Küps
Brandruine

Was vom "Schandfleck" in Johannisthal übrig bleibt

Viel ist in Johannisthal von der Gastwirtschaft nicht mehr zu erkennen: Lediglich die Mauerreste des vor sieben Jahren abgebrannten Gebäudes stehen noch.
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Von alleine wollen die restlichen Wände der ehemaligen Gaststätte in Johannisthal nicht einstürzen. Behält der vom Kronacher Landratsamt bestellte Statiker Recht, wird dies in absehbarer Zeit auch so bleiben. Foto: Marian Hamacher
Von alleine wollen die restlichen Wände der ehemaligen Gaststätte in Johannisthal nicht einstürzen. Behält der vom Kronacher Landratsamt bestellte Statiker Recht, wird dies in absehbarer Zeit auch so bleiben. Foto: Marian Hamacher
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Etwas ist anders. Wie für eine Ruine typisch, ragen die roten Mauerreste als letzte Zeugen vergangener Zeiten aus der grauen Wand. Soweit nichts Besonderes in einer von historischen Baudenkmälern gespickten Region wie Oberfranken - die neben Burgen und Festungen selbstverständlich auch deren Überbleibsel zu bieten hat. Doch Touristen wuseln in Johannisthal keine durch die Gegend. Anwohner zieht es erst recht nicht dorthin. Höchstens, um gemeinsam ihren Unmut zum Ausdruck zu bringen. Denn in dem Küpser Ortsteil ist die Ruine ähnlich beliebt wie Regentage während des Sommerurlaubs.

Lieber heute als morgen soll sie aus dem Blickfeld verschwunden sein. Schließlich handelt es sich nicht um die letzten Reste eines Gemäuers aus dem Mittelalter, sondern die einer deutlich jüngeren ehemaligen Gastwirtschaft. "Es stinkt, wenn es regnet, es stinkt, wenn die Sonne scheint", sagt eine Anwohnerin wütend. "Außerdem bläst der Wind auch ständig den Dreck durch die Fenster." Seit über 70 Jahren lebe sie schon in unmittelbarer Nachbarschaft zu dem Gebäude, erzählt sie. Ihren Namen möchte sie aber lieber nicht in der Zeitung lesen.

Zumindest der auf dem Grundstück herumliegende Bauschutt ist nun größtenteils verschwunden: Nach langem Hin und Her zwischen den Behörden sowie dem Grundstücksbesitzer rückten auf Anordnung des Landratsamtes vergangene Woche Bagger an. "Es wurde vom Besitzer zuvor zwar schon ein Teil abgetragen, aber nicht alles", erklärt Bernd Graf, Sprecher des Landratsamts Kronach. Da eine gesetzte Frist abgelaufen sei, sei nun von Amtsseite eingegriffen worden. Die Kosten trage der Eigentümer.


Auf taube Ohren gestoßen

Sieben Jahre ist es inzwischen her, dass in der Gastwirtschaft Dötschel ein Brand ausbrach und die oberen Stockwerke in arge Mitleidenschaft zog. Kurze Zeit später wechselte das, was die Flammen übrig ließen, den Besitzer. Anstatt das Gebäude zu sanieren, ließ er es jedoch verfallen. Aufforderungen der Gemeinde, das Bauwerk zu stabilisieren, stießen beim neuen Besitzer aber offenbar auf taube Ohren. Im Mai 2015 wurde es dem Markt Küps zu bunt, der stark einsturzgefährdete Teile des Gebäudes einreißen ließ.

Die Reste des dadurch entstandenen Schutthaufens, der aus abfallrechtlichen Gründen eigentlich durch den Grundstückseigentümer hätte beseitigt werden müssen, nahmen schließlich die vom Landratsamt bestellten Bagger in Angriff.

Beendet ist die Angelegenheit dadurch aber noch nicht. Auch in den kommenden Jahren könnten sich die Anwohner an den neuen Ruinen-Anblick gewöhnen müssen. "Jedenfalls solange die verbliebenen Wände nicht zusammenfallen oder den Anschein erwecken, bald einzustürzen", sagt Graf. Denn eine rechtliche Grundlage gebe es weder baurechtlich für das Landratsamt noch ordnungsrechtlich für die Gemeinde. "Wir haben die Standsicherheit von einem Statiker überprüfen lassen. Da er sie festgestellt hat, haben die Mauerreste einen Bestandsschutz", so der Sprecher des Landratsamts. Den Behörden seien somit die Hände gebunden. "Es gibt keine Möglichkeit, dagegen vorzugehen", betont Graf.


Sorge um die Sicherheit

Steffi Treusch kann die Begründung nachvollziehen. Schwerer fällt ihr dies jedoch bei der Entscheidung des Gutachters. "Ich frage mich, was das Landratsamt da für einen Statiker geschickt hat", sagt Treusch, die seit 27 Jahren genau gegenüber der ehemaligen Gastwirtschaft wohnt. "Das letzte Mal hat der Statiker auch behauptet, dass das Haus stehen bleibt und dann ist es trotzdem eingestürzt." Während sie der Geruch, der Staub oder auch der Anblick der Ruine Treusch schlicht ärgern, treibt sie vor allem eine Sorge um: die Sicherheit. "Hier kommen viele Schulkinder vorbei", erklärt die Küpser CSU-Marktgemeinderätin. "Klar, die haben auf dem Grundstück nichts zu suchen, aber Kinder sind eben neugierig."

Die Möglichkeiten, die die Ruine spielenden Kindern gebe, seien eine große Gefahr. "Wer trägt da die Verantwortung, wenn etwas passiert?", fragt Treusch. Sie vermutet, dass es letztlich auf eine Zwangsversteigerung hinausläuft. Ihrer wütenden Nachbarin kann es gar nicht schnell genug gehen. "Sieben Jahre, Dreck, Gestank und Ratten. Und ein Ende ist nicht in Sicht", ärgert sie sich.

Den Anwohnern bleibt bis dahin wohl nichts anderes übrig, als zu hoffen, dass die Wände des Gasthofes weniger robust sind als ihre Äquivalente aus dem Mittelalter.

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