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Jahresrückblick

Jahresrückblick: Von Ärger hinter den Kulissen und merkwürdigen Spinnen

Eine Spinne versetzt den Landkreis in Alarmbereitschaft und eine Überfall-Serie sorgte für reichlich Fragezeichen - unser Jahresrückblick.
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leich zweimal in nur einem Monat wurde im Oktober eine Unterrodacher Spielothek das Ziel von Überfällen. Foto: Marian Hamacher/Archiv
leich zweimal in nur einem Monat wurde im Oktober eine Unterrodacher Spielothek das Ziel von Überfällen. Foto: Marian Hamacher/Archiv
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Aufreger: Spinne ist nicht gleich Spinne

Es könnte die Geschichte einer großen Gefahr sein, die von einem ziemlich kleinen Tier ausging. Könnte - ist es aber nicht. Der Konjunktiv ist schon bewusst gewählt. Denn die Geschichte des "Spinnenalarms in Steinberg" ist am Ende nichts anderes als die Geschichte eines Hypes - und ganz nebenbei ein Musterbeispiel dafür, was passiert, wenn ein Experte nicht so sehr Experte ist, wie er selbst glaubt.


Starker Tobak

Was war passiert? Mitarbeiter des Steinberger Rewe-Marktes hatten am Morgen des 30. April, einem Samstag, eine Spinne entdeckt - zwischen Bananen. Der erste Verdacht: Es könnte sich um eine hochgiftige "Brasilianische Wanderspinne" handeln. Die Größe von rund vier Zentimetern hätte gepasst. Alle Waren müssten aus den Regalen entfernt und verbrannt, die Verkaufsräume anschließend mit Gift behandelt werden, lautete der erste Rat des "Experten". Einem hinzugezogenen lokalen Sachverständigen, der einmal eine Tierhandlung besaß. Starker Tobak. Auf ihn zu hören, war wohl der entscheidende Fehler. Das Problem: Der zunächst angefragte Experte war am Wochenende schlicht nicht zu erreichen.


Unfreiwilliges "Haustier"

In Steinbach ging es nun aber richtig los. Polizei, Freiwillige Feuerwehr und THW sperrten noch Samstagnacht den Parkplatz ab, über dem der dunkle Himmel zwei Stunden lang mit Blaulicht erhellt wurde. "Letztlich war es viel Wind um nichts", sorgte Kreisbrandmeister Frank Fischer für das Zitat, das den ganzen Vorfall wohl am besten zusammenfasst. Bis in die frühen Morgenstunden des Sonntags war der Parkplatz abgesperrt. Dann kam die Entwarnung vom renommierten Spinnen-Experten Peter Jäger, der inzwischen von der Abteilung Risk Management des Rewe-Konzerns beauftragt wurde. Er kam zu einem anderen Schluss als sein lokaler "Kollege".
Denn anscheinend gehen nicht nur brasilianische Spinnen gerne auf Wanderschaft. "Bei den gefunden Tieren handelt es sich um Riesenkrabbenspinnen, die völlig harmlos sind", erklärte ein Rewe-Pressesprecher - was das Kronacher Landratsamt etwas später bestätigte.

Während der Biss einer Bananenspinne tödlich sein kann, ist von der Riesenkrabbenspinne außer einem schmerzhaften Biss nichts zu befürchten. Er sei in etwa vergleichbar mit einem Wespenstich, heißt es in der Fachliteratur. Rewe ging aber nicht davon aus, dass Kunden, die Bananenstauden in Steinberg gekauft hatten, plötzlich unfreiwillig um ein neues "Haustier" bereichert werden. Wurden sie auch nicht, wie die folgenden Wochen bestätigten.

Besonders wohl fühlen sich die Achtbeiner übrigens in tropischen und subtropischen Gegenden, die sie als blinde Passagiere allerdings ebenso gerne verlassen. In Kisten schmuggeln sich die Spinnen mit dem offiziellen Namen "Heteropoda Venatoria" hauptsächlich ein. Meistens werden sie aber beim Zwischenhändler gefunden, wenn die Bananen umgepackt werden, sagte der Rewe-Sprecher. "Wir haben alle Produkte trotzdem noch einmal gewaschen", teilte Stefan Bauer, der Geschäftsführer des Steinberger Supermarktes, noch mit.
Der hatte einen Tag später schon wieder ganz normal geöffnet. Vom aufregenden Wochenende war so gut wie nichts mehr zu spüren. "Ich habe heute Morgen noch gescherzt und zu Hause gefragt, ob ich mir nicht lieber geschlossene Schuhe anziehen soll", scherzte etwa eine Kundin, just nachdem sie sich eine Staude Bananen in den Einkaufswagen gelegt hatte. ham


Humor hilft

Mit Humor nahm den kurzen Hype auch ein zugezogener 62-Jähriger, der am Auto gerade auf seine Frau wartete. "Ick jehe hier janz normal weiter einkoofen", berlinerte er munter. "Dat war ja mehr eene Panikmache." Wer Probleme mit kleinen Tieren habe, sei hier in der Region ohnehin fehl am Platz.


