Kronach
Abwasser

Was man über Kleinkläranlagen wissen sollte

Rund 520 Haushalte im Kreis Kronach sind nach Schätzungen nicht an das öffentliche Kanalsystem angebunden. Kleinkläranlagen sind dann die - nicht immer beliebte - Alternative. Wir tragen zusammen, was man über sie wissen sollte.
Artikel drucken Artikel einbetten
Ein Blick in den Gulli: Im Kreis Kronach gibt es die Situation, dass viele haushalte Abwasser selbst entsorgen müssen.  Foto: Archiv/Hendrik Steffens
Ein Blick in den Gulli: Im Kreis Kronach gibt es die Situation, dass viele haushalte Abwasser selbst entsorgen müssen. Foto: Archiv/Hendrik Steffens
Wie schön es sein muss, am Kanal zu hängen. Das denken sich wohl viele Betreiber der über 500 Kleinkläranlagen im Landkreis. Im Kronacher Ortsteil Wüstbuch gibt es Wutpotential wegen einer dauerfeuchten Wiese, auf der geklärtes Abwasser versickert. In Roßlach ist mancher Bürger noch sauer, dass 2012 der Kanalanschluss verhindert wurde. Dabei gab es damals wenigstens noch Finanzspritzen, die künftig wegfallen.

"Sie sprechen ein großes Trauma an", sagt Johann Brückner. Der frühere langjährige Gemeinderat aus Roßlach setzte sich jahrelang für den Anschluss eines Großteils von Roßlach an das öffentliche Kanalsystem ein. Die Sache schien klar, 50 000 Euro wurden bereits in Vermessung und Vorbereitung investiert. Dann scheiterte der Anschluss 2012 an einer Stimme im Gemeinderat. "Ein großes Drama", nennt Brückner das.

Zwischen 3500 und 10 000 Euro kostete die Aufrüstung auf dauerhaft nutzbare Kleinkläranlagen laut Brückner pro Haushalt. Bis Ende 2014 hatten die Roßlacher Zeit, denn mit dem 31. Dezember lief die Förderperiode (mehr als 1000 Euro pro Haushalt) aus. Der Wilhelmsthaler Gemeindeteil wurde in dieser Zeit komplett ausgestattet.
Wer aber künftig eine Kleinkläranlage bauen muss, wird dafür komplett selbst aufkommen müssen. Was gibt es dabei zu beachten? Andi Nerger, zuständig im Sachgebiet Wasserrecht im Kronacher Landratsamt, informiert:

Verbreitungsschwerpunkte

Aus dem Wachstum früherer landwirtschaftlicher Anwesen im Kreis Kronach sind mit der Zeit oft Weiler entstanden - lose kleine Siedlungen. Die gibt es häufig im Wilhelmsthaler Bereich, aber auch in Randgebieten der Stadt Kronach. "Früher hat man dann gesagt: Wir bauen hier übergangsweise eine Kleinkläranlage." Nur bis die Vollerschließung kommt, hieß es, so Nerger. Doch aus "übergangsweise" wurde häufig eine permanente Lösung. Wegen klammer öffentlicher Kassen und Änderungen gesetzlicher Vorgaben wurden mechanische zu biologischen Kleinkläranlagen aufgewertet, statt teure Kanäle zu bauen. Ländliche Außenbereiche, das ist in den kommunalen Abwasserkonzepten vorgesehen, sollen auch längerfristig nicht zentral erschlossen werden.

Mechanisch oder biologisch?

Im Kreis Kronach gibt es verhältnismäßig viele Kleinkläranlagen. Aktuell werden rund 520 Anlagen betrieben. Würde ein Haus, das nicht am Kanalsystem angeschlossen ist und keine zulässige Kleinkläranlage hat, neu bezogen werden, so müsste eine Kleinkläranlage nachgerüstet werden. 13 Prozent der Anwesen, die nicht zentral erschlossen sind, stehen nach Nergers Schätzung derzeit leer.

Eine Kleinkläranlage ist relevant für alle Anwesen, die nicht an das allgemeine öffentliche Kanalsystem angeschlossen sind. Es gibt unterschiedliche Arten. Eine rein mechanische Kleinkläranlage filtert Stoffe, die sich am Boden absetzen oder an der Oberfläche des Abwassers schwimmen. Sie kommt als Übergangslösung in Betracht, wenn der Anschluss an das öffentliche Kanalsystem absehbar ist.

Die Alternative, biologisch arbeitende Kleinkläranlagen, schalten der mechanischen eine weitere biologische Reinigungsstufe nach. Mikroorganismen befreien das Abwasser von belastenden Stoffen. Diese Anlagen werden eingesetzt, wenn der Anschluss an das öffentliche Kanalsystem auf Dauer nicht absehbar ist.

Wieso eigentlich dezentral?

Kleinkläranlagen kommen bei allen Wohnhäusern, Betrieben oder Siedlungen zum Einsatz, die nicht an das zentrale Kanalnetz einer Kommune angeschlossen sind. Viele der Anlagen im Kreis Kronach waren mal als Übergangslösung gedacht, wurden dann aber zur Dauerlösung. Denn der Neubau von Abwasserkanälen käme Kommunen teuer und ist daher in den allermeisten Gebieten in absehbarer Zeit nicht angedacht. "Es würde sich nicht rentieren, die Kanalisation zu erweitern in Gebieten, in denen schon jetzt wenige und in Zukunft immer weniger Menschen leben", gibt Nerger zu bedenken.

In Bayern legen die Gemeinden fest, wo Kanäle gebaut werden - oder eben nicht - und welche Gebiete dezentral entsorgen müssen. "Es muss immer ein rentables Kosten-Nutzen-Verhältnis da sein", erklärt der Fachmann. Kanalbau wird in der Regel staatlich gefördert. Diese Zuschüsse werden aber nur dann gewährt, wenn es wirtschaftlich ist. In einem Flächenlandkreis wie Kronach ist das nicht immer der Fall.

Wer trägt die Kosten?

Bis Ende letzten Jahres wurde die Nachrüstung von Kleinkläranlagen, die vor dem 1. Januar 2002 bestanden, staatlich subventioniert. Rund eineinhalb Millionen Euro flossen im Kreis Kronach zu diesem Zweck. Elf Jahre lief die Förderung - von 2005 bis Ende 2014. Wer jetzt nachrüsten muss, der trägt die Kosten zu 100 Prozent selbst. Je nach System und Reinigungsleistung kostet die Anschaffung für ein Einfamilienhaus in der Regel zwischen 3000 und 6000 Euro. Preise können stark variieren. Hinzu kommen Kosten für die Wartung und Überwachung. Alle zwei bis vier Jahre ist eine Funktionstüchtigkeitsprüfung nötig, erklärt Nerger. Die Kosten liegen beim Eigentümer. Im Gegenzug hat dieser bei der Gemeinde keine Abwassergebühren zu leisten.Unterlassen der Wartung ist ordnungswidrig.

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren