Kronach
Ausstellung

"Tierisches" in der Kronacher Synagoge

Der Nürnberger Maler Wolfgang Böhm präsentiert seine Werke bis 24. November in der Kronacher Synagoge. Der Titel der Ausstellung lautet "Böhms Tierleben", angelehnt an "Brehms Tierleben".
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Zwei der Werke von "Böhms Tierleben"
Zwei der Werke von "Böhms Tierleben"
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Sie geben sich vermenschlicht, nehmen humane Züge, Rollen und Charaktereigenschaften an. Sie versammeln, unterhalten und beäugen sich oder blicken fragend aus dem Bild - die Rede ist vom Zyklus "Böhms Tierleben", der den größten Teil der Ausstellung in Kronach ausmacht. Böhms Tiere sind naturgetreu abgebildet, realistisch wiedergegeben und zu interessanten Gruppen zusammengestellt. Sie sind nicht wirklich, nicht echt, nicht natürlich - aber so zauberhaft, dass sie sofort den Blick des Betrachters fesseln und ihm ein Lächeln auf die Lippen zaubern.

So ging es auch den vielen Gästen - überwiegend aus der Heimatregion des Nürnbergers, die sich zur Vernissage eingefunden hatten. Der gebürtige Hofer hatte viele Jahre am Musischen Gymnasium in Nürnberg als Kunstlehrer gearbeitet. Seit seinem Ruhestand widmet er sich wieder verstärkt der Malerei.
"Vor 150 Jahren - 100 Kilometer von Kronach entfernt - in Renthendorf in Thüringen hat der bekannteste Naturforscher des 19. Jahrhunderts sein zehnbändiges ,Brehms Tierleben‘ veröffentlicht. Diese Werke standen lange Zeit in jedem bürgerlichen Wohnzimmer. Er brachte die Wildnis aus fernen Kontinenten zu uns nach Hause, lange bevor uns das Fernsehen damit überflutete", erzählt der Maler. Alfred Brehm schildere in detailreichen Illustrationen anschaulich seine Tiere. Eine handlungsreiche und spannende Dramaturgie seien ihm dabei genauso wichtig wie wissenschaftliche Erkenntnisse. Heute sei Brehm in Zoologenkreisen umstritten. Seine den Tieren angedachten Verhaltensweisen gelten als überholt.

"Mir gefallen seine Werke aber seit meiner Kindheit und im Grunde bin ich ihm im Geiste verwandt", verrät Wolfgang Böhm, der seine animalischen Protagonisten sehr liebevoll zeichnet. Auch seine tierischen Helden zeigen Gefühle und individuelle Charaktereigenschaften. Sie stammen aus der banalen Welt der Konsumgüter, sind industriell hergestellt, bestehen aus Schokolade oder Plastik, sind steril in Cellophan eingewickelt oder in Goldfolie verpackt. Sie gehören unterschiedlichen Gattungen und Rassen an, die sich in natura so nicht gruppieren würden. Was führt sie also zusammen? Ein festlicher Anlass, eine Katastrophe, eine moderne Arche Noah oder befinden sie sich in Arkadien oder gar im Paradies? Nicht nur ihr Geschmack, ihr ganzes Aussehen, ihr Wesen und Verhalten wirkt manchmal süßlich oder steril. Die Tiere sind bei Böhm, der in Acryl - und Aquarelltechnik malt, Stellvertreter für individuelle oder allgemein menschliche Befindlichkeiten in einer Zeit der emotionalen Verarmung.


Aus Italien angereist

Hannes Goschala, der eigens aus Italien zur Ausstellung anreiste, fand sehr persönliche Worte für die Arbeiten aber auch für den Menschen Wolfgang Böhm, mit dem er seit rund 50 Jahren eng befreundet ist. Auch Goschala hat sich der Kunst verschrieben. Auf eine genaue Analyse von Böhms Bildern verzichtete er aber, da jeder eine andere Auffassung von Kunst habe und man sich die Bilder selbst erschließen solle.

Die Bilder gefielen der Vorsitzenden des Aktionskreises Kronacher Synagoge, Odette Eisenträger-Sarter, so gut, dass sie über einen Freund Böhms - Ulrich Köditz, der ebenfalls schon in Kronach ausstellte - den Kontakt herstellte und die Kreisstadt nun in den "Genuss" dieser tollen Ausstellung kommt.

Wolfgang Böhm: 1946 geboren in Hof/Saale, 1966: Abitur in Bayreuth, 1966-1971: Studium an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg und München, 1971: Staatsexamen, 1972-2004: Lehrtätigkeit am Musischen Gymnasium Nürnberg, seit 2004: freischaffender Künstler

Öffnungszeiten: Die Ausstellung ist Dienstag bis Sonntag von 14 bis 17 Uhr sowie Samstag von 10 bis 13 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. red
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