Laden...
Kronach
Straftat

Viele Spiele ohne ernsten Hintergrund

In Kronach mussten sich gleich drei Angeklagte dem Jugendschöffengericht stellen. Sie gründeten eine Gruppe und spielten an Wochenenden Schlachten des Zweiten Weltkrieges so originalgetreu wie möglich nach. Mit alten Schusswaffen und Wehrmachtsuniformen.
Artikel drucken Artikel einbetten
Drei junge Männer standen wegen unerlaubten Waffenbesitzes vor Gericht. Foto: Christopher Schulz/dpa
Drei junge Männer standen wegen unerlaubten Waffenbesitzes vor Gericht. Foto: Christopher Schulz/dpa
Drei junge Männer standen wegen unerlaubten Waffenbesitzes vor dem Jugendschöffengericht in Kronach. Sie gehörten einer Gruppe an, die sich "WHLandserFranken, Infanterie Regiment 31" nannte. Das Interesse für die deutsche Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg verbindet das Trio aus dem Landkreis Kronach und dem Vogtland. Auch zu sogenannten Reenactment-Veranstaltungen trafen sie sich. Dabei versucht man Schlachten des Zweiten Weltkrieges so originalgetreu wie möglich nachzustellen. Hierzu besaßen die Angeklagten Uniformen sowie Waffen der Wehrmacht, die überwiegend zu funktionsunfähigen Dekorationswaffen umgebaut wurden.

Am 31. Mai 2013 gründete der 19-jährige Angeklagte die Gruppe "WHLandserFranken". Er interessiere sich schon lange für militär-historische Ausrüstungen und Waffen vor allem der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg. Er eröffnete eine Facebook-Gruppe, um anderen Leuten Videos und Fotos von Uniformen und Waffen des Zweiten Weltkrieges zeigen kann. Dabei wurde die Polizei auf ihn aufmerksam.

Strafbar machte er sich durch das Hochladen eines Bildes, auf dem ein Stahlhelm mit Hakenkreuz zu sehen ist. "Es ist allgemein bekannt, dass das Hakenkreuz ein verbotenes Zeichen ist", betonte Richter Jürgen Fehn. Auch wegen des Führens einer Dekorationswaffe saß der 19-Jährige auf der Anklagebank. Er marschierte im Oktober 2013 in voller Montur über eine nahe gelegene Staatsstraße direkt an Autofahrern vorbei. Er wollte in das Waldstück seines Großvaters, um dort weitere Videos zu drehen. Die Straße ist öffentlicher Grund, was die ganze Sache zur Ordnungswidrigkeit machte.

Butterflymesser sind verboten

Der zweite Angeklagte steht in naher Verbindung zu der Gruppe. Deswegen wurde am 30. Juli 2014 neben den Wohnungen der Hauptangeklagten auch seine Wohnung nach unerlaubten Waffen durchsucht. Sie fanden ein Butterflymesser, das seit 2003 genehmigungspflichtig ist. Der Angeklagte gab an, dass das Messer dem Ex-Lebensgefährten seiner Mutter gehöre und er nicht wüsste, wie es in sein Zimmer gekommen ist. "Nicht wem es gehört, zählt, sondern, dass sie die Herrschaft über das Messer hatten", erklärt Fehn.

Da diese beiden Angeklagten zur damaligen Zeit noch unter 18 waren, fallen ihre Ordnungswidrigkeiten unter das Jugendstrafgesetz. Rechtsanwalt Josef Geiger forderte für seinen Mandaten einen Freispruch. Staatsanwalt Michael Imhof zeigte sich, nachdem die Beschuldigten ihre sichergestellten Waffen der Staatsanwaltschaft überlassen hatten, kooperativ. Er stimmte der Einstellung des Verfahrens zu. Richter Jürgen Fehn erteilte den beiden eine Geldauflage, die an den Kindergartenförderverein St. Josef Friesen zu zahlen ist. Verstoßen sie gegen diese Auflage werden die Verhandlungen wieder aufgenommen. Der 19-jährige Hauptangeklagte bekam eine Auflage von 500 Euro, der 18-Jährige muss 200 Euro zahlen.

Längere Liste von Tatbeständen

Bei dem zweiten Hauptangeklagten, einem 29-Jährigen Mann aus dem sächsischen Vogtland, war die ganze Sache etwas komplizierter. Bei der Hausdurchsuchung am 30. Juli 2014 wurden bei ihm zwei Repetierbüchsen und Munition sichergestellt. Die tschechische Waffe fand der Angeklagte nach eigenen Angaben zusammen mit viel Munition. Wo genau, verriet er nicht. Laut seinem Anwalt wusste der 29-Jährige nicht, dass die Waffe in einem gebrauchsfähigen Zustand ist. Auch bei dem zweiten Gewehr, hätte der Angeklagte nicht gewusst, dass diese funktionstüchtig sei.

In der Internetanzeige war sie als Dekorationswaffe deklariert. Beim Umbau wird dafür ein Stahlstift in das Patronenlager eingesetzt, damit keine Originalpatrone mehr geladen und abgeschossen werden kann. Doch das Modell des Angeklagten war manipuliert, der Stahlstift wurde herausgenommen und so war die Waffe wieder scharf. Wer die Waffe umgebaut hat, ob der Angeklagte, sein Händler oder jemand anderes, konnte in der Gerichtsverhandlung nicht geklärt werden. Ein Sachverständiger wies bei beiden Waffen und bei sämtlicher Munition die Funktionsfähigkeit nach. Demnach hatte der Angeklagte bei der Hausdurchsuchung verbotene und genehmigungspflichtige Waffen in seinem Besitz. Der Richter stellte fest, dass nun nur noch zu klären sei, ob der Angeklagte unter Vorsatz oder Fahrlässigkeit handelte.

Neben dem Besitz der Waffe führte der 29-jährige Angeklagte die Waffen auch aus. Bei einem Treffen der Gruppe in Schierling nähe Regensburg hatte er seine Karabiner 98 auf dem nicht abgesicherten Gelände dabei.

Staatsanwalt Michael Imhof forderte vier Monate auf Bewährung. Der Rechtsanwalt Andreas Wölfel sah bei seinem Mandanten fahrlässiges Verhalten und plädierte für eine Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je 30 Euro.

Richter Jürgen Fehn erklärte den 29-Jährigen für schuldig des fahrlässigen und unerlaubten Besitzes von Waffen und deren unerlaubte Führung. Fehn verurteilte ihn zu 60 Tagessätzen je 30 Euro. "Es war von Anfang an viel Spiel und wenig ernst dabei", zitierte der Richter den Polizeibeamten, der in der Verhandlung aussagte. "Wenig ernst, was den ideologischen Hintergrund angeht. Was das Waffengesetz angeht, ist das jedoch fast zynisch", fuhr Fehn fort. Alle drei Angeklagte untermauerten immer wieder, dass sie keine rechte Gesinnung hätten und nur aus militärisch-historischem Interesse heraus gehandelt hätten.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren