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Kronach
Vortrag

Von Reinhard Erös erfahren Schüler mehr über Afghanistan

Wenn es um Hilfe für die Menschen in Afghanistan geht, ist Reinhard Erös davon überzeugt: "Wir hier in Deutschland haben die Möglichkeit, etwas zu tun."
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Am Donnerstag gab Dr. Erös der elften Jahrgangsstufe des KZG einen packenden Einblick in den Alltag, in die Kultur und Geschichte von Afghanistan. Foto: Heike Schülein
Am Donnerstag gab Dr. Erös der elften Jahrgangsstufe des KZG einen packenden Einblick in den Alltag, in die Kultur und Geschichte von Afghanistan. Foto: Heike Schülein
"Statt Rüstungsgüter an Afghanistan zu verkaufen, sollte Deutschland besser dort Schulen bauen", sagt Reinhard Erös. Bildung, insbesondere auch für Mädchen, sei die beste Art, um ein Land nach vorne zu bringen. Seit rund 30 Jahren engagiert sich der ehemalige Bundeswehrarzt mit seiner siebenköpfigen Familie für die Menschen am Hindukusch.

Sie fördern die medizinische Versorgung von Kindern und Jugendlichen, vor allem aber auch deren Bildung und Ausbildung. Mit Spendengeldern der Kinderhilfe Afghanistan konnten mehr als zwei Dutzend verschiedene Schulen, Mutter-Kind-Kliniken, Waisenhäuser und sogar eine Universität, an der auch Frauen studieren dürfen, errichtet werden.

Das Ehepaar besucht Schulen in ganz Deutschland, um dort von seinen persönlichen Erfahrungen aus Afghanistan zu berichten und das Gespräch mit jungen Leuten zu suchen. Am Donnerstag war Dr.
Reinhard Erös am Kaspar-Zeuß-Gymnasium zu Gast, während seine Ehefrau zeitgleich am Frankenwald-Gymnasium über das Land am Hindukusch sprach.

"Unter Taliban, Warlords und Drogenbaronen - eine bayerische Familie kämpft für die Kinder Afghanistans": Unter dieser Überschrift, die auch auf dem 2008 erschienenen Buch steht, gab Erös der elften Jahrgangsstufe einen packenden Einblick in den Alltag, in die Kultur und Geschichte des gebeutelten, noch immer archaisch geprägten Landes.

Vehement, couragiert und furchtlos nahm er dabei alle mit und wurde auch bisweilen recht laut - besonders, wenn er sich zur Politik des Westens äußerte. Indem man Afghanistans Elite nach Deutschland hole, entziehe man dem Land sein "Gehirn". "Es gibt dort eh zu wenige Ärzte und Ingenieure. Damit machen wir das Land kaputt und es kommen wieder die Taliban an die Macht", sagte er. Scharf prangerte er auch deutsche Panzergeschäfte mit Afghanistan an wie auch den partnerschaftlichen Umgang mit Saudi-Arabien, obwohl dort viele im Land das Gedankengut von Isis teilen und auch unterstützen würden.


Bildung statt Fundamentalismus

Der Oberstarzt der Bundeswehr a. D. kennt das Land am Hindukusch seit über 30 Jahren. In den 80er Jahren, während der sowjetischen Besatzung des Landes, hat der Militärarzt über fünf Jahre unter Kriegsbedingungen und Einsatz seines Lebens Tausende von Menschen in den Bergdörfern ärztlich versorgt.

Seine Frau, eine Lehrerin, baute in Peschawar eine Schule für Flüchtlingskinder auf. Aus diesem Projekt entwickelte sich eine einzigartige Familieninitiative: Ausschließlich mit privaten Spenden sowie Buchhonoraren errichtete das Ehepaar ohne öffentliche Mittel seit dem 11. September 2001 über zwei Dutzend moderne Friedensschulen als Kontrapunkt zu den primitiven Koranschulen der Islamisten.

Zudem entstanden Mutter-Kind-Kliniken, Waisenhäuser und Computerschulen in den gefährlichen Ostprovinzen. 2000 Afghanen haben durch diese Projekte einen neuen Arbeitsplatz gefunden. Erös lebt und arbeitet die Hälfte des Jahres vor Ort. "Afghanistan ist für mich eines der spannendsten und schönsten Länder der Welt", erklärte er. Islamischer Fundamentalismus und eine rückwärtsgewandte Religiosität bestimmten häufig unser Bild von Afghanistan, was falsch sei. Der weitaus größte Teil der Bevölkerung sei unpolitisch, friedlich und tolerant - vielleicht bis auf fünf Prozent, vergleichbar in Deutschland etwa mit den Neonazis, so Erös.

Seit seiner Pensionierung 2002 hat Erös über zehn Jahre Polizeibeamte, Militärs, Hilfsorganisationen und Journalisten für ihren Einsatz in Afghanistan ausgebildet. In die Schulen gehe man, um bei jungen Leuten Interesse für Politik zu wecken. Afghanistan sei ein Thema, das uns alle angehe, sagt er.

So stellten Afghanen die zweitgrößte Flüchtlingsgruppe überhaupt dar. Heute, mehr als 25 Jahre nach Ende des Krieges und trotz 15 Jahre Nato-Präsenz vor Ort, fliehen vor allem junge Menschen, da sie in ihrem Heimatland keine Zukunft sehen, erklärt der Kenner.

"Wenn wir nichts unternehmen, werden wir das nicht in den Griff bekommen und es wird so weitergehen. Wir hier in Deutschland haben die Möglichkeit, etwas zu tun. Wir müssen auch etwas tun", appellierte er. Allen jungen Leuten legte er ans Herz, sich in verschiedenen Bereichen zu engagieren. Dabei müssten sie nicht gleich die ganze Welt retten, sondern im Kleinen anfangen - beispielsweise durch das Ableisten eines sozialen Jahres.
Nach seiner Präsentation stellte sich der Friedensaktivist für Fragen der Schüler zur Verfügung. "Unser Bild von dem Land werde im Wesentlichen durch die Medien geprägt", sagte Direktorin Renate Leive. Umso wertvoller sei die Schilderung seiner persönlichen Erfahrungen und Erlebnisse. Dadurch könne man in Zukunft die Situation vor Ort besser einschätzen und Medienberichte anders, kritischer wahrnehmen, so ihr Fazit nach diesem Vortrag.
Bereits am Mittwoch hatte Erös auf Initiative des KAB Kreisverbands Kronach-Hof in der Kronacher Synagoge zum Thema "Warum fliehen Menschen aus Afghanistan? Flucht ursachen und deren Bekämpfungsmöglichkeiten" gesprochen. Dabei gab er seinem Publikum Hintergrundinformationen über die Fluchtwelle vom Hindukusch und er zeigte Möglichkeiten zur Bekämpfung der Fluchtursachen auf.
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