Rothenkirchen
Innovation

Waldarbeit im Frankenwald: Mit dem Smartphone gegen Borkenkäfer

Der Forstbetrieb Rothenkirchen nutzt eine GPS-App, um effektiver gegen Baumschädlinge vorzugehen. Borkenkäfer bleiben die größte Gefahr im Frankenwald.
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Georg Scherbel hat eine befallene Fichte in seinem Revier entdeckt und zückt sein Handy. Fotos: Ronald Heck
Georg Scherbel hat eine befallene Fichte in seinem Revier entdeckt und zückt sein Handy. Fotos: Ronald Heck
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Die Fichte ist befallen und muss gefällt werden - das erkennt Forstwirtschaftsmeister Georg Scherbel sofort. Viele Baumnadeln sind abgefallen, teilweise ist die Rinde weg. "Das ist hundertprozentig der Borkenkäfer", sagt Scherbel. Er markiert die Fichte mit einer Sprühdose. Der Baum muss aus dem Waldgebiet des Bayerischen Staatsforsts bei Rothenkirchen entfernt werden.

Deshalb zückt der 52-Jährige sein Smartphone und öffnet die App "Zeinsekt". Auf dem Display erscheint eine GPS-Karte. Scherbel markiert den Fundort mit einem roten Punkt. "Wichtig ist: Wenn Nester oder einzelne Käfer entdeckt werden, dass das gleich dokumentiert wird", erläutert er. Wieviel Festmeter sind betroffen, welcher Befall wurde entdeckt, soll ein Tragrückeschlepper ausrücken? Das alles wird noch vor Ort digital festgehalten. Über das Internet geht die Dokumentation an alle, die das Programm "Zeinsekt" nutzen.


Seit Anfang März im Einsatz

Der Holzrücker zum Beispiel weiß dadurch exakt, wo genau Bäume gefällt wurden. "Diese Technik ist für mich klasse", sagt Georg Scherbel begeistert. Die Waldarbeiter würden Zeit sparen, genauer arbeiten können und die Dokumentation sei einfacher. Die App ist beim Forstbetrieb Rothenkirchen seit Anfang März im Einsatz.

Am Computer in seinem Büro zeigt der Forstwirtschaftsmeister, welche Standorte in seinem Zuständigkeitsbereich markiert wurden. Ein roter Punkt bedeutet, dass die Stelle erfasst wurde, aber noch nichts passiert ist. Ein gelber Punkt heißt, dass die befallenen Bäume gerade bearbeitet werden. "Und ein grauer Punkt heißt: Die Arbeit ist beendet. Wir haben den Schädling bekämpft und wir sind fertig", erläutert Scherbel.

Buchdrucker und Kupferstecher - die beiden Borkenkäferarten stellen auch heuer die größte Gefahr für die Bäume im Frankenwald dar. 78 Prozent der Baumbestände sind Fichten. "Das Problem sind die trockenen Sommer. Damit wird die Fichte nicht fertig", erklärt der Rothenkirchener Forstbetriebsleiter Peter Hagemann. Die flach wurzelnde Baumart ist anfällig für Trockenheit, weil die Wurzeln tieferliegende Wasserreservoirs nicht erreichen. Ohne ausreichend Wasser kann die Fichte kein Harz bilden, um die Borkenkäfer abzuwehren. Den Forstleuten bereitet es deshalb Sorgen, wenn es mehrere Wochen nicht regnet. Dann hat der Borkenkäfer leichtes Spiel.

"Sobald ein Baum befallen ist, beginnt der Wettlauf gegen den Borkenkäfer", sagt Peter Hagemann. Die befallenen Bäume müssen in vier bis sechs Wochen aus dem Wald entfernt werden - mindestens 500 Meter vom Waldbestand weg, sonst fliegt der Käfer weiter und breitet sich aus. Deswegen ist Georg Scherbel zurzeit regelmäßig mit seinem Smartphone auf Patrouille.


Forstminister warnt: Borkenkäfer schwärmen aus

Der bayerische Forstminister Helmut Brunner hat mitgeteilt, dass heuer besondere Wachsamkeit geboten sei. Die Zahl an Borkenkäfern in den bayerischen Wäldern sei hoch, weil mehr Käfer als sonst im Boden und unter der Rinde befallener Fichten überwintert haben. Grund dafür waren laut Brunner die idealen Lebensbedingungen im vergangenen Jahr - der milde Herbst hatte dafür gesorgt, dass die Borkenkäfer vielerorts drei vollständige Generationszyklen durchlaufen konnten. Das derzeitige sonnig-warme Wetter macht die Schädlinge nun mobil. Er ruft deshalb die Waldbesitzer auf, ihre Fichtenwälder jetzt gründlich zu kontrollieren.

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