Kronach
Eindrücke

Was bedeutet Heimat? - Eine Ausstellung in Kronach liefert die Antwort

Mit der Ausstellung "Menschen. Flucht - Vertreibung - Heimat" setzt das Frankenwald-Gymnasium ein klares Statement gegen Vorurteile.
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Nico (16 Jahre, in der Mitte) erklärt Ubaidullah (15 Jahre, rechts) und einem weiteren Freund, wie unterschiedlich und vielfältig der Begriff Heimat sein kann.  Foto: Mariell Dörrschmidt
Nico (16 Jahre, in der Mitte) erklärt Ubaidullah (15 Jahre, rechts) und einem weiteren Freund, wie unterschiedlich und vielfältig der Begriff Heimat sein kann. Foto: Mariell Dörrschmidt
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Schautafeln fürs Köpfchen, Postkarten zum Mitnehmen und Haftnotizzettel zum Mitmachen: Es herrscht eine herzliche Stimmung am Mittwochabend im Ausstellungsbereich der Caféteria der Kreisbibliothek am Frankenwald Gymnasium.

Die Gäste staunen über die Weitsicht, die Recherchearbeiten und das Engagement der Gymnasiasten. Viele neugierige Besucher, darunter die verantwortlichen Lehrkräfte und mittendrin eine Gruppe junger Flüchtlinge, die durch den intakten Austausch gute Freunde der Schulfamilie geworden sind.


Mehr als nur Fakten

Anschaulich und kreativ haben sich 45 Schüler des Frankenwald Gymnasiums mit dem Thema Flucht und Vertreibung auseinander gesetzt. Sie wollen mit 15 Schautafeln über Flüchtlinge aufklären und richtige Daten und Fakten präsentieren.


Zum einen unter dem politisch, historischen Aspekt und zum anderen aus ethisch, moralischer Sicht. Die Unterbringung der 200 Flüchtlinge in den Turnhallen nahmen die Gymnasiasten zum Anlass, eine Ausstellung zu konzipieren. Sie haben nachgefragt, wollten mehr wissen und hatten vor allem ein Ziel: Vorurteile aus der Welt schaffen.

Die Jugendlichen leisten mit der Ausstellung "Menschen. Flucht-Vertreibung-Heimat" einen Beitrag zum interkulturellen Austausch. Sie wollen mit ihren Arbeiten nicht nur Daten und Fakten präsentieren, sondern den Menschen in den Vordergrund stellen. Somit bietet ein Teil der Ausstellung den Besuchern die Möglichkeit, ihr Verständnis von "Heimat" einzubringen und dieses anhand kleiner Zettel an einer Schautafel anzubringen.
Daneben geben die Schüler Einblicke auch in rechtliche Grundlagen. Im sogenannten "Faktencheck" sollen Vorurteile mit Argumenten entkräftet werden. Beteiligt am Ausstellungsprojekt waren zwei Schülergruppen.
Zum einen die "MutMacher", unter deren Regie das FWG zur "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" ernannt wurde. Zum anderen die Gruppe "Rangers", die sich als Ansprechpartner in den Bereichen Sexualerziehung und Umgang mit Suchtmitteln verstehen.


Eigene Definition von Heimat

Bei der Eröffnung bestätigte sich der Stellenwert für die Arbeit der Schüler. "Es ist eine unglaublich gelungene Ausstellung", lobte Schulleiter Klaus Morsch und erzählt, dass er selbst in Peru aufgewachsen und einige Jahre in Kopenhagen gelebt habe. Die Frage, was für ihn Heimat bedeute, könne er deshalb wie folgt beantworten: "Es sind die Menschen, mit denen man sich verbunden fühlt", berichtet Morsch und erläutert gleichzeitig den Unterschied: "Man muss sich immer ins Gedächtnis rufen, dass die Menschen nicht freiwillig weggegangen sind, sondern durch Bürgerkrieg und Elend gezwungen wurden."

Umso wichtiger sei es, den einzelnen Menschen zu betrachten und Verständnis für das jeweilige Schicksal aufzubringen.


Sportunterricht als Nebensache

"Uns ist aufgefallen, dass es überhaupt nicht schlimm ist, wenn der Sportunterricht für zwei Monate ausfällt. Viel wichtiger ist es, dass Menschen ein Dach über dem Kopf haben", berichtet Schülerin Victoria Tauber und erinnert sich an die Anfänge zurück.

"Wir wollen Vorurteile aus der Welt schaffen, und falsche Fakten die durch Eltern oder Medien vermittelt werden, aus dem Weg räumen", erklärt Schüler Nico Schlee und fügt hinzu, dass ihnen vor allem der persönliche Kontakt zu den Jugendlichen die Augen geöffnet habe: "Sie wollten nicht, sie mussten fliehen. Und wenn man das verstanden hat, verschwindet auf einmal der Schirm, der alles blockiert."

Zudem sei der Austausch mit den Flüchtlingen eine Bereicherung für die Schüler geworden: "Die Gastfreundschaft, die wir erleben durften, ist ein Beispiel um im Leben weiterzukommen."

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