gremium: "Seit zwei Jahren gibt es nur noch ein destruktives Gemeckere von Einzelnen." In dieser Sitzung sei es wichtig, klar die Frage zu stellen, ob man die Faust-Festspiele auch weiterhin wolle oder nicht.

In ihrem Rückblick hatte Kerstin Löw aber auch Positives zu berichten. So waren die sieben Aufführungen in der Werkbühne ausverkauft. Insgesamt konnten 700 Karten verkauft werden. Ein besonderer Höhepunkt sei zudem die Ausstellung "Festungen - Frankens Bollwerk" auf der Festung gewesen. "Die Besucher waren angetan. Das ist eine nachhaltige Chance für die Festung, denn die Ausstellung bleibt. Das ist die wichtige Botschaft für die Zukunft", verdeutlichte Kerstin Löw. Insgesamt sei die Besucherzahl auf der Festung kontinuierlich gesteigert worden. Allein innerhalb eines Jahres kamen mit rund 32 000 fast 7000 Menschen mehr auf das Kronacher Wahrzeichen.









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