Tettau
Schaffenskraft

Webkunst ist ihre Leidenschaft

Angelika Schütze bewirtschaftet mit ihrem Mann auf dem Wildberg bei Tettau nicht nur einen Biobauernhof, sondern geht auch vielen kreativen Hobbys nach.
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Akribie, Aufmerksamkeit und Sorgfalt erfordert das Weben in Filigranarbeit wird ein vorher gefertigter Entwurf zum farbenprächtigen Webbild gefertigt. Foto: Karl-Heinz Hofmann
Akribie, Aufmerksamkeit und Sorgfalt erfordert das Weben in Filigranarbeit wird ein vorher gefertigter Entwurf zum farbenprächtigen Webbild gefertigt. Foto: Karl-Heinz Hofmann
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Die kreative Webwerkstatt von Angelika Schütze auf dem Wildberg in Tettau birgt schöne Schätze aus Webmaterialien. Die heute 71- Jährige kam zusammen mit ihrem Ehemann Dietrich vor rund 40 Jahren in die Idylle des Weilers Wildberg.

Der Wildberg war ein ehemaliges Gasthaus mit landwirtschaftlichem Betrieb. Er lag zur Zeit als die Schützes von der hessischen Metropole nach Tettau auf den Wildberg kamen, abgeschieden unmittelbar an der Demarkationslinie zur damaligen DDR. Dem Ehepaar gelang es, wenn auch zunächst von der heimischen Bevölkerung mit Skepsis beachtet, aus dem brachliegenden Bauernhof einen lebendigen Treffpunkt zu machen.

Seit der Wiedervereinigung ist der Wildberg ein Eldorado für Wanderer. In dem auf rund 700 Meter Höhe gelegenen Weiler bei Tettau treffen sich seit der Wiedervereinigung wieder Franken und Thüringer. Seit fast vier Jahrzehnten bewirtschaften Angelika und Dietrich Schütze den Hof als Biobauern. Und hier widmet sich Angelika Schütze ihren Hobbys als Autorin, Poetin und Webkünstlerin.

Der Abschied von der Großstadt und die landwirtschaftliche Tätigkeit weckten in der gelernten Sozialarbeiterin neue Fähigkeiten. Vor allem der Webkunst gilt ihre Leidenschaft. In ihrer Webwerkstatt im Dachgeschoss des Wildberghauses erzählt Angelika Schütze, dass sie in der Werkstatt der Lübecker Bildweberin Alen Müller-Hellwig die Technik der Bildweberei erlernte.


Garne mit Pflanzen gefärbt

"Die Gobelins meiner ersten Schaffensperiode entstanden in den folgenden fünf bis sechs Jahren. Diese Webbilder formulieren das harmonische Zusammenspiel von Mensch und Natur. Die von mir verwendeten pflanzengefärbten Garne waren für diesen Themenkreis besonders gut geeignet.

Mit der schlafenden Regentrude (Schlüsselfigur aus Theodor Stroms gleichnamiger Erzählung) klingt diese erste Schaffensphase aus und der mehr real gestaltete Mensch betritt die Bildfläche", sagt sie mit leichtem Lächeln.

"Nun kontrastieren intensive Erdfarben zum tiefblauen Hintergrund und Handlungsläufe treten in den Vordergrund. In der darauf folgenden Entwicklungsphase, seit 1995, stattete ich die Webbilder mit mehr erzählenden Details aus. Ich entwickelte neue kräftigere Farben, setzte Farbkontraste ein, die mir auch die Gestaltung von Dissonanzen ermöglichten. Die Entwicklung meiner Webbilder von den anfänglich märchenhaften und lichten Motiven bis zu dem heutigen, konkreten Dialog mit Realität und Biografie ist noch nicht abgeschlossen."


Heute verwendet legt sie viel Schaffenskraft in ihre Webbilder von Tieren. Dabei färbt sie ihre reinen Woll- und Seidengarne mit Pflanzenfarben. Diese Farben gewinnt sie jeweils aus Wurzeln, Rinden, Hölzern und Blättern. Vor vielen Jahren erwarb sie einen eigenen Webstuhl.

Für jedes Webbild muss der Webstuhl neu eingerichtet werden, wobei die gleichmäßige Spannung der Kettfäden entscheidend für die spätere Qualität des Gewebes ist, erklärt Angelika Schütze. Ein Gobelin von circa 1,20 Metern Länge wird in sechs bis acht Teilabschnitten jeweils von unten nach oben gearbeitet und nach und nach auf den Warenbaum aufgerollt.

"Da ich immer nur an einem Ausschnitt des Ganzen arbeite, ist der genau aufgezeichnete Entwurf von großer Bedeutung für das spätere Webbild. Entsprechend viel Zeit und Aufmerksamkeit widme ich dieser Tätigkeit, denn eine Korrektur während des Webens ist nicht mehr möglich, weil der Entwurf hinter die Kettfäden gespannt und mit dem fertigen Teilgewebe auf den Warenbaum aufgerollt wird".

Am Wildberg bei Tettau führt neben der historischen Handels- und Heeresstraße auch der Lutherweg vorbei. Er ist ein gern besuchtes Ausflugsidyll für Wanderer aus nah und fern. Am Sonntag ist eine Einkehr im Wildberg-Café und der Genuss frisch gebackener Kuchen möglich.
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