Rosenbergfestspiele: Leitung und Konzept wechseln vor der Saison 2017 erneut

In der Stadt Kronach wäre man vermutlich froh gewesen, wenn die Rosenberg-Festspiele heuer nicht in unserem Jahresrückblick aufgetaucht wären. Doch auch 2016 gab es Turbulenzen rund um das Freilichttheater. Ein Jahr nach Daniel Leistner verabschiedete sich seine Nachfolgerin Heidemarie Wellmann von der künstlerischen Leitung. Und wieder war der Theaterdonner im Umfeld groß.


Ärger hinter den Kulissen

Heidemarie Wellmann hatte auf Probleme hinter den Kulissen der Festspiele hingewiesen und mangelnde Rückendeckung sowie Kommunikation seitens der Stadt angeprangert. Deshalb kam sie zum Entschluss, ihr Engagement nicht zu verlängern. Ein Schritt, von dem die Stadträte durch die Veröffentlichung unseres Exklusiv-Interviews auf inFranken.de mitten in einer Sitzung über die Zukunft des Kronacher Theaters erfuhren. Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein (FW) seinerseits ärgerte sich über "eine Art und Weise, Probleme nicht persönlich und offen zu besprechen".

Nach dieser Entwicklung im September musste schnell gehandelt werden, um die Festspielsaison 2017 nicht zu gefährden. Am 24. Oktober präsentierten Beiergrößlein und die Leiterin des Tourismusbetriebs, Kerstin Löw, den neuen künstlerischen Leiter Stefan Haufe, der sich die Regie mit zwei Kollegen teilen wird. Axel Weidemann und Anja Dechant-Sundby stehen an seiner Seite. Doch nicht nur die leitenden Funktionen wurden neu aufgeteilt, sondern auch das Konzept wurde überarbeitet.

Drei Stücke werden in der kommenden Spielzeit auf der Festung Rosenberg aufgeführt: "Das Wirtshaus im Spessart", "Mirandolina" sowie "Das Dschungelbuch". Letzteres soll noch stärker in den Mittelpunkt gerückt werden als es 2016 für das Kinderstück der Fall war.

Durch die Aufteilung der Regie auf drei Personen verspricht sich Löw zudem eine andere Wahrnehmung des Programms. "Jedes Stück wird seine eigene künstlerische Handschrift tragen", erwartet sie. Und alle Beteiligten werden hoffen, dass die Festspiele nun wieder in ein ruhigeres Fahrwasser kommen. mrm

Kriminalität: Erschreckend viele Überfälle

Oft hat es einen relativ simplen Grund, weshalb manche Geschäfte oder Banken deutlich öfter Ziel eines Überfalls werden: die Lage. Gerade Autobahnen scheinen bei Kriminellen die Hoffnung zu befeuern, möglichst schnell mit ihrer Beute verschwinden zu können. Im Ansatz eine logisch klingende Theorie - die auf den Kreis Kronach allerdings so gar nicht zutrifft. Autobahnauffahrten sind hier bekanntlich ebenso viele zu finden wie Palmen auf einer Skipiste.

Dennoch ist der Landkreis alleine seit Oktober gleich vier Mal Ziel bewaffneter Überfälle geworden. Los ging das bis heute noch ungelöste Rätsel in einer Spielothek in Unterrodach - die zwei Wochen später erneut von Räubern aufgesucht wurde. Handelte es sich beim ersten Überfall am Sonntag, 9. Oktober, vermutlich noch um einen Einzeltäter, der mit Kronacher Dialekt gesprochen haben soll, waren es beim zweiten zwei Männer, die gegen 13 Uhr den Laden betraten und einen 21-jährigen Angestellten mit vorgehaltener Schusswaffe bedrohten. Sie forderten nach Angaben der Polizei in gebrochenem Deutsch, die Bargeldeinnahmen herauszugeben.

Während beim ersten Überfall niemand verletzt wurde, verpasste beim zweiten einer der Räuber dem Angestellten bei einem Schlag mit der Waffe eine leichte Kopfverletzung. Die Beute war jeweils ein niedriger vierstelliger Geldbetrag. Gleiches galt für die nur wenige Stunden später ausgeraubte Aldi-Filiale in Stockheim. Dort war ein zwischen 20 und 30 Jahre alter Mann kurz nach Geschäftsschluss der letzte Kunde und zusammen mit den drei Angestellten allein im Markt. An der Kasse hielt er der Kassiererin einen Revolver entgegen, den er unter einem grünen College-Ordner versteckte. Kaum hatte die völlig überraschte Verkäuferin dem Täter das Bargeld ausgehändigt, verließ dieser fluchtartig den Laden. Bis auf einen Schock blieb die Kassiererin glücklicherweise unverletzt.


