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Kronach
Forstwirtschaft

Tannen sollen in den Frankenwald zurückkehren

Dem seit vielen Jahrhunderten dominierenden Waldbaum, der Fichte, wird eine schlechte Zukunft vorhergesagt. Sie soll im Frankenwald von der Weißtanne abgelöst werden.
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Tannensternchen, also Sämlinge, zeigt Forstdirektor Michael Schneider im Wald bei Grössau. Foto: Karl-Heinz Hofmann
Tannensternchen, also Sämlinge, zeigt Forstdirektor Michael Schneider im Wald bei Grössau. Foto: Karl-Heinz Hofmann
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"Die Tanne ist ein unverzichtbarer Bestandteil des Frankenwaldes. Deshalb setzt die Bayerische Forstverwaltung alle Hebel in Bewegung, um den Tannenbestand im Frankenwald wieder zu beleben und zu erhöhen." Darüber informierte Forstdirektor Michael Schneider bei einer Begehung eines frisch angesäten Tannenwaldes zwischen Neukenroth und Größau. Schneider erklärte, warum die Tanne jahrzehntelang im Rückzug war und warum sie nun im Frankenwald verstärkt wieder Einzug hält. Im 15./16. Jahrhundert bildeten Tannen zu 50 bis 60 Prozent den Baumbestand im Frankenwald. Heute sind es nur noch zwei Prozent, Fichten haben ihnen den Rang abgelaufen.

Die extremen Wetterereignisse des vergangenen Jahrzehnts stellen die privaten und kommunalen Waldbesitzer vor große Herausforderungen.
Langanhaltende Trockenperioden wie im Jahr 2003, Borkenkäfer, Sturmwürfe wie beim Orkan Kyrill 2007 und Schneebrüche führen immer öfter und intensiver zur Schwächung der Fichtenbestände. Häufig sind große finanzielle Einbußen wegen der vorzeitigen Nutzung und der entsprechenden Marktstörung für Waldbesitzer die Folge. Ein Umdenken sei anzuraten, sagte Schneider.

Doch warum wurde die Fichte der Favorit im Frankenwald?

Die riesige Nachfrage nach dem Rohstoff Holz als Bau- und Werkstoff nach Kriegen und die Pflanzung der wirtschaftlich wesentlich attraktiveren Fichte drängte den Anteil der Tanne auf heute zwei Prozent zurück. Vor allem der große Holzbedarf zu Napoleons Zeiten und später die Luftverschmutzung sind hauptsächlich Schuld daran, dass im Frankenwald kaum mehr echte Bergmischwälder mit einem höheren Tannenanteil vertreten sind. Um 1875 war der Tannenbestand im Frankenwald bereits äußerst instabil. In den 1970er-Jahren war sogar vom Waldsterben die Rede. Damit waren besonders die Tannen gemeint, die empfindlich auf das Schwefeldioxid reagierten, das im Mittelgebirge nach Niederschlägen auf die Bäume regnete und die Blätter und Nadeln durch die schweflige Säure beschädigte. Eine weitere nachhaltige Schädigung erfolgte durch Absterben der Feinwurzeln im Boden.

Dann kam die Wende. Seit 1990 zeigen Tannen im Frankenwald einen deutlichen Zuwachs. Jetzt fördert der Staat die Rückkehr der Weißtanne. Die Wurzelenergie der Tanne sei herausragend. Sie könne auch schwierige Standorte erfolgreich besiedeln, erklärte der Forstdirektor. Im vergangenen Jahr konnte man an den älteren Tannen einen großen Behang an Zapfen von 40 bis 60 Kilogramm Gewicht erkennen. Der Zapfenreichtum war die Folge des warmen Herbstes 2012. Die Samen der Zapfen fielen dann ab Oktober 2013 auf den Waldboden. Erreichten die Saatkörner den offenen Mineralboden, begannen sie heuer im Frühjahr umfangreich zu keimen.

Viele junge Tannensternchen

Zurzeit sind deshalb am Waldboden unter Alttannen zahlreiche Tannensternchen zu sehen. Vor allem in den tannenreicheren Altbeständen im Privatwald wie zum Beispiel in Grössau, Eila, Marienroth, Lahm, Effelter oder Wolfersgrün ist die natürliche Verjüngung der Tanne im Wald deutlich zu sehen. "Diese Verjüngung gilt es für einen erfolgreichen Waldumbau in vollem Umfang zu nutzen. Ein wahrhaft großzügiges Geschenk der Natur für die Waldbesitzer", sagte Schneider.

Er wies allerdings darauf hin, dass die Tannensämlinge wegen ihres Nährstoffangebotes begehrt seien. Vor allem das Rehwild genieße den Tannenanflug mit Vorliebe. Gegenüber Baumschulpflanzen sei es bei der natürlichen Verjüngung im Wald von Vorteil, dass die Sämlinge ungestört ihre Wurzeln entwickeln könnten. Das alles sei unverzichtbar für die Umgestaltung der Fichtenwälder in einen zukunftsfähigen Bergmischwald. "Die Naturverjüngung der Tannen sollte deshalb den betroffenen Waldbesitzern eine bis zwei Rollen Draht-Zaun wert sein", betonte der Forstdirektor. Die Beratung durch die Revierleiter der Forstverwaltung stehe dem Waldbesitzer im jeweiligen Revier zur Verfügung. Die Waldbesitzer hätten zur Umsetzung ihrer Ziele zahlreiche Partner wie Waldbesitzervereinigung, Jagdverband und Bauernverband, die im Landkreis Kronach eng mit der Forstverwaltung zusammenarbeiten, man sollte ihren Rat suchen und nutzen, empfahl Michael Schneider.

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