Am Ende ist in der Tat viel gestorben worden unter der Linde oder auch jenseits des Freilicht-Plateaus der Festung Rosenberg, auf dem sich im 18. Jahr lustige und traurige Dinge abspielen. Diesmal würde es eher traurig werden, versprach - oder drohte? - Impresario und Schauspieler Daniel Leistner im traditionellen Prolog vor den voll besetzten Premierenrängen.
Und Todesfälle gibt es einige in der "Maria Magdalena" des Friedrich Hebbel, uraufgeführt 1846, ein Klassiker des bürgerlichen Trauerspiels. Das Drama einer (Klein-)Bürgerstochter, die an den Zwängen ihres engstirnigen Milieus zerbricht. Nun könnte man fragen, ob eine ungewollte Schwangerschaft in heutigen Zeiten, da jede 15-Jährige ihren Freund bei sich übernachten lassen darf, noch hinreichend dramatische Konflikte bietet. Oder ob die Schande des "nichtswürdigen Bankrotteurs" noch eine Schande ist, wo doch jeder unfähige Manager seine fette Abfindung auf den Bahamas verzehren kann.

Moderne Zwänge


Doch wie sieht's aus mit scheinbar unlösbaren Familienkonstellationen, mit Zwängen von außen und innen, sagen wir die Karriere-Erwartungen der Eltern erfüllen zu müssen? Da könnte die "Maria Magdalena" trauriges Beispiel sein. Das Festspiel-Ensemble spielt seine von Leistner inszenierte Version straff und schlackenlos durch, Musikeinspielungen gibt's diesmal gottlob nur zum Schluss, die Statisterie wird sparsam eingesetzt, der Text wurde sinnvoll gekürzt und so ergänzt, dass jeder begreift, warum sich etwa Klara in den Brunnen stürzen will.
Die Hauptperson als Schmerzensfrau spielt Heidemarie Wellmann überzeugend, ebenso Oda Gräbner als Mutter Therese; gut gefällt auch Melina Rost als Magd. Sven Schenke gibt den Bösewicht Leonhard eher als Macho denn als Ratte, die die Figur nun mal ist. Nun ist Leistner vom Zuschnitt her ein Komödiant. Den knochentrockenen, pedantischen Meister Anton nimmt man ihm nicht unbedingt ab, und Maurice Ittershagen spielt den Sohn Karl, der als einziger sich aus dem Familien-Sumpf freistrampeln kann, nicht als Freiheitsheld, sondern angesäuselt-resignativ - ungewohnt.
Die Technik funktionierte einwandfrei, das Publikum war auch angesichts deprimierender Ereignisse wie immer begeistert: Faust-Festspiele, nehmt euren Lauf!

Termine und Karten Heute, 13. Juli, 22., 27. Juli, 5. August; Karten unter www.faust-festspiele.de sowie an diversen Vorverkaufsstellen