Ein Puzzle mit vielen Teilen

In allen Fällen wurde sofort eine Großfahndung eingeleitet - ergebnislos. "Es ist schon außergewöhnlich, dass sich innerhalb weniger Stunden zwei solche Überfälle ereignen", sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberfranken. Doch als wäre das nicht schon genug, ging es am 4. Dezember wieder weiter. Abermals an einem Wochenende. Abermals in Stockheim. Diesmal waren es ein dreistelliger Bargeldbetrag und einige Stangen Zigaretten, mit denen am frühen Sonntagmorgen ein bewaffneter Täter aus der OMV-Tankstelle in der Egerlandstraße floh.

Dem Tankstellenpersonal hielt der Täter eine Pistole entgegen, schilderte die Polizei den Tathergang. Der Unbekannte forderte demnach die Herausgabe des Geldes und der Zigaretten, ehe er zu Fuß in Richtung des angrenzenden Wohngebietes flüchtete. Außer einem Schock blieb die bedrohte Angestellte unverletzt.

Derzeit werde geprüft, ob eventuell ein Zusammenhang zwischen all diesen Taten besteht, sagte der Chef der Coburger Kriminalpolizei, Bernd Rebhan. Seine Behörde hat nun ein Puzzle zu lösen, das mit jedem Überfall mehr Einzelteile erhalten hat. Weil aber noch unklar ist, ob hinter den Überfällen ein einzelner Täter, mehrere Personen oder gar eine Bande steckt, könnte es durchaus sein, dass das Puzzle gar kein einheitliches Motiv ergibt. Was bleibt als Fazit? Kriminelle brauchen offenbar keine Autobahnen und geben sich auch mit Bundesstraßen zufrieden. ham


Fahndung dauert weiter an

Das Thema dürfte aufgrund der noch laufenden Fahndung auch im neuen Jahr präsent bleiben. "Es ist leider noch nichts spruchreif", heißt es aus dem Polizeipräsidium. Hinweise nimmt die Coburger Kripo daher weiterhin unter der Telefonnummer 09561/6450 entgegen.

Babyleichen: Gericht fällt Urteil - Mutter muss 14 Jahre in Haft

Das grausame Geschehen liegt mittlerweile schon über ein Jahr zurück, die acht im November 2015 in einem Wallenfelser Wohnhaus gefundenen Babyleichen ließen das Frankenwald-Städtchen allerdings auch im Jahr 2016 nicht zur Ruhe kommen. Am Coburger Landgericht mussten sich die Eltern im Sommer den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft stellen.

Oberstaatsanwalt Martin Dippold erachtete die Schuld der damals 45-jährigen Mutter als erwiesen an. Er warf ihr vierfachen Kindesmord vor. Sie habe vier lebensfähige Babys nach der Geburt erstickt. "Ich bin der Meinung, sie ist eine Mörderin", betonte er, dass es sich bei ihrem Handeln nicht um eine Kurzschlussreaktion gehandelt habe. Auch den Vater der Kinder hielt Dippold für schuldig, sprach von einer Beihilfe zum Mord.


Eine Ausnahmesituation

Der Verteidiger der 45-Jährigen, Till Wagler, meinte, der Ankläger mache es sich in einem außergewöhnlichen Fall zu leicht. Er sah seine Mandantin gefangen in einem Kreislauf des Schwangerseins, Gebärens und Versteckens der toten Kinder. Insgesamt habe sie sich in einem Ausnahmezustand und in einer sozialen Isolation befunden. Er ging daher von Totschlagsdelikten aus, nicht von Morden. Für seine Mandantin forderte er "ein gerechtes Urteil".

Für den damals 55-jährigen Vater forderte dessen Verteidiger Hilmar Lampert einen Freispruch. "Beihilfe erfordert vorsätzliches Handeln, das kann ich nicht erkennen", sagte er. Der 55-Jährige habe die Schwangerschaften seiner Frau nämlich nicht wahrgenommen, oder er sei mit anderen Erklärungen abgespeist worden.

Am 20. Juli fällte das Gericht unter Vorsitz von Richter Christoph Gillot sein Urteil. Wegen Totschlags wurde eine 14-jährige Haftstrafe gegen die Mutter verhängt. Frühestens nach etwa neun Jahren könnte eine vorzeitige Haftentlassung zu einem Thema werden. Der Richter warf ihr vor, aus Verzweiflung Lügengebäude errichtet zu haben. Sie habe egoistisch gehandelt, allerdings auch versucht, die Familie zu erhalten. "Daher tötete sie nicht aus niedrigen Beweggründen."

Der 55-jährige Angeklagte wurde freigesprochen. Der Richter erkannte keine hinreichenden Gründe, die für eine Verurteilung des Mannes wegen Beihilfe zum Mord sprachen. mrm